Cusco / Aguas Calientes, Tag 41

Zuerst müssen wir mit dem Minibus nach Ollantaytambo fahren. Bevor es mit dem Zug nach Aguas Calientes geht, haben wir noch ein bisschen Zeit in diesem Dorf.

Dort gibt es eine archäologische Stätte, eine Inka-Festung zum Schutz vor Machu Picchu. In den Bergen befinden sich außerdem weitere Inka-Ruinen. Das wollen wir uns aber erst übermorgen anschauen, denn dafür braucht man das Boleto Touristico. Dieses Ticket gilt je nach Preis für zwei oder zehn Tage und man kann damit unterschiedliche Sehenswürdigkeiten in Cusco und Umgebung betreten. Vor dem Eingang der Festung steht ein Mann, der sich als Inka verkleidet hat. Er trägt ein Schwarzes Gewand, einen Goldhelm, viel Goldschmuck und hält einen Speer in der Hand. Das soll wohl Touristen anlocken.

Wir haben uns spontan dazu entschieden, uns für eine Nacht ein Hostel zu reservieren. Wir finden ein Hostel für 60 Soles, danach telefonieren wir und müssen noch ein paar Sachen im Internet checken.

In dem Locutorio – so heißen hier die Internetcafés, in denen man auch telefonieren kann – spielen ein paar Kinder an den Computer Age of Empires II, GTA Vice City und Wimmelbildspiele. Auch sonst ist die Spieleauswahl ganz gut, aber deswegen sind wir ja nicht hergekommen. Internet dagegen gibt es dagegen nur im Schneckentempo, der Ping nach google.com ist etwa 300ms. Ich habe das Gefühl, je weiter wir nach Süden reisen, desto langsamer wird das Netz. Bis Google Maps mal eine Karte anzeigt, vergeht eine halbe Ewigkeit. Aber irgendwie quetscht sich durch die Leitung, was wir suchen.

Dann geht es in den Zug. Diese Bahnstrecke ist im Verhältnis zu ihrer Länge die teuerste von ganz Peru. Auf der zweistündigen Fahrt beginnt sich die Landschaft zu ändern, von kargen großen Bergen zu extrem steilen, bewachsenen. In diesen Bergen befindet sich Machu Picchu. Auf der Zugfahrt läuft diese peruanische Musik, die mit Keyboards unterlegt ist und in etwa so klingt wie die bei den Indianern in der Fußgängerzone. Zum Glück habe ich mein Tablet und gucke mit Kopfhörern Fitzcarraldo. Zwischendurch werden Heißgetränke und Süßgebäck serviert.

Aguas Calientes ist ein echter Touri-Ort, der voll und ganz auf das nahegelegene Machu Picchu ausgerichtet ist. Es gibt Restaurants, Cáfes, Souvenirgeschäfte und Wellnessangebote. Mit dabei sind natürlich auch wieder die Drückerkolonnen und wir werden alle paar Meter ungefragt angesprochen, ob wir eine Tour nach Machu picchu, eine Massage oder etwas essen wollen. Eine Massage-Laben wirbt groß mit „Inka Hadns“ (so geschrieben).

Die Entwicklung, die das kleine Aguas Calientes mit seinen heutigen 2000 Einwohnern durchgemacht hat, ist erstaunlich. Vor 100 Jahren, als Machu Picchu entdeckt wurden, standen hier eine Handvoll Häuser. Vor 40 Jahren gab hier noch nicht einmal Strom. In den letzten 10 Jahren ist die Stadt noch touristischer und aufgeräumter geworden; die Obstverkäufer wurden Souvenirgeschäfte ersetzt.

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Cusco, Tag 40

Nach der 22-stündigen Busfahrt sind wir erledigt, was auch an der dünnen Luft liegt, denn Cusco liegt 3400m über dem Meeresspiegel. Und egal wie komfortabel der Bus ist, durch die Serpentinen und das ständige Wackeln und Schwenken kann man kaum schlafen. Uns beiden wurde auch leicht übel, wie bei einer Seekrankheit. Außerdem bewegen sich ständig die Gepäckstücke hin und her, was auch zur Geräuschkulisse beiträgt. Wir sitzen im oberen Teil des Busses, an der Treppe. Nachts fällt von den vielen Kurven mein Rucksack mit Laptop und Kamera die Treppe herunter. Zum Glück ist nichts kaputtgegangen.

Über Cusco werde ich die nächsten Tage noch schreiben, doch wir sind für diese Nacht in der Stadt nur auf der Durchreise, denn wir wollen erst einmal nach Machu Picchu. Das berühmte Inka-Monument liegt etwa 100km von Cusco entfernt.

Am Busbahnhof steht eine Tafel mit den Tarifen für die Taxifahrt zu verschiedenen Zielen. Die Fahrt zu unserem Hostel kostet laut Tafel zehn Soles. Dann gehen wir zu den Taxifahrer und fragen wie viel es kostet. Weil wir Gringos sind, versucht ein Taxifahrer versucht uns zu über den Tisch zu ziehen und sagtzwanzig Soles statt zehn für Fahrt zum Hostel.

Das Zimmer im Hostel selbst ist unter aller Kanone. Das Zimmer ist im Erdgeschoss, es gibt ein Fenster, das sich aber genau hinter der Rezeption befindet, wodurch man die Vorhänge zugezogen lassen muss. Vor dem Zimmer ist dann noch der Internetraum des Hostels. Wirklich ruhig ist es also nicht, zu mal die Fenster wie fast überall in Peru nur einfach verglast sind und keinen wirklichen Schallschutz bieten. Im Zimmer gibt es nur zwei Steckdosen (nebeneinander), Schimmel im Badezimmer und keine Nachttischlampe. Dafür sind selbst 60 Soles zu viel und wir suchen uns für die Zeit nach Machu Picchu ein anderes. Wir schlendern durch die Umgebung vom Plaza de Armas, dem Hauptplatz von Cusco, gehen in die Hostels und fragen nach Preisen und Ausstattung. Ein Hostel verlangt für ein Doppelzimmer nur 50 Soles, doch das Klo ist dreckig und die Frau, die uns das Zimmer bringt kein Wort heraus und wirkt irgendwie etwas debil. Schlussendlich finden wir ein nettes Hostel mit Küche, Frühstück für 100 Soles. Dort kann man es aushalten.

Dann fällt uns auf, dass wir Abfahrts- und Zielort für unsere Zugtickets von Ollantaytambo nach Aguas Calientes beim Buchen vertauscht. Ist aber weniger schlimm als wir dachten, denn wir können für 6$ eine Umbuchung vornehmen. Morgen früh geht es also dann nach Aguas Calientes, dem zu Machu Picchu nächstgelegenen Dorf.

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Letzter Tag in Lima, Tag 39

Am Vormittag versuche ich das Netbook zu reparieren, es startet nicht mehr. Ubuntu konnte ich neuinstallieren, aber das WLAN will nicht so recht. Immer kann Céline dann auf der uns bevorstehenden, heute beginnenden Busfahrt nach Cusco so zumindest Filme gucken.

Zum Mittag kommen Onkel Pepe und seine Frau, die aus Argentinien kommt. Pepe redet genau soviel wie Onkel Maxi, doch viel ruhiger und lustiger. Zum Mittagessen hat Liz Hühnchen mit Pommes bestellt. Marcos Oma erledigt derweil ein paar Sachen in Stadt. Am Esstisch erzählt sie, dass sie einen neuen Telefonanschluss haben wollte, weshalb sie in ein Geschäft gegangen ist. Doch sie wurde schlecht beraten und über den Tisch gezogen. Sie nannte den Verkäufen einen Betrüger. Vor Frust ging sie dann ins naheliegende Casino und gewann 500 Soles. Dann wusste sie, dass Gott auf ihrer Seite ist.

Bevor wir aufbrechen, machen wir noch ein paar Fotos von uns allen und verabschieden uns von Marcos Oma. Anschließend, durch den beginnenden Berufsverkehr, fahren wir mit Liz und Marco zum Busbahnhof.

Es ist unser erster Bus, in dem es Camas gibt. Cama heißt Bett auf Spanisch, meint aber hier, dass man die Sitze zu einem Bett umfunktionieren kann. Die Beinfreiheit ist gewaltig, viel größer als auf einem Flug Erster Klasse. Das wird die kommenden 22 Stunden hoffentlich verkürzen.

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Lima, Parque de la Reserva, Tag 38

Céline ist mit Liz im Museum für Moderne Kunst, ich hingegen schlafe aus. Marcos Oma hat uns derweil ein riesiges Frühstück gemacht. Bis zum Mittagessen bin ich mit Fotos bearbeiten und bloggen beschäftigt.

Maxi, Marcos Onkel isst mit uns Mittag. Er ist Neurologe hat gerade im Radio ein Interview über Hirnaneurysmen gegeben. Im Radio erklärt er, dass in Japan man einen Nachweis für den Arbeitgeben braucht, dass man nicht an einem Aneurhysma erkrankt ist, damit sich gesund überarbeiten kann und nicht sofort umfällt wie ein freistehender Besen. Wie gut er reden kann, demonstriert er auch am Esstisch. Er fragt uns über das Leben in Europa und über Deutschland. Doch egal über welchen Aspekt wir sprechen, er schafft es irgendwie immer, das Gespräch auf Fußball zu lenken.

Marcos Oma und sie erzählt über ihr Leben, wie sie in Puerto Moldonado aufgewachsen ist. Damals gab es dort noch keine befestigten Straßen und nur Radio. Wie Iquitos war Puerto Moldonado von der Außenwelt abgeschnitten, doch mittlerweile kann die Stadt über den Landweg erreichen.

Am Abend gehen wir in den Parque de la Reserva, einem Erholungpark mit vielen Springbrunnen, Licht- und Wasserinstallationen. Um in den Park zu kommen, muss man ein paar Soles Eintritt bezahlen. Der Park ist ruhig, sauber und die Besucher haben sichtlich Spaß mit den Wasserspielen. Hier gibt es auch Shows, bei denen die Wasserfontänen mit Projektoren und Lasern beleuchtet werden. Dazu gibt es Musikuntermalung. Der Parque de la Reserva lag übrigens von 1960 bis in die 90er brach, doch innerhalb eines Jahres wurden 2006 Wasser- und Lichtinstallationen gebaut und der Park konnte 2007 eröffnet werden. Ich persönlich halte das für ein sinnvolles und preislich günstiges Konzept für den Flughafen Tempelhof oder den vor sich hin gammelnden Spreepark.

Zum Abendessen gehen wir Anticoches essen, Spieße mit Herzfleisch, dazu gebratener Mais. Es schmeckt köstlich. Aber als Vegetarier wird man in Peru wahrscheinlich nicht so richtig glücklich. Fast alle peruanischen Gerichte werden mit Fleisch oder Fisch zubereitet: Ohne Fleisch heißt hier mit Pollo, also mit Hähnchenfleisch. Einem Vegetarier bleibt meistens nur Salat oder beim Chinesen eine Reispfanne mit Gemüse zur Auswahl, zumindest wenn man günstig essen will.

Als wir nach Hause kommen, schläft Marcos Oma in ihrem Zimmer bei Festbeleuchtung und voller Lautstärke. So schläft sie immer am besten ein.

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Tour durch Lima, Tag 37

Marco hat sich heute für uns freigenommen und wir machen mit ihm eine Stadttour durch ein paar Viertel von Lima. Die Kernstadt von Lima ist insgesamt 30 Bezirke eingeteilt.

Am Vormittag fahren wir mit dem Bus nach Barranco, einem Künstlerviertel. Das Viertel liegt an der Pazifikküste und man hat von dort einen tollen Ausblick auf dem Ozean. Außerdem stehen hier viele Villen im Barock- und Kolonialstil, die Casonas genannt werden. Auf dem schicken Hauptplatz befindet sich eine Bibliothek. Hier ist es sehr angenehm ruhig, es gibt wenig Menschen und Verkehr.

In der Nähe der Küste steht die Kirche La Ermita, deren Dach während des Salpeterkrieges zwischen Peru und Chile von den Chilenen 1881 niedergebrannt wurde. Wegen dieses Krieges, in dem die Gebiete rund um die Atacamawüste und dortige Nitratverkommen (Salpeter) Konfliktgegenstand waren, sind viele Peruaner und Bolivianer auf die Chilenen nicht gut zu sprechen. Wir trinken etwas in einem Künstlercafé und gehen dann in ein Künstleratelier, in dem allerlei interessante und manchmal auch hübsche Dinge zu stattlichen Preisen verkauft werden. Dann fahren wir mit dem Bus zurück nach Jesus Maria. Zwei Typen in Batikshirts und Afro-Frisur unterhalten uns musikalisch, fast so wie in der S-Bahn in Berlin, nur besser und irgendwie authentischer. Aber als Tourist freut man sich sowieso mehr über Musiker in öffentlichen Nahverkehrmittels als als Einheimischer.

Wir essen mit Marcos Oma, Liz und Uto gemeinsam mittag. Am Esstisch unterhalten wir uns über die Fußball-WM, einem Thema, zu dem ich eigentlich nichts schreiben wollte. Die Peruaner sind wie die Ecuadorianer vollends fußballbegeistert und nach diesem Halbfinalspiel Deutschland gegen Brasilien bleibt mir wohl keine andere Wahl.

Anstatt in die Innenstadt zu fahren, gucken wir also das Spiel. Der einzige Fernseher in der Wohnung befindet sich im Schlafzimmer von Marcos Oma und so sitzen wir alle auf dem Bett und schauen das Spiel. Wir wollten eigentlich nur kurz reinschauen, doch nach dem es in der Halbzeit bereits 5:0 für Deutschland stand, haben wir es doch noch zu Ende geguckt. In der Halbzeitpause kommt Selin aus der Schule. Sie trägt wie alle Kinder in Peru Schuluniform, die meiner Meinung nach noch förmlicher ist als die in Ecuador. Nach dem 7:1 Endstand war dann klar, dass dies wohl hier die nächsten zwei Tage Gesprächsthema Nummer eins sein würde. Die Brasilianer hingegen werden von diesem Trauma noch ihren Enkelkindern erzählen.

In der Stadt gibt es metergroße Tafeln, auf denen die aktuellen Spielstände gezeigt werden. Manche Leute fragen uns, woher wir kommen. Wenn wir sagen, dass wir aus Deutschland kommen, werden wir meistens auf die Leistungen und die Spielweise der deutschen Nationalelf angesprochen. Deutschland ist neben Argentinien für viele der WM-Favorit.

Nach diesem historischen Fußballspiel gehen Céline, Marco und ich noch mal los, um die Altstadt von Lima zu besichtigen. Dieser Stadtteil gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir fahren mit dem Taxi. Marco sitzt vorne und unterhält sich mit dem Taxifahrer über das Spiel. Als der Taxifahrer mitbekommt, dass ich Deutscher bin, meint er zu mir, dass ich jetzt das Doppelte zahlen müsste. War aber nur ein Scherz.

Dann laufen wir durch die Altstadt von Lima, über den Plaza Mayor, an dem sich die San-Francisco-Kathedrale und der Präsidentenpalast befinden. Genau wie die Altstadt von Quito, ist die von Lima nahezu gänzlich im Kolonialstil. Es gibt viele kleine Geschäfte und eine Ausstellung von Titelseiten der Wochenzeitung Carelá, die stets sehr kritisch über die Politik in Peru berichtet. Die Titelseiten sind ähnlich wie die der Titanic satirisch gehalten.

In der Nähe vom Präsidentenpalast, am Rio Rimac, mache ich ein paar Langzeitbelichtungen vom Berg San Cristobal. Weil das ziemlich lange dauert und ich mehrere Versuche brauche, sieht das für eine Palastwache etwas suspekt aus und er fragt mich nach meinem Pass und woher ich komme. Einen Pass habe ich nicht dabei, ich sage, dass ich aus Deutschland komme und zeige ihm die Fotos. Dann ist er beruhigt.

Wir laufen noch durch die Fußgängerzone und stöbern in einigen Buchläden. In einem Buchladen gibt es sogar ein gebrauchtes Buch auf deutsch, „Märchen aus 1001 Nacht“. Dann gehen wir durch einen Park, in dem alte Olivenbäume stehen, die im 16. Jahrhundert hier angepflanzt wurden. Zu Fuß gehen wir zurück nach Jesus Maria, wo wir heute wieder bei Liz und Uto zu Abend essen. Unterwegs kaufen wir noch eine Flasche Wein und ich suche mir noch ein Bier aus.

Das Bier bereitet an der Kasse aber Probleme, weil ich es mir einfach aus dem Kühlschrank genommen habe und zudem keinen Pfand dabei habe. Das gibt eine Diskussion und sogar die geduldigen Peruaner hinter uns, fangen an sich zu beschweren. Aber irgendwie wurde das Problem dann doch noch gelöst und wir konnten das Bier bezahlen. Die Kassen sind hier sogar noch langsamer als in Frankreich. Mit den europäischen Geflogenheiten kommen die Peruaner scheinbar nicht zurecht. Das kann man ihnen aber nicht verübeln.

Zum Abendessen gibt es köstlichen Ceviche, Papa de Huancaina und leckere Beilagen. Als Aperitif trinken wir einen schmackhaften Cóctel de Algarrobina, einem Cocktail mit den Früchten des Johannisbrotbaums, der etwas an Eierlikör erinnert.

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Wieder in Lima, Tag 36

Eigentlich wollten wir zum Markt in Belen, doch es regnet wie aus Eimern. Darum bleiben wir den vormittag im Hostel, um 12 Uhr müssen wir sowieso zum Flughafen. Aber ich glaube, so viel haben wir bei dem Markt nicht verpasst und eigentlich haben wir auch genug von der drückenden Hitze, von den Moskitos und vor allem von der Stadt und deren Bewohnern.

Hier sind die Leute wirklich am unfreundlichsten, was womöglich an der Abschiedenheit der Stadt liegt. Auch der Umgang mit der Natur des Dschungels ist, zumindest anhand der Fotos und Bilder, die wir bei den meisten Agenturen gesehen haben, oft respektlos. Fünf Männer, die in einer Reihe stehend eine Anaconda in den Armen halten. Faultiere, die im Sack zur Tour mitgenommen und dort den Touristen präsentiert werden. Aber eigentlich ist der Umgang mit den Touristen noch respektloser. Wir fühlen uns wie ein Paar Außerirdische, die mit ihrem Raumschiff mit voller Gold tief im Dschungel gelandet sind und in die Stadt gekommen sind, um die Bewohner zu verlocken. Nein, im Ernst, die Leute scheinen überhaupt nichts zu wissen oder wissen zu wollen, wie man mit Touristen umgeht. Wir möchten nichts mitten auf der Straße von der Seite angequatscht werden und das man uns noch 200m folgt, wenn wir dankend abgelehnt haben. Man kann davon ausgehen, dass der durchschnittliche Tourist sich informiert, bevor er eine mehrtägige Dschungeltour bucht. Und vorallem die meisten Europäer verstehen es, offen über Preise zu reden. Diese Konzepte sind hier fast so gut wie unbekannt. Das mag größtenteils auch einfach am kulturellen Unterschied liegen, doch letztendlich geht es doch nur ums Geld.

Mein bisheriger Gesamteindruck von den Peruaner, dass es ihnen etwas mehr an Feinfühligkeit fehlt als den Ecuadorianern. Als wir in Peru in Piura ankamen, wurden wir gleich aggressiv von Taxifahrern belästigt, die uns nach mehrmaliger Absage immer noch weiter fragen. Das gleiche in Huanchaco für die Fischrestaurants. In Chiclayo hat uns der Hotelbesitzer ständig im Zimmer angerufen, nachdem wir ihn einmal nach einem Restaurant und einem Buchladen gefragt. Das Restaurant war zu dem viel zu chic für unseren Geschmack und den Buchladen hatten wir schon selbst gefunden, aber das ist nebensächlich. Was mir nicht gefiel, war diese unterwürfige Art, die er an den Tag legte. Zum Beispiel, wenn er beim Dankesagen die Handflächen aufeinanderlegt und sich verbeugt. In Ecuador gab es keinerlei Vorkommnisse dieser Art.

Am Abend, nach dem ereignislosen Rückflug von Iquitos, gehen wir zu Marco und seiner Oma zum Abendessen. Dort schlafen wir auch die nächsten drei Tage.

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Abschied vom Dschungel, Tag 35

An unserem letzten Tag im Dschungel fahren wir zur Affeninsel. Auf dieser Insel sind, wie der Name vermuten lässt, zahlreiche Affenarten beheimatet. Allerdings nur die kleineren Neuweltaffen, die größeren Menschenaffen wie Orang-Utans oder Gorillas sind im südamerikanischen Dschungel nicht anzutreffen. Das Hauptmerkmal der Neuweltaffen ist der Greifschwanz, der es ihnen erlaubt, nach akrobatischer in den Bäumen herumzuturnen.

Als wir an der Insel ankommen, sehen uns gleich ein Dutzend Affen, die laut herumkrakelen. Am lautesten ist der Brüllaffe, dessen Laute wie ein extrem tiefer Rülps klingen. Dann wirft Pecho den Affen ein Paar Bananen zu, über die sie sich gleich her machen, vor allem die schwarzen Klammeraffen. Pecho meint, die Insel zu betreten sei zu gefährlich, da die Affen gerne auch mal zubeißen und auch Krankheiten übertragen.

Nach diesem kurzen Besuch fahren wir zum Lodge zurück, in der auch viele Dorfbewohner fleißig am Nichtszutun sind. Pechos Bruder sitzt stundenlang in der Hängematte. Sein Pfade im Stuhl in der Sonne. Ohne ein Buch zu lesen, Musik zu hören, sich zu unterhalten, vielleicht sogar auch ohne über etwas nachzudenken. Einfach mal nichts zu tun. Eine Art von Meditation. Ich finde, davon könnte man sich mal was abgucken. Auch wenn die Lebenserwartung hier geringer ist als in Europa oder Nordamerika, diese Leute sterben sicherlich nicht an Herz- oder Hirninfarkten.

Nach dem Almuerzo im Lodge, bei dem wir auf zwei sympathische neuangekommene Iren stoßen, fahren wir mit der überdachten Motorbarke wieder nach Nauta. Im Boot lässt es sich gut schlafen. In Nauta fahren wir mit dem Mototaxi zum Minibusbahnhof. Wir denken, wir seien die einzigen Personen im Minibus und freuen uns schon über die Geräumigkeit. Doch dann steigen noch fünf weitere Leute ein. Und dann noch mal sechs oder sieben Personen. Ein peruanischer Minivan ist nie zu voll. Nach zwei Stunden schier endloser Fahrt kommen wir in Iquitos an, wo Alex uns abholt.

Als wir vor dem Hostel stehen, werden wir sogleich von einem Mototaxi-Fahrer anlabert, der uns sein schönes Dschungellodge zeigen will. Willkommen zurück in der Zivilisation oder wie das heißt.

Bei den vielen Mototaxis und Touristenfallen kann ich verstehen, dass die Waldbewohner im Wald geblieben sind. Für die Waldbewohner müssen Großstädte wie ein Dschungel wirken. Doch der Wald dagegen ist wahrlich nichts für uns Großstadtbewohner, sogar überhaupt nichts für Leute, die nicht dort geboren sind. Wenn man den Dschungel selbst erlebt hat, wirkt das Vorhaben von Fitzcarraldo im gleichnamigen Film von Werner Herzog, hier fernab der Zivilisation eine Oper errichten zu lassen umso absurder.

 

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Dschungeltour am Uyucali, Tag 34

Nach dem Frühstück geht es zum Angeln. Wir wollen Fische für das Mittagessen fangen. Pecho hat schon die Angeln und die Köder vorbereitet. Zunächst fahren wir mit dem Boot an eine seichtere Stelle, um dort kleinere Fische zu fangen, die wir später als Köder für die größeren benutzen. Es dauert ein bisschen, bis der erste Fisch anbeißt, doch dann geht alles ganz schnell und wir fangen mehrere kleine Fische.

Anschließend geht es mit dem Boot auf den großen Fluss, zu den Schlammbänken. Dort gibt es viele große Welse, die mit ihren langen Fühler an ihren Mäulern das Brackwasser durchsuchen. An den ersten beiden Stellen, an denen wir angeln, sind wir etwas glücklos. Doch an einer schmalen Flussenge, die zu einem See führt, werden wir fündig. Wir legen mit dem Boot an der Schlammbank an, das bedeutet Schlammbaden und nebenbei angeln. Wenn man den Schlamm mit einem Fuß betritt, sinkt man bis zum Po ein und man kann sich eigentlich nur auf den Knien fortbewegen. Der Schlamm bietet dafür aber ein guten Schutz vor der prallen Sonne, in der wir auf die Fische warten.

Pecho fängt drei Fische hintereinander. Céline bekommt auch einen Fisch an die Angel, doch er hat zu viel Kraft und springt weg. An meiner Angel beist auch ein Fisch an, der jedoch so viel Kraft hat, dass er die ganze Angelsehen mitnimmt.

Dann kommen ein paar Motorboote durch den Graben getuckert. Ein Boot wird von einem Mädchen gefahren, sie macht aber scheinbar das erste Mal und steuert mit der Schraube so dicht auf mich zu, dass ich aus dem Schlamm springen muss. Als die Boote weg sind, sieht man an manchen Stellen wieder kleine Blasen aus dem Wasser aufsteigen; dort sind Fische. Ich sehe ein solche Stelle, werfe den Angelhaken kurz davor ins Wasser und zack, ein großer Wels beißt an und die Angel biegt sich. Ich ziehe den Fisch aus dem Wasser, gebe Pecho die Angel und er präpariert den Fisch. Der Wels hat giftige spitze Stacheln an den Kiemen, die er abbricht. Später fange ich noch einen. Am Ende steht es Peru – Deutschland 4:2.

Nachdem Schlammbadangeln besuchen wir Pechos Dorf La Libertad, dass aus zehn Häusern, einer Schule und einem Gemeinschaftsraum besteht. Die Häuser stehen alle auf hohen Pfählen, denn in der Regenzeit ist das ganze Dorf überschwemmt und dann stehen die Häuser metertief unter Wasser. Man kann den Wasserstand am Holz erkennen. In Pechos Hütte, in der er mit seiner Frau und seinem zwei Monate altem Sohn wohnt, gibt es Hängematten, einen alten Fernseher und eine Anlage. Strom kommt vom Generator.

Zwei Männer bauen gerade ein Boot und,versiegeln die Bretter mit einer schwarzen Substanz, die laut Pecho auch aus den Bäumen gewonnen wird. Dazu trinken sie Camu-Camu-Limonade, die wir auch probieren dürfen. Camu-Camu sind kleine grüße, etwa weintrauben große, sehr saure Früchte, die aber pro Gramm Fruchtfleisch vierzigmal mehr Vitamin C als Orangen enthalten. Die Limonade, die stark gezuckert ist, schmeckt aber hervorragend.

Wir fragen uns insgeheim, so klein wie Kommune hier ist, ob es hier auch Fälle von Inzest gibt. Früher, so erfahren wir später von Marco, gab es wohl Kidnappings von Frauen von benachbarten Dörfern, die dann im jeweiligen anderen Dorf leben mussten und dort Kinder von den Männern bekamen, damit Inzest vermieden wurde. Wie das mit der Vermehrung heute läuft, werden wohl auf dieser Dschungeltour nicht erfahren.

Zum Mittagessen gibt es dann unseren geangelten Fisch, der gegrillt hervorragend schmeckt. Am Nachmittag fahren wir wieder mit dem Boot raus und Pecho zeigt uns die Tiere, die wir vom Fluß aussehen können. Er schafft es, nachdem wir mit dem Boot eine Strecke von vielleicht 500m gefahren sind, zwei in den Bäumen versteckte Leguane, einen Tukan und 3 Papageien, die gut 200m weit weg sind zu sehen. Erst mit meinem Teleobjektiv kann ich die Tiere richtig erkennen und identifizieren. Der Mann hat wirklich Adleraugen. Lustigerweise heißt er auch Adler mit Nachnamen. Fragt sich, woher er den Namen bekommen hat.

Es wird langsam dunkel. Vor Einbruch der Dunkelheit bekommen wir auch noch ein paar Faultiere, die zurückgezogen in den Bäumen leben, zu sehen. Die Tiere bewegen sich so langsam, dass sie leicht zu fotografieren sind.

Als es dann richtig dunkel ist, schalten wir unsere Stirnlampen ein und leuchten in das Dunkel des Waldes, um ein paar Augen zu erspähen, die zurückleuchten. Pecho findet natürlich immer als erstes etwas und dann halten wir mit Boot an oder fahren ein Stück zurück, um uns das genauer anzuschauen. Wenn sich der Bootsführer, der hinten sitzt und Pecho, der vorne steht, unterhalten, klingt das mehr wie Thailändisch als Spanisch. Ein eigentümlicher Dialekt.

Wir sehen eine weiße, zwei Meter lange, nachtaktive Boa Constrictor, die in einem Baum auf Beute lauert. Dann sehe ich zwei am Ufer zwei rote Augen, die einer Aga-Kröte zugehörig sind, die wie eine versteinerte Buddhastatue im Sand hockt. Aga-Kröten sondern giftige Sekrete ab, deswegen sollte man einen Sicherheitsabstand halt. Dieses Exemplar ist etwa 20cm groß. Danach begegnen wir noch einem scheuen, braunem Opossum.

Im Lodge essen wir Abendbrot. Viele Verwandte von Pecho verbringen im Lodge auch ihren Tag. So auch Pechos Vater, der etwa Ende fünfzig ist und sein ganzes Leben in La Libertad verbracht hat. Er hat ein zerfurchtes Gesicht und ihm fehlen mehrere Schneidezähne. Doch sein Gehör ist ausgezeichnet und er kann die Flugzeuge von weitem hören.Dann weiß er, dass es 8 Uhr abends ist. Fragt sich, ob er auch schon mal eines gesehen hat.

Nach dem Abendessen gehe ich mit Pecho und dem Bootsfahren noch zu einer Nachtwanderung. Céline kommt wegen ihrer Spinnenangst nicht mit. Weil die drei Amis und der eine Engländer aus das Lodge am Mittag verlassen haben, gibt es jetzt auch Gummistiefel in meiner Größe, von denen aber leider einer undicht ist. Dann ziehe ich mir zum Schutz vor Insekten noch das Regencape über. Als erstes sehen wir eine Vogelspinne, die sich aber lichtscheu so gleich in einer Baumritze verkriecht. Eine kleine Krabbe hat es sich in einer Pfütze gemütlich gemacht. Eine Geißelspinne, die fast so groß ist wie meine Hand und deren Biss unangenehm giftig ist, wartet in der Dunkelheit auf Beute. Eine Aga-Kröte quakt starr in die Finsternis und macht sich nichts aus unsere Finsternis. Auch ein Kaiman hat sich im seichten Sumpf versteckt. Es ist eine andere Art als die, der wir gestern begegnet sind. Als Pecho ihn aus dem Wasser holt, verhält er sich etwas launischer und er hat außerdem harte Stacheln auf dem Rücken, weil er im Wald mehr Feinden ausgesetzt ist. Zum Schluss sehen wir noch ein weißes Opossum, das neugierig für meine Kamera (die hier im Dunkeln an ihre Grenzen stößt) posiert.

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Welcome to the Jungle, Tag 33

An diesem Morgen holt Alex uns pünktlich um 6:45 ab, damit wir nach Nauta fahren. Nauta ist eine kleine Stadt mit 10000 Einwohner und deren Hafen der Ausgangspunkt für nahezu alle Touren in den Dschungel.

Auf der Fahrt hören Alex und der Fahrer debiles Radio in voller Lautstärke, so eine Art lustiges Telefon, dass auf die Dauer ziemlich nervtötend ist. Unterwegs sammeln wir auch ein paar Anhalter ein, die auch in Richtung Nauta wollen.

Angekommen am Minibus-Bahnhof in Nauta, fahren wir mit Alex im Mototaxi noch ein Stück zum Markt, auf dem viele exotische Früchte und Kräuter aus dem Dschungel und Fisch aus den Flüssen verkauft werden. Wir frühstücken ein paar Sandwiches und trinken Jugos, die uns eine dicke Frau mit starken Bartwuchs serviert.

Wir warten in der Zwischenzeit auf Pecho, unser Guide, der uns durch den Dschungel führen wird. Pecho wurde in einer kleinen Gemeinde im Dschungel geboren und ist auch dort aufgewachsen. Er kennt den Dschungel so gut wie seine Westentasche, dafür spricht er nur Spanisch. Er war auch für das peruanische Militär im Dschungel tätig. Sein Wissen über den Wald ist für die Armee sicherlich Gold wert. Es ist äußerst schwierig einen guten Guide zu finden, der den Dschungel gut kennt und der gleichzeitig Englisch spricht. Weil Alex aber unser Spanisch für gut genug hielt, hat er für uns einen Waldbewohner als Guide organisiert. Wir sind damit zufrieden.

Nach dem Frühstück und nach dem wir uns Pecho vorgestellt haben, gehen wir zum Hafen, um von dort aus mit dem Motorkahn tiefer in den Dschungel zu fahren.

Zuvor hat Pecho sich eine Sportzeitung gekauft; er ist sehr fußballbegeistert. Er war zwar in seinem Leben erst einmal in Lima und sonst nur in seinem Dorf La Libertad, kennt aber die Spielernamen der deutschen Nationalelf und die Stammclubs der Spieler innen- und auswendig.

Als wir mit dem Boot fahren, springt ein Barracuda an Bord. Wir erschrecken uns. Der Fisch ist etwa 25cm lang und hat Widerhaken an den Zähnen. Pecho hebt den Blindgänger auf und wirft ihn zurück in den Fluss. Pecho erklärt uns das Flusssystem und zeigt uns den Amazonas, der weiter hinten von zwei Quellflüssen gespeist wird. Wir fahren nicht zum Amazonas, sondern zu den Flüssen Ucayali und Maranon.

Als wir nach etwa zwei kurzweiliger Fahrt kommen wir am Lodge an, wo wir erstmal ein Almuerzo essen. Währenddessen fängt es wie aus Eimern zu regnen an, doch der Schauer ist innerhalb von zwanzig Minuten vorüber. Mit am Mittagstisch sitzen drei US-Amerikaner und ein Engländer, die eine 4-Tagestour absolviert und heute Nacht zum Abschluss im Dschungel campen werden und danach abreisen. Somit sind wir die nächten beiden Nächten die einzigen Gäste im Lodge.

Nach dem Mittagessen gehen wir in unser Zimmer, in dem sich im Wesentlichen zwei Betten und eine Wäscheleine befinden. Insekten und Spinnen gibt es auch viele, aber über die Betten sind Moskito gespannt, so dass kein Getier reinkommen kann.

Für die erste Dschungel ziehen wir uns lange Hosen, langärmlige Sweatshirts und Gummistiefel an. Es gibt leider keine Gummistiefel mehr in meiner Größer und ich muss mit einer Nummer kleiner auskommen.

Wir laufen etwa anderthalb bis zwei Stunden durch den Wald, doch in der kurzen Zeit bekommen wir schon eine Menge zu sehen. Weil es zuvor geregnet hat, ist alles voller knöchel- bis knietiefer Pfützen, daher die Gummistiefel (die bei mir ein bisschen drücken).

Pecho geht mit der Machete voran. Wir machen an jedem zweitem Baum halt. Zum einen deshalb, weil Pecho etwas über jeden Baum weiß und zum anderen, um mit Machete eine Markierung ins Holz zu schlagen, damit wir wie Hänsel und Gretel den Rückweg finden. Den Umgang mit der Machete beherrscht Pecho perfekt. Er lässt uns auch mal probieren, damit ins Holz zuschlagen. Es ist ein armdicker Ast, den wir abschlagen sollen. Doch unsere Schläge haben zu wenig Kraft und sind vor allem zu unpräzise. Pecho haut den Ast in zehn gezielten Schlägen in zwei.

Es gibt Kautschukbäume im Dschungel. Mit der Machete angeritzt, fließt die Kautschukmilch gleich aus dem Baum. Zerreibt man das Kautschuk mit den Fingern, erhält man die typische feste gummiartige Substanz, die so fest ist, dass man sie kaum wieder auseinander bekommt. Kautschukbäume haben für den Dschungel im Amazonas keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Zum einen deshalb, weil man ihn mittlerweile synthetisch herstellen kann und zum anderen, weil er in Malaysia in Kautschukfarmen – die ursprünglich im Amazonasbecken heimisch Bäume wurden dort angepflanzt – wesentlich günstiger gewonnen werden.

Dann reist Pecho ein paar Blätter von einem Baum ab und beginnt mit den Blattstielen, die eine orange Farbe besitzen, unsere Gesichter zu bemalen. Diese Bäume werden auch von den Indianern zur Gesichtsbemalung verwendet. Leider gibt es bei Céline irgendeine allergische Reaktion, so dass die bemalten Striche noch eine Woche später als gerötete Stellen sichtbar sind.

Manche Bäume sind über 500 Jahre alt und über 40 Meter hoch, in die Stämme würde ein Smart passen. Das Holz und die Säfte mancher Bäume dienen als Medizin. Andere Bäume haben Stacheln, die sogar giftig sind. Dann gibt es noch die Lianen, die so dick wie ein Unterschenkel werden können und an denen man hochklettern kann, wie Pecho uns auch demonstriert. Es gibt Lianen mit rotem und weißen Holz, wobei erstere eher für Heilzwecke und letztere als Wasserspender dienen. Pecho hackt mit der Machete eine weiße Liane für uns ab und wir trinken das erfrischende Wasser, das nach Kokos schmeckt. Es gibt auch giftige Lianenarten, deshalb muss man vorsichtig sein und genau wissen, von welcher Art man den Saft trinken.

Wieder im Lodge angekommen, fahren wir mit dem Boot raus, um Reis zu pflanzen und im Schlamm zu baden. An den Ufern des Flusses befinden sich viele Reisfelder, die in der Regenzeit überschwemmt werden. Jetzt, zur Trockenzeit, ist dort nur Schlamm. Im Fluss wimmelt es von Flussdelfinen, der einzigen Delfinart, die im Süßwasser heimisch ist.

Als wir mit dem Boot anlegen und in den Schlamm steigen, sinken wir bis zum Knie ein. Nach dem wir alle Reiskörner auf dem Schlammfeld verteilt haben, nehmen wir noch eine Stunde ein wohltuendes Schlammbad, das meiner Haut sehr gut tut.

Dann baden wir im Fluss, um den Schlamm abzuwaschen, trocknen uns ab, ziehen uns wieder an. Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir wollen noch durch das Schilf in den Sumpf fahren, um dort Kaimane zu sehen. Im Schilf bleiben wir mit dem Boot stecken und lauter Spinnen, die an den Halmen auf Mückenjagd gehen, landen in unserem Boot. Es ist stockfinster. Ohne unsere Stirnlampen sieht man in der Ferne kaum etwas. Nur das Licht das Viertelmondes, der genau über uns leuchtet, spendet etwas Licht.

Im Sumpf erspäht Pecho nacheinander an verschiedenen Stellen drei kleine Kaimane, die er für uns behutsam aus dem Wasser holt und deren Haut wir anfassen können. Sie ist ganz weich, wie Handtaschenleder. Hoffentlich ist das Muttertier nicht in der Nähe. Man kann die Kaimane mit der Stirnlampe leicht sehen, den ihre Augen reflektieren auch unter Wasser leuchtend rot zurück.

Wir fahren wieder zurück zum Lodge, wo wir Abendbrot essen. Strom gibt es keinen, alles wird mit Gaslampen beleuchtet. Die Spinnen fühlen sich hier sehr wohl, Céline umso weniger. Zum Glück haben wir auf das Dschungelcamp verzichtet, sonst hätte sie Panikattacken bekommen. Wir gehen ins Bett und lauschen noch dem Krach aus dem Dschungel, zu dem man überraschend gut einschlafen kann.

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Iquitos, Tag 32

Nach dem wir von dem Kickback-Referral-System erfahren habe, gehen wir heute erstmal in die offizielle Touristeninformation. Die offiziellen Touristeninformationen gibt es übrigens in jeder größeren Stadt in Peru und man kann sie nur loben. Bisher wurden dort all unsere Fragen beantwortet. In der Agentur gibt es eine Liste von offiziell registrierten Dschungeltouragenturen. Denn wenn man wahllos in einer der zahllosen Agenturen geht, kann damit rechnen, abgezockt zu werden. Von den Agenturen, bei denen wir gestern waren, steht nur Wimbatours auf der Liste, die auch nach unserem Eindruck die seriöseste war.

Wir wollen zu einer anderen Agentur, die auf der anderen Seite der Stadt liegt, die jedoch geschlossen ist, als wir dort ankommen. Unterwegs haben wir unter dem Verkehr zu leiden. Was ein idyllisches Dschungelparadies sein könnte, wird durch den Lärm und Gestank der Moto-Taxis zu nichte gemacht. Die Moto-Taxis bewegen sich wie Hummelschwärme über die staubigen Straßen. Warum es überhaupt Spurstreifen gibt, bleibt ein Rätsel. Die Ampelzyklen an den Kreuzungen sind mit 10 Sekunden sehr kurz, so dass man inner seine Beine in die Hand nehmen muss, wenn die Straße überqueren will. Straßenschilder gibt es nur selten und man muss erraten, in welchem Block man gerade ist. Auf den Straßen gibt es dafür an fast jeder Obstverkäufer, die Früchte verkaufen, die man Europa nirgends findet: Aguaje (Früchte der Kohlpalme), Acai und Kamu Kamu. Wir probieren eine Aguaje, wie ein bisschen wie ein komprimierter dunkler Tannenzapfen aussieht und nur wenig Fruchtfleisch besitzt. Man isst sie mit einer Prise Salz, aber wir kommen nicht ganz auf den Geschmack.

Eine Agentur probieren wir noch; Ecological Jungle Tours. Ein freundlicher Mann im Feinrip begrüßt uns. Er heißt Alex. Wir sagen, dass wir ein halbwegs authentisches, aber doch nicht als allzu abenteuerliches Dschungelerlebnis möchten, das heißt kein Töten von Tieren, keine falschen Indianer und kein Luxuslodge. Er erzählt, dass es Agenturen gibt, die die Touristen etwa 30km auswärts von Iquitos bringen und ihnen dort Tiere zeigen, die in den Sack gestopft dorthin gebracht wurden. Wir buchen eine dreitägige Tour für 1000 Soles, ein guter Preis. Wir sind gespannt, was uns dafür erwartet.

Anschließend fahren wir mit einem Mototaxi zu einem Kunstmarkt, der etwas außerhalb der Stadt liegt. Der Taxifahrer macht einen merkwürdigen Eindruck und ich habe ein bisschen Angst, dass er uns in den Dschungel entführt, weil die Fahrt kein Ende zu nehmen scheint. Allerdings ist es eigentlich gar nicht so weit, doch durch die Lautstärke und den Gestank der Mototaxis sowie den Schlaglöchern alle zehn Meter ist die Fahrt gefühlt fünfmal so lang. Letztendlich ist er aber doch

Auf dem Kunstmarkt gibt es viel Plunder, kitschige Gemälde, Perlenhalsbänder, schöne Gefäße aus glatt gehobelt und poliertem Mahagoniholz, Decken und Tücher und vieles mehr. Céline kauft sich eine schwarz-weiß bemalte Decke mit dem typischen abstrakten Iquitos-Dschungel-Muster.

Am Abend fällt mir noch ein, dass ich gar kein Regencape habe und wir müssen nochmal im Dunkeln raus. Es ist immer noch feuchtwarm um die Uhrzeit und selten hatte ich so viel Lust auf eine kalte Cola. Auf der Einkaufsmeile von Iquitos begegnen wir einem Junkie aus England, der uns um Geld anbettelt, weil er behauptet, er sei vor 4 Tagen zusammengeschlagen worden und liefe schon seit vier Tagen durch die Stadt. Er sieht aus wie Gollum, vor allem seine Augen. Er zeigt uns seinen dicken gebrochenen Finger und bettelt um ein paar Soles, um ins Krankenhaus zu kommen. So richtig glauben wir ihm seine Geschichte nicht, denn wenn man komplett ausgeraubt wird, sollte man sich als erstes mit der Botschaft seines Landes in Verