Planetarium Cusco, Tag 46

Am Nachmittag ist der Himmel bewölkt, doch im Laufe des Abends klart der Himmel auf und wir können später beim Planetarium die Sterne mit dem Teleskop beobachten. Moment, die Sterne im Planetarium mit dem Teleskop beobachten? Das bedarf einer längeren Erklärung.

Es gehört zum Programm wenn man wie wir heute Abend das Planetarium in Cusco besucht. In der Altstadt Cusco werden um 17:45 mit dem Minibus abgeholt. Carmen, eine junge Peruanerin macht die englische Führung, ihr Onkel Alcides die spanische. Wir nehmen zusammen mit etwa zehn bis zwölf anderen an der englischen Führung Teil. Doch erstmal geht es stadtauswärts, an den historischen Mauern von Saksayhan vorbei, im Dunkeln eine steile Straße hinauf. Von hier oben sieht man die Lichter der Stadt, die fast aussehen wie Sterne.

Auf dem Gelände des Planetariums ist es stockdunkel; gut, dass wir unsere Stirnlampen mitgenommen haben, sonst packt man bei den Treppen sich auf die Nase. Drinnen im Planetariumsvorraum bekommen wir für die Präsentation von Carmen Decken, weil nachts die Temperaturen auf 0°C sinken. Carmen hält einen sehr schönen, lebendigen Vortrag über die historische Himmelsbeobachtung der Inkas. Amüsanterweise bezeichnet sie die Invasion der Spanier als „kulturelle Unterbrechung“ und sieht sich selbst als Nachfahre der Inkas. Doch um auf das Thema Himmelsbeobachtung zu kommen muss sie etwas weit ausholen.

Nur 4% der Fläche des Landes von Peru sind fruchtbar. Daher die vielen Terrassenbauten an den Berghängen. Außerdem kann man die Feldfrüchte entsprechend züchten, so dass sie den extremen Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages und den extremen Niederschlagsschwankungen innerhalb eines Jahres standhalten. Es gibt viele Mikroklimas in Peru, hinzukommt das El Niño-Phänomen, das sich in den letzten Jahren durch die globale Erwärmung verstärkt hat. Daher sind die hiesigen Feldfrüchte, die die Spanier mit nach Europa sind extrem wiederstandsfähig. Eine davon ist von deutschen Tellern und als Stärkelieferant für ein gewisses russisches Nationalgetränk kaum wegzudenken: Die Kartoffel.

Kurzum, damit die vielen Bewohner des Inka-Reiches ausreichend mit Nahrung versorgt werden konnten, musste man das Wetter und deshalb auch den Himmel genaustens studieren, um den Ernteertrag zu maximieren. Man braucht einen Kalender und dieser offenbart sich am Nachthimmel. Die Präsentation dreht sich hauptsächlich um Sternbilder, die aber eigentlich keinen wissenschaftlichen Wert besitzen, sondern eher historischen Wert haben. Aber das ist auch interessant, denn die Inka hatten wie die Griechen ihre eigenen Sternbilder und damit verbundene Erzählungen. Durch die südliche Lage leuchten hier andere Sterne am Himmel als in der nördlichen Hemissphäre, doch manche Sternbilder des Nordens wie der Große Wagen sind auch hier (leicht gedreht) in den frühen Abend- und Morgenstunden sichtbar.

Die südliche Lage bedingt auch, dass die Milchstraße in aller Klarheit sich über dem Firmament erstreckt. In den Formen der Dunkelwolken der Galaxis erfanden die Inkas eigene Figuren, wie den Frosch, den Fuchs oder das Lama.

Manche Sternbilder und deren Legenden sind mit der Agrarkultur assoziert. Eine Legende zum Beispiel, nach der ein Greis, Pflanzensamen mitgebracht haben soll, die sich in Form der Myriaden Sterne der Milchstraße am Himmel verewigt haben.

Nach dem Vortrag gehen wir in die winzige Kuppel, die einen Durchmesser von etwa drei Metern besitzt. Auch hier drin ist es kalt, aber können unsere Decken mitnehmen. Das Equipment des Planetariums mutet prähistorisch an, aber das Planetarium ist privat, ein Familienbetrieb und erhält keine staatliche Unterstützung.

Es besteht aus zwei dreh- und schwenkbaren Metallzylindern in denen sich jeweils eine Glühbirne befinden. Auf dem einen Zylinder sind Löcher für die Sterne des Firmaments an den entsprechenden Positionen einbohrt, in den zweite Zylinder sind die Sternbilder eingraviert. Im Prinzip können so nur zwei Bilder an die Kuppel projiziert werden; Sterne mit oder ohne Sternbildmarkierungen.

Carmen erklärt uns den Sternhimmel des Südens und wie man sich auf ihm zurechtfinden kann. Der Polarstern ist nicht sichtbar und einen Südstern gibt es nicht, deshalb muss man vom Kreuz des Süden 4,5 Schritte der Längsachse des Kreuzes in Richtung Süden gehen, um den Südpol zu finden. Leider ist, wie die Ausstattung vermuten lässt, der Eindruck des Sternenhimmels entsprechend unscharf und die Sterne besitzen alle die gleiche Farbe, was die Orientierung erschwert. Für die weitere Präsentation steht ein kleiner Digitalprojektor bereit, mit dem man Powerpoint-Präsentationen zeigen kann.

Nach der Präsentation in der Kuppel geht es dann endlich raus zum Nachthimmel, der zum Glück fast klar geblieben ist, nur ein paar Schleierwolken trüben die Sicht. Die Leute vom Planetarium haben zwei Teleskope aufgestellt. Weil zwischenzeitlich noch kälter geworden ist, wird uns allen Tee zum Aufwärmen angeboten. Gandalf, der weiße Planetariumshund schleicht im Dunkeln um uns herum.

Durch das Teleskop sehen wir das der Sonne nächste Doppelsternsystem Alpha Centauri A und B getrennt. Dann den majestätischen Saturn mit seinem gigantischen Ringsystem und seinem Mond Titan, der als kleiner orangener Punkt zu sehen ist. Ebenfalls imposant ist ein offener Sternhaufen und einen Kugelsternhaufen mit über einer Millionen Sternen im Sternbild Zentaur. Der Mars ist als rötliche Scheibe sichtbar, er ist zur Zeit weit von der Erde entfernt, um dort Oberflächendetails erkennen zu können.

Dann wird es draußen zu kalt, die Sternegucksitzung ist vorrüber und wir verabschieden uns. Die Leute sind superlieb und durch die Teleskope und das Beobachten des Nachthimmel war der Besuch jeden Soles wert, doch die magere Ausstattung der Kuppel hinterlässt nur einen bemitleidenswerten Eindruck. Ich wünschte, es gäbe eine freie Planetariumssoftware, mit der man solche kleine Kuppel mit wenigen Projektoren kalibrieren und bespielen kann.

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Cusco, Tag 45

Der heutige 16. Juli ist der Feiertag der Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel, der Schutzpatronin des Karmelitenordens. Die Frau soll in ihrer Lebensweise Jesus Christus sehr ähnlich gewesen sein und wird deshalb als Heilige verehrt.

In einer Geisterstadt, ca. drei Busstunden von Cusco entfernt, gibt es einen Karneval ihr zu Ehren. Doch wir brauchen mal einen Tag Ruhe schlendern lediglich ein bisschen durch Cusco. Auch in Cusco sieht man kleinere Musikkapellen und Umzüge, bei denen ein Abbild der Virgen del Carmen (so heißt die Frau auf Spanisch) getragen wird.

Cusco hat etwa eine halbe Million Einwohner. Die Zahl der Einwohner hat sich in den letzten Jahren im Zuge des Tourismusbooms rund um Machu Picchu und den anderen archäologischen Stätten verfünffacht. Während die archäologischen Stätten des untergegangenen Inkareiches außerhalb der Stadt liegen, ist die historische Altstadt geprägt von den Kolonialstilbauten der Spanier. Die Stadt ist voll auf den Tourismus ausgerichtet. An historischen Sehenswürdigkeiten hat die Stadt bestimmt so viel zu bieten wie Rom. Wer weiß, wie viel mehr es hier noch gäbe, wenn die Spanier die Inkastätten nicht verwüstet hätten.

Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind extrem, was vornehmlich an der sehr trockenen Luft liegt. Tagsüber kann bei 20°C mit T-Shirt bekleidet rausgehen, nachts hingegen braucht wir wegen der dünnen Fenster und fehlenden Heizung zum Schlafen drei Paar Socken, ein T-Shirt, zwei Pullover und eine dicke Decke über unseren Schlafsäcken, damit wir nicht frieren. Die Temperaturen sinken bis auf den Gefrierpunkt.

Wenn durch die Stadt geht, sieht man in den schmalen Gassen sieht man Indianer-Frauen in Tracht mit kleinen Babylamas oder Babyschäfchen oder Babyalpacas, mit denen man sich für ein paar Soles fotografieren lassen kann. Mir fällt auf wie viele Touristen Pullover und Mützen aus Alpacawolle tragen, aber ich werde mir sowas etwas erst in Bolivien kaufen. Ist auch dort auch ein bisschen günstiger.

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Pisac, Tag 44

Heute wollen wir zuerst nach Pisac und dann nach Moray.

Zuerst gilt es, die richtige Busstation zu finden. Der Bus ist groß, aber es ist der erste Bus auf der gesamten Reise in des wirklich unangenehm nach Mensch stinkt. Egal in welchem Bus ich gesessen habe, ich habe nie schlechtriechende Menschen getroffen, egal welchen Alters. In Berlin ist die Wahrscheinlichkeit weitaus höher, neben einem versoffenen, verrauchten, ungewaschenen oder verlebten Sitznachbarn zu sitzen.

Das Taxi bergauf zu den Ruinen von Pisac kostet nochmal 25 Soles. Der Taxifahrer lässt uns einsteigen, fragt uns woher wir kommen. Beim Stichwort Deutschland fällt bei ihm sofort die Assoziation Fußballweltmeister. Dann erzählt er und etwas von einem Taxi-Fahrerverbund, parkt das Auto am Straßenrand, steigt aus, geht weg und lässt uns allein im Auto sitzen. Dann klopft ein anderer Taxifahrer an die Fensterscheibe, erzählt ebenfalls etwas von Taxifahrerverbund und wir steigen bei ihm ein. Der Preis ist derselbe. Oben am Eingang der Ruinen verkaufen Händler Getränke und Souvenirs.

Die stufenartig an den Hängen angelegten Inka-Terrassen dienten einem effektiverem Anbau von Feldfrüchte wie Mais, Kartoffeln oder Paprikas um eine größere Anzahl von Menschen versorgen zu können. Die Terrassen wurden durch noch heute funktionierende Kanäle bewässert. Die Ruinen wurden um 1440 erbaut und etwa einhundert Jahre später von den Spaniern nahezu komplett zerstört. Genau wie die Festung von Ollantaytambo liegt die Pisac im Heiligen Tal der Inka. Während Ollantaytambo dazu diente, das Tal vom Norden her abzusichern, bot die Festung in Pisac Schutz gegen Eindringlinge aus dem Süden.

Wir bleiben etwa zwei Stunden auf den Ruinen, der Abstieg in das Dorf Pisac dauert etwa eine Stunde. Unten angekommen, stoßen wir auf einen Markt, in dem wieder Souvenirs, Musikinstrumente und Kleidung aus Alpaca-Wolle verkauft werden.

Die Fahrt nach Moray würde von hier weitere zwei Stunden dauern und es ist schon spät, daher entscheiden wir uns dafür, Moray an einem anderen Tag zu besuchen.

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Ollantaytambo, Tag 43

Als erstes beschweren wir uns an der Rezeption über das Zimmer und die verplante Reservierung. Der Typ ist etwas uneinsichtig und meint, es gäbe Warmwasser. Man müsse nur den Hahn vollaufdrehen und das Wasser fünf Minuten laufen lassen. Was für eine Verschwendung. Wir einigen uns am Ende auf 50 statt 60 Soles. Wir frühstücken woanders in einen kleinen, gemütlichen Café.

Dann kaufen wir uns um in die Festung von Ollanta zu kommen, ein Boleto Touristico, das es wie erwähnt für zwei oder zehn Tage gibt. Weil ich über 25 bin, bekomme ich keinen Studentenrabatt mehr und wir entscheiden uns für das Zweitagesticket mit dem man sich vier Sehenwürdigkeiten anschauen kann.


Die Festung von Ollantaytambo wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Die terrassenartig angelegten Mauern erheben sich etwa 60m über dem Dorf und sind über eine endlos hohe Treppe erreichbar. Die hohen Mauern, von denen die Inkas mit Pfeil und Bogen schießen konnten, machten das Einnehmen der Festung für die Spanier unmöglich. Die Riesensteinblöcke halten Erdbeben stand, während die viel filigraneren Kolonialstilbauten der Spanier in Cusco Schäden davontrugen.

Auf dem Rückweg nach Cusco fährt der Fahrer des Minibusses wie ein Irrer über die Geschwindigkeitshuckel, die an jedem Ortseingang die Autofahrer zum Abbremsen zwingen soll. Bei unserem Minibus brechen jedes Mal fast die Achsen.

Das Boleto für zwei Tage war eine Milchmädchenrechnung, denn man kann nicht zu vier beliebigen, sondern nur zu den vier Stätten, die auf dem Boleto abgedruckt sind. Eigentlich wollte ich die Inka-Ruinen, die sich in der Nähe von Cusco befinden besichtigen, aber sei‘s drum.

Also fahren wir als erstes nach Chinchero, einem hübschen Dorf, in dem es die typischen Inka-Mauern und eine von den Spaniern errichtete Kirche zu sehen gibt. Die Fahrt dorthin dauert etwa eine dreiviertel Stunde. Vor mir sitzt eine alte Frau mit grauem Star auf einem Auge.

Nach dem Aussteigen aus dem Bus müssen wir noch ein kleines Stück den Berg hochlaufen und unser Boleto vorzeigen. Man hat einen tollen Ausblick auf die umliegenden Berge. Ein kleiner Junge kommt auf uns zugerannt. Er heißt Lukas und hat das Downsyndrom. Er betatscht uns mit seinem klebrigen Händen und zerrt an unserer Kleidung. Meinen Fotoapparat findet er besonders interessant. Vor allem, als ich ein Foto von ihm mache und er sich selbst auf dem Display sehen kann; dann jauchzt er laut. Seine Mutter meint, dass er möchte, dass wir uns hinsetzen. Zehn Meter von der Bank auf der wir sitzen, ist ein Stand mit Snacks. Wir bemerken, dass die Mutter ihren behinderten Sohn nur benutzt hat, um uns ein paar Getränke und Schokoriegel zu verkaufen.

An den orange-bräunlichen Inka-Mauern, die die Terrassen begrenzen und deren Steine akkurat übereinander gestapelt sind, gibt es ein paar Indigenes, die gerade Kartoffel stampfen und in der Sonne trocknen, um sie zu konservieren. Céline unterhält sich angeregt mit einem der Arbeiter, es wird gelacht. Auf Quechua fällt das Wort „Gringa“, aber die Indianerin meint es glaube ich eher scherzhaft.

Auf dem hinteren Gelände gibt es auch eine Eselfamilie mit einem kleinen Babyesel, der sich gerne sein weiches Fell streicheln lässt. Auf den oberen Terrassen verkaufen Indigenas Pullover, Decken und Mützen aus Alpaca-Wolle.

Wir kaufen bei einer Frau eine schöne warme Wolldecke. Wir handeln den Preis auf 70 Soles, doch trotzdem haben wir am Ende kein Geld mehr für den Bus zurück nach Cusco. Einen Geldautomaten gibt es in diesem Kaff nicht. Wir finden einen Bus, doch Céline muss in Cusco nach dem Aussteigen zum Geldautomaten, dann in irgendeinem Geschäft etwas kaufen, um Wechselgeld zu bekommen (was in Peru irgendwie immer knapp ist) und dann dem Busfahrer das Fahrgeld geben. Ich warte währenddessen am Bus.

Anschließend gehen wir in Supermarkt, um die Zutaten für das Abendessen zu kaufen. Die Supermarktkette heißt genau wie das Erotikversandhaus Orion und das Logo sieht auch fast genauso aus. Strapse und Dildos gibts hier aber keine, auch nicht auf Bestellung.

Als wir Tür zu unserem Zimmer aufschließen wollen, bricht Céline der Schlüssel im Schloss ab. Ich kann den Schlüsselbart herausziehen, doch das Schloss klemmt trotzdem. Mit einem anderen Schlüssel und etwas Hilfe vom Hostelpersonal lässt sich die Tür aber dann doch öffnen.

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Machu Picchu, Tag 42

Man muss früh losgehen nach Machu Picchu, wenn man von dort noch den Sonnenaufgang erleben will. Wir stehen um vier Uhr auf, um uns eine halbe Stunde später zu Fuß auf den steilen Weg nach Machu Picchu machen zu können. Der Frühstücksraum im Hostel ist überfüllt mit Pfadfindern in uniformer Kluft. Wir verschlingen schnell stehend unser Frühstück, kippen schnell den Kaffee bzw. Tee hinter Binde und dann gehen wir los. Draußen ist es noch dunkel und die Straße nach Machu Picchu nur zum Teil beleuchtet. Erst einmal geht es ohne größere Steigung zu einer Brücke, an der unsere Tickets geprüft werden. Dann geht es den Wanderpfad hinauf. Der Weg hoch ist höher und schwieriger als erwartet. Es fühlt sich an wie Treppensteigen in einem Wolkenkratzer. Machu Picchu liegt mit 2390m über dem Meerespiegel 280m höher als Aguas Calientes.

Auf dem Weg nach oben wird es heller, die Venus scheint hell am Himmel. An jeder Biegung hoffe ich, dass es die letzte sein wird. Doch irgendwann erreichen wir den Eingang nach Machu Picchu, an dem bereits Scharen von Touristen in der Schlange stehen. Die, die mit dem Bus hochgefahren wurden, sind natürlich früher da und erholter. Wir hingegen sind schweißnass.

Die Stadt wurde um 1450 errichtet, doch ihr ursprünglicher Name und Zweck sind bis heute ein Rätsel. Entdeckt wurde die Stadt im späten 19. Jahrhundert, doch weltbekannt wurde sie erst 1913 nach dem die Zeitschrift National Geographic ihr eine gesamte Ausgabe widmete. Zwei Jahre zuvor hatte Hiram Bingham die Stadt auf einer Expedition wieder entdeckt. Schätzungen zu folge konnte die Stadt etwa 1000 Menschen beherrbergen, bei der frühen Erforschung fand man hier etwa 100 Skelette.

Es gibt Touristen aus aller Herren Länder; aus China, Japan, den Niederlanden, Frankreich, Argentinien, Russland, Deutschland. Doch am auffälligsten sind die vielen Gruppen Halbstarker Amis, die sich durch ihr hormongeschwängertes Verhalten lautstark bemerkbar machen.

Dann müssen wir uns in  eine der drei Schlangen stellen. Es geht langsam voran und wir bangen um den Sonnenaufgang. Doch die Sonne lässt sich bei ihrem Aufstieg über die Berge noch etwas Zeit. Es ist richtig kalt, wir kühlen ab und frieren. Wir steigen auf den Haupttempel, um zu sehen, wie sich die Sonnenstrahlen über die Berge verstreuen und die Landschaft erhellt wird. Als die Sonne es über die steilen Felsen geschafft hat, wird es auch schnell wärmer. Das Gelände ist sehr gepflegt, es liegt kein Müll herum und die meisten Leute halten sich auch an den Abfallverbot.

Doch bevor wir uns das Weltkulturerbe aus der Nähe anschauen, geht es noch einmal 240m hoch Treppensteigen auf den nahegelegenen Berg Huayna Picchu, von dem wir die Inka-Stadt wunderbar aus der Ferne begutachten können. Dafür müssen wir wieder Schlange stehen, denn es gibt zwei Gruppen für den Aufstieg, eine von sieben bis acht Uhr und eine von zehn bis elf.

Wir sind nach der Pause vom Sonnenaufgang wieder fit. Nach dem wir die Laguna 69 geschafft haben, ist dieser Aufstieg ein Klacks. Eine US-Amerikanerin, deren etwa vierzigjähriger Körper ausgiebig von McDonald’s geformt wurde, hat sich aber vorsichtshalber eine Sauerstoffflasche mitgenommen.

Der Ausblick von hier oben ist atemberaubend. Diese steilen, mit Bäumen bewachsenen Berge und mittendrin dieses historische Monument. Man kann die Serpentine für die Touri-Bussi und die Brücke, an der wir vorhin zum ersten mal unser Ticket zeigen müssen, erkennen. Die Brücke liegt etwa 520m unter uns. Wenn man Machu Picchu von hier beobachtet, kann man immer wieder Leute sehen, die bei vollem Sonnenschein mit Blitzlicht fotografieren. Vielleicht macht das bessere Fotos. Mir fällt auch auf, wie viele Leute mit ihren Tablets Fotos machen. Ich für meinen Teil bringe das nächste Mal meinen Full-HD-Fernseher mit der integrierten Webcam mit, um damit meine Anwesenheit auf Machu Picchu für die Nachwelt festzuhalten. Als wir wieder unten in der Inka-Stadt ankommen, ist bereits voller geworden. Mitarbeiter des Monuments weisen auf Anhöhen stehend den Weg um Gedrängel in den schmalen Wegen zu vermeiden.

Insgesamt hier alles sehr restriktiv, was aber verständlich ist. Vor ein paar Jahren wurde die Zahl der Besucher pro Tag auf 2000 begrenzt, um die Stätte zu schonen. Die UNESCO fordert, die Zahl der Touristen gar auf 800 pro Tag zu beschränken. Schilder mit Erklärungen gibt es auf dem gesamten Gelände keine, denn dafür soll man sich ja einen Guide organisieren. Man kann aber auch einfach bei den anderen Guides mithören, denn für die vielen Touristen auf dem Gelände gibt natürlich auch entsprechend viele Guides. Dafür werden Lamas als Touristenattraktion auf dem Gelände gehalten, darunter auch viele kleine und ein Neugeborenes, das noch kaum laufen kann.

Wir sehen eine Gruppe Argentinier, alle in Trikots der argentinischen Nationalelf und mit Fahne. Sie bereiten sich jetzt schon auf das Finalspiel der Fußball-WM Deutschland gegen Argentinien vor. Die Gruppe wird uns heute noch mehrmals begegnen. Richtung Ausgang hält ein Typ einen Schal mit der Aufschrift „Santos“ (wahrscheinlich ein Fußballverbein) hoch und lässt sich fotografieren und wird dafür von den Guides ermahnt. Ist ja auch selten dämlich, aber es geht hauptsächlich darum, dass er das Foto mit Machu Picchu nicht für seinen Verein verwenden darf.

Der Abstieg ist etwas einfacher, dafür laufen wir in prallen Sonne und die Touristenbusse wirbeln immer reichlich Staub auf. Wir kommen ausgelaugt mit leerem Magen und trockener Kehle um 13 Uhr in Aguas Calientes an.
Das Essen in Aguas Calientes ist schäbig und teuer, was vornehmlich daran liegt, dass die meisten Touristen hier nur eine Nacht verbringen. Wir probieren das Menü für 20 Soles, das so ziemlich günstige, was man hier abstauben kann. Dafür bekommt man einen übersichtlich Salat auf einer Untertasse, eine fade Tomatensuppe, eine dreiviertel Portion Spaghetti und ein halbes Glas Jugo; immerhin. Auf die 20 zwanzig Soles kommen dann noch sechs Soles Servicegebühr obendrauf.

Wir haben noch den halben Tag, denn unser Zug fährt erst um 21:30 nach Ollantaytambo zurück. Zeit, um das Endspiel Deutschland gegen Argentinien zu gucken. Wir gehen dazu in ein Restaurant voller Argentinier. Die Gruppe, die wir bereits zuvor in Machu Picchu getroffen haben, sitzt hinter uns und grölt während des Spiel lautstark mit. Wir sind also in der absoluten Minderheit. Ein Peruaner, der für Deutschland ist, sitzt mit uns am Tisch. Als Miroslav Klose ausgewechselt wird, buhen die Argentiner hinter und ich drehe mich mit skeptischem Blick um. Dann wissen sie, dass wir aus Deutschland kommen. Zu Ende der regulären Spielzeit, als es immernoch 0:0 steht, befestigt ein Argentinier ein „Vamos Argentina“-Pappschild mit der Aufschrift mit Klebeband unter dem Fernseher.

Doch das Schild hält nicht lange, es fällt herunter. Das ist Zeichen, denn fünf Minuten später fällt das Tor für Deutschland. Nachdem Spiel gratuliert mir einer der schon ziemlich angetrunkenen Argentinier, so als ob der WM-Titel meine alleinige Leistung gewesen wäre. Ich sage ihm, das Argentinien auch gut gespielt hat, doch er ärgert sich trotzdem. Jedermann sein eigener Fußball.

Dann gehen wir ins Hotel und schlagen die Zeit mit Breaking Bad gucken tot. Dort stellen wir fest, dass die Argentiniergruppe im gleichen Hotel ist wie wir. Dann begegnen wir ihnen auch noch in der Einkaufsmeile, bevor wir zu Bahnstation gehen. Die Bahnstation ist etwas versteckt, doch wir finden sie schlussendlich.Die Argentinier sind diesmal nicht in unserer Gegenwart. So erschöpft wie ich bin, schlafe ich im Zug sofort ein.

Angekommen in Ollantaytambo, müssen wir noch zu unserem Hostel laufen und wollen dort einfach nur noch in unsere Betten sinken. Doch Pustekuchen. Das Hostel hat geschlossen, niemand ist an der Rezeption, obwohl wir uns für heute Nacht angekündigt haben. Das Hostel liegt am Hauptplatz des Dorfes, wo sich ziemlich viele Straßenköter aufhalten. Fünf von ihnen sind uns auf den Fersen und blaffen uns an. Einer bewegt sich merkwürdig verkrampf, so als hätte er Tollwut. Wir schaffen es, in eine Garage neben dem Hostel zu rennen und die Hunde hinter uns lassen. Von dort kommt man auch in den Innenhof des Hostels. Wir klopfen und rufen, nach ein paar Minuten kommt ein alter Mann völlig entgeistert die Treppe herunter. Er gehört zum Hostel und wir sagen, dass wir eine Reservierung für heute Nacht haben. Er lässt uns in ein Dreibettzimmer, obwohl wir eigentlich ein Doppelzimmer reserviert hatten. Der Preis ist der gleiche. Wir bekommen keine Handtücher, kein Klopapier und keinen Schlüssel. Warmwasser gibt es ebenfalls nicht. Das Bettlaken des dritten Bettes benutzen wir als Handtuch. Doch trotzallem schlafen wir gut.

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Cusco / Aguas Calientes, Tag 41

Zuerst müssen wir mit dem Minibus nach Ollantaytambo fahren. Bevor es mit dem Zug nach Aguas Calientes geht, haben wir noch ein bisschen Zeit in diesem Dorf.

Dort gibt es eine archäologische Stätte, eine Inka-Festung zum Schutz vor Machu Picchu. In den Bergen befinden sich außerdem weitere Inka-Ruinen. Das wollen wir uns aber erst übermorgen anschauen, denn dafür braucht man das Boleto Touristico. Dieses Ticket gilt je nach Preis für zwei oder zehn Tage und man kann damit unterschiedliche Sehenswürdigkeiten in Cusco und Umgebung betreten. Vor dem Eingang der Festung steht ein Mann, der sich als Inka verkleidet hat. Er trägt ein Schwarzes Gewand, einen Goldhelm, viel Goldschmuck und hält einen Speer in der Hand. Das soll wohl Touristen anlocken.

Wir haben uns spontan dazu entschieden, uns für eine Nacht ein Hostel zu reservieren. Wir finden ein Hostel für 60 Soles, danach telefonieren wir und müssen noch ein paar Sachen im Internet checken.

In dem Locutorio – so heißen hier die Internetcafés, in denen man auch telefonieren kann – spielen ein paar Kinder an den Computer Age of Empires II, GTA Vice City und Wimmelbildspiele. Auch sonst ist die Spieleauswahl ganz gut, aber deswegen sind wir ja nicht hergekommen. Internet dagegen gibt es dagegen nur im Schneckentempo, der Ping nach google.com ist etwa 300ms. Ich habe das Gefühl, je weiter wir nach Süden reisen, desto langsamer wird das Netz. Bis Google Maps mal eine Karte anzeigt, vergeht eine halbe Ewigkeit. Aber irgendwie quetscht sich durch die Leitung, was wir suchen.

Dann geht es in den Zug. Diese Bahnstrecke ist im Verhältnis zu ihrer Länge die teuerste von ganz Peru. Auf der zweistündigen Fahrt beginnt sich die Landschaft zu ändern, von kargen großen Bergen zu extrem steilen, bewachsenen. In diesen Bergen befindet sich Machu Picchu. Auf der Zugfahrt läuft diese peruanische Musik, die mit Keyboards unterlegt ist und in etwa so klingt wie die bei den Indianern in der Fußgängerzone. Zum Glück habe ich mein Tablet und gucke mit Kopfhörern Fitzcarraldo. Zwischendurch werden Heißgetränke und Süßgebäck serviert.

Aguas Calientes ist ein echter Touri-Ort, der voll und ganz auf das nahegelegene Machu Picchu ausgerichtet ist. Es gibt Restaurants, Cáfes, Souvenirgeschäfte und Wellnessangebote. Mit dabei sind natürlich auch wieder die Drückerkolonnen und wir werden alle paar Meter ungefragt angesprochen, ob wir eine Tour nach Machu picchu, eine Massage oder etwas essen wollen. Eine Massage-Laben wirbt groß mit „Inka Hadns“ (so geschrieben).

Die Entwicklung, die das kleine Aguas Calientes mit seinen heutigen 2000 Einwohnern durchgemacht hat, ist erstaunlich. Vor 100 Jahren, als Machu Picchu entdeckt wurden, standen hier eine Handvoll Häuser. Vor 40 Jahren gab hier noch nicht einmal Strom. In den letzten 10 Jahren ist die Stadt noch touristischer und aufgeräumter geworden; die Obstverkäufer wurden Souvenirgeschäfte ersetzt.

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Cusco, Tag 40

Nach der 22-stündigen Busfahrt sind wir erledigt, was auch an der dünnen Luft liegt, denn Cusco liegt 3400m über dem Meeresspiegel. Und egal wie komfortabel der Bus ist, durch die Serpentinen und das ständige Wackeln und Schwenken kann man kaum schlafen. Uns beiden wurde auch leicht übel, wie bei einer Seekrankheit. Außerdem bewegen sich ständig die Gepäckstücke hin und her, was auch zur Geräuschkulisse beiträgt. Wir sitzen im oberen Teil des Busses, an der Treppe. Nachts fällt von den vielen Kurven mein Rucksack mit Laptop und Kamera die Treppe herunter. Zum Glück ist nichts kaputtgegangen.

Über Cusco werde ich die nächsten Tage noch schreiben, doch wir sind für diese Nacht in der Stadt nur auf der Durchreise, denn wir wollen erst einmal nach Machu Picchu. Das berühmte Inka-Monument liegt etwa 100km von Cusco entfernt.

Am Busbahnhof steht eine Tafel mit den Tarifen für die Taxifahrt zu verschiedenen Zielen. Die Fahrt zu unserem Hostel kostet laut Tafel zehn Soles. Dann gehen wir zu den Taxifahrer und fragen wie viel es kostet. Weil wir Gringos sind, versucht ein Taxifahrer versucht uns zu über den Tisch zu ziehen und sagtzwanzig Soles statt zehn für Fahrt zum Hostel.

Das Zimmer im Hostel selbst ist unter aller Kanone. Das Zimmer ist im Erdgeschoss, es gibt ein Fenster, das sich aber genau hinter der Rezeption befindet, wodurch man die Vorhänge zugezogen lassen muss. Vor dem Zimmer ist dann noch der Internetraum des Hostels. Wirklich ruhig ist es also nicht, zu mal die Fenster wie fast überall in Peru nur einfach verglast sind und keinen wirklichen Schallschutz bieten. Im Zimmer gibt es nur zwei Steckdosen (nebeneinander), Schimmel im Badezimmer und keine Nachttischlampe. Dafür sind selbst 60 Soles zu viel und wir suchen uns für die Zeit nach Machu Picchu ein anderes. Wir schlendern durch die Umgebung vom Plaza de Armas, dem Hauptplatz von Cusco, gehen in die Hostels und fragen nach Preisen und Ausstattung. Ein Hostel verlangt für ein Doppelzimmer nur 50 Soles, doch das Klo ist dreckig und die Frau, die uns das Zimmer bringt kein Wort heraus und wirkt irgendwie etwas debil. Schlussendlich finden wir ein nettes Hostel mit Küche, Frühstück für 100 Soles. Dort kann man es aushalten.

Dann fällt uns auf, dass wir Abfahrts- und Zielort für unsere Zugtickets von Ollantaytambo nach Aguas Calientes beim Buchen vertauscht. Ist aber weniger schlimm als wir dachten, denn wir können für 6$ eine Umbuchung vornehmen. Morgen früh geht es also dann nach Aguas Calientes, dem zu Machu Picchu nächstgelegenen Dorf.

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Letzter Tag in Lima, Tag 39

Am Vormittag versuche ich das Netbook zu reparieren, es startet nicht mehr. Ubuntu konnte ich neuinstallieren, aber das WLAN will nicht so recht. Immer kann Céline dann auf der uns bevorstehenden, heute beginnenden Busfahrt nach Cusco so zumindest Filme gucken.

Zum Mittag kommen Onkel Pepe und seine Frau, die aus Argentinien kommt. Pepe redet genau soviel wie Onkel Maxi, doch viel ruhiger und lustiger. Zum Mittagessen hat Liz Hühnchen mit Pommes bestellt. Marcos Oma erledigt derweil ein paar Sachen in Stadt. Am Esstisch erzählt sie, dass sie einen neuen Telefonanschluss haben wollte, weshalb sie in ein Geschäft gegangen ist. Doch sie wurde schlecht beraten und über den Tisch gezogen. Sie nannte den Verkäufen einen Betrüger. Vor Frust ging sie dann ins naheliegende Casino und gewann 500 Soles. Dann wusste sie, dass Gott auf ihrer Seite ist.

Bevor wir aufbrechen, machen wir noch ein paar Fotos von uns allen und verabschieden uns von Marcos Oma. Anschließend, durch den beginnenden Berufsverkehr, fahren wir mit Liz und Marco zum Busbahnhof.

Es ist unser erster Bus, in dem es Camas gibt. Cama heißt Bett auf Spanisch, meint aber hier, dass man die Sitze zu einem Bett umfunktionieren kann. Die Beinfreiheit ist gewaltig, viel größer als auf einem Flug Erster Klasse. Das wird die kommenden 22 Stunden hoffentlich verkürzen.

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Lima, Parque de la Reserva, Tag 38

Céline ist mit Liz im Museum für Moderne Kunst, ich hingegen schlafe aus. Marcos Oma hat uns derweil ein riesiges Frühstück gemacht. Bis zum Mittagessen bin ich mit Fotos bearbeiten und bloggen beschäftigt.

Maxi, Marcos Onkel isst mit uns Mittag. Er ist Neurologe hat gerade im Radio ein Interview über Hirnaneurysmen gegeben. Im Radio erklärt er, dass in Japan man einen Nachweis für den Arbeitgeben braucht, dass man nicht an einem Aneurhysma erkrankt ist, damit sich gesund überarbeiten kann und nicht sofort umfällt wie ein freistehender Besen. Wie gut er reden kann, demonstriert er auch am Esstisch. Er fragt uns über das Leben in Europa und über Deutschland. Doch egal über welchen Aspekt wir sprechen, er schafft es irgendwie immer, das Gespräch auf Fußball zu lenken.

Marcos Oma und sie erzählt über ihr Leben, wie sie in Puerto Moldonado aufgewachsen ist. Damals gab es dort noch keine befestigten Straßen und nur Radio. Wie Iquitos war Puerto Moldonado von der Außenwelt abgeschnitten, doch mittlerweile kann die Stadt über den Landweg erreichen.

Danach gehen wir Blumen für Liz und Marcos Oma kaufen. Im Blumenladen bindet und der Verkäufer für umgerechnet 10€ zwei wunderschöne Sträuße, was aber ein bisschen dauert. Zwischenzeitlich fragen die anderen Verkäuferinnen woher wir kommen. Als wir sagen, dass wir aus Deutschland kommen, freuen sie sich und sagen, dass WIR sicherlich den WM-Titel gewinnen werden. Nebenbei läuft der Fernseher. Es läuft eine der beliebtesten Sendungen im peruanischen Fernsehen: “Esto es guerra!” (Das bedeutet Krieg). Darin gibt es nur perfekte Menschen zu sehen, viel Fleisch zeigende Frauen in Bikini und halbnackte Männer. Zuerst gibt es einen Tanz mit Frauen in Hotpants in den Farben der argentinischen Flagge.

Im eigentliche Spiel geht es darum, dass zwei Teams bestehend aus Frauen und Männern gegeneinander verschiedene Geschicklichkeits-, Kraft- und Ausdaueraufgaben absolvieren müssen. Zum Beispiel eine Flügelmutter so schnell wie möglich ein Gewinde hochdrehen. Oder einen in einem Wasserbottich schwimmenden Apfel nur mit dem Mund herauszuholen. Der Verlauf, Hintergründe und Streitereien der Sendung werden auch in den Tageszeitungen besprochen.

Am Abend gehen wir in den Parque de la Reserva, einem Erholungpark mit vielen Springbrunnen, Licht- und Wasserinstallationen. Um in den Park zu kommen, muss man ein paar Soles Eintritt bezahlen. Der Park ist ruhig, sauber und die Besucher haben sichtlich Spaß mit den Wasserspielen. Hier gibt es auch Shows, bei denen die Wasserfontänen mit Projektoren und Lasern beleuchtet werden. Dazu gibt es Musikuntermalung. Der Parque de la Reserva lag übrigens von 1960 bis in die 90er brach, doch innerhalb eines Jahres wurden 2006 Wasser- und Lichtinstallationen gebaut und der Park konnte 2007 eröffnet werden. Ich persönlich halte das für ein sinnvolles und preislich günstiges Konzept für den Flughafen Tempelhof oder den vor sich hin gammelnden Spreepark.

Zum Abendessen gehen wir Anticoches essen, Spieße mit Herzfleisch, dazu gebratener Mais. Es schmeckt köstlich. Aber als Vegetarier wird man in Peru wahrscheinlich nicht so richtig glücklich. Fast alle peruanischen Gerichte werden mit Fleisch oder Fisch zubereitet: Ohne Fleisch heißt hier mit Pollo, also mit Hähnchenfleisch. Einem Vegetarier bleibt meistens nur Salat oder beim Chinesen eine Reispfanne mit Gemüse zur Auswahl, zumindest wenn man günstig essen will.

Als wir nach Hause kommen, schläft Marcos Oma in ihrem Zimmer bei Festbeleuchtung und voller Lautstärke. So schläft sie immer am besten ein.

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Tour durch Lima, Tag 37

Marco hat sich heute für uns freigenommen und wir machen mit ihm eine Stadttour durch ein paar Viertel von Lima. Die Kernstadt von Lima ist insgesamt 30 Bezirke eingeteilt.

Am Vormittag fahren wir mit dem Bus nach Barranco, einem Künstlerviertel. Das Viertel liegt an der Pazifikküste und man hat von dort einen tollen Ausblick auf dem Ozean. Außerdem stehen hier viele Villen im Barock- und Kolonialstil, die Casonas genannt werden. Auf dem schicken Hauptplatz befindet sich eine Bibliothek. Hier ist es sehr angenehm ruhig, es gibt wenig Menschen und Verkehr.

In der Nähe der Küste steht die Kirche La Ermita, deren Dach während des Salpeterkrieges zwischen Peru und Chile von den Chilenen 1881 niedergebrannt wurde. Wegen dieses Krieges, in dem die Gebiete rund um die Atacamawüste und dortige Nitratverkommen (Salpeter) Konfliktgegenstand waren, sind viele Peruaner und Bolivianer auf die Chilenen nicht gut zu sprechen. Wir trinken etwas in einem Künstlercafé und gehen dann in ein Künstleratelier, in dem allerlei interessante und manchmal auch hübsche Dinge zu stattlichen Preisen verkauft werden. Dann fahren wir mit dem Bus zurück nach Jesus Maria. Zwei Typen in Batikshirts und Afro-Frisur unterhalten uns musikalisch, fast so wie in der S-Bahn in Berlin, nur besser und irgendwie authentischer. Aber als Tourist freut man sich sowieso mehr über Musiker in öffentlichen Nahverkehrmittels als als Einheimischer.

Wir essen mit Marcos Oma, Liz und Uto gemeinsam mittag. Am Esstisch unterhalten wir uns über die Fußball-WM, einem Thema, zu dem ich eigentlich nichts schreiben wollte. Die Peruaner sind wie die Ecuadorianer vollends fußballbegeistert und nach diesem Halbfinalspiel Deutschland gegen Brasilien bleibt mir wohl keine andere Wahl.

Anstatt in die Innenstadt zu fahren, gucken wir also das Spiel. Der einzige Fernseher in der Wohnung befindet sich im Schlafzimmer von Marcos Oma und so sitzen wir alle auf dem Bett und schauen das Spiel. Wir wollten eigentlich nur kurz reinschauen, doch nach dem es in der Halbzeit bereits 5:0 für Deutschland stand, haben wir es doch noch zu Ende geguckt. In der Halbzeitpause kommt Selin aus der Schule. Sie trägt wie alle Kinder in Peru Schuluniform, die meiner Meinung nach noch förmlicher ist als die in Ecuador. Nach dem 7:1 Endstand war dann klar, dass dies wohl hier die nächsten zwei Tage Gesprächsthema Nummer eins sein würde. Die Brasilianer hingegen werden von diesem Trauma noch ihren Enkelkindern erzählen.

In der Stadt gibt es metergroße Tafeln, auf denen die aktuellen Spielstände gezeigt werden. Manche Leute fragen uns, woher wir kommen. Wenn wir sagen, dass wir aus Deutschland kommen, werden wir meistens auf die Leistungen und die Spielweise der deutschen Nationalelf angesprochen. Deutschland ist neben Argentinien für viele der WM-Favorit.

Nach diesem historischen Fußballspiel gehen Céline, Marco und ich noch mal los, um die Altstadt von Lima zu besichtigen. Dieser Stadtteil gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir fahren mit dem Taxi. Marco sitzt vorne und unterhält sich mit dem Taxifahrer über das Spiel. Als der Taxifahrer mitbekommt, dass ich Deutscher bin, meint er zu mir, dass ich jetzt das Doppelte zahlen müsste. War aber nur ein Scherz.

Dann laufen wir durch die Altstadt von Lima, über den Plaza Mayor, an dem sich die San-Francisco-Kathedrale und der Präsidentenpalast befinden. Genau wie die Altstadt von Quito, ist die von Lima nahezu gänzlich im Kolonialstil. Es gibt viele kleine Geschäfte und eine Ausstellung von Titelseiten der Wochenzeitung Carelá, die stets sehr kritisch über die Politik in Peru berichtet. Die Titelseiten sind ähnlich wie die der Titanic satirisch gehalten.

Besonders oft abgebildet ist der ehemalige Präsident Alberto Fujimori, dessen zehnjährige Amtszeit vor allem durch Verletzung der Menschenrechte und Korruption gekennzeichnet war. Nach seiner Amtszeit floh er nach Japan, um einer Haftstrafe zu entgehen (er ist japanischstämmig), sitzt mittlerweile aber in Peru im Bau. Angeblich soll Indigenes zwangssterilisieren haben lassen. Seine Tochter Keiko Fujimori ist in Peru als Politikerin aktiv und sitzt im Parlament und setzt sich dort aktiv für die Wiedereinführung der Todesstrafe ein. Eine ähnliche Vater-Tochter-Konstellation wie in Italien mit Benito Mussolini und seiner Tochter Alessandra oder in Frankreich mit Jean-Marie und Marine Le Pen.

In der Nähe vom Präsidentenpalast, am Rio Rimac, mache ich ein paar Langzeitbelichtungen vom Berg San Cristobal. Weil das ziemlich lange dauert und ich mehrere Versuche brauche, sieht das für eine Palastwache etwas suspekt aus und er fragt mich nach meinem Pass und woher ich komme. Einen Pass habe ich nicht dabei, ich sage, dass ich aus Deutschland komme und zeige ihm die Fotos. Dann ist er beruhigt.

Wir laufen noch durch die Fußgängerzone und stöbern in einigen Buchläden. In einem Buchladen gibt es sogar ein gebrauchtes Buch auf deutsch, „Märchen aus 1001 Nacht“. Dann gehen wir durch einen Park, in dem alte Olivenbäume stehen, die im 16. Jahrhundert hier angepflanzt wurden. Zu Fuß gehen wir zurück nach Jesus Maria, wo wir heute wieder bei Liz und Uto zu Abend essen. Unterwegs kaufen wir noch eine Flasche Wein und ich suche mir noch ein Bier aus.

Das Bier bereitet an der Kasse aber Probleme, weil ich es mir einfach aus dem Kühlschrank genommen habe und zudem keinen Pfand dabei habe. Das gibt eine Diskussion und sogar die geduldigen Peruaner hinter uns, fangen an sich zu beschweren. Aber irgendwie wurde das Problem dann doch noch gelöst und wir konnten das Bier bezahlen. Die Kassen sind hier sogar noch langsamer als in Frankreich. Mit den europäischen Geflogenheiten kommen die Peruaner scheinbar nicht zurecht. Das kann man ihnen aber nicht verübeln.

Zum Abendessen gibt es köstlichen Ceviche, Papa de Huancaina und leckere Beilagen. Als Aperitif trinken wir einen schmackhaften Cóctel de Algarrobina, einem Cocktail mit den Früchten des Johannisbrotbaums, der etwas an Eierlikör erinnert.

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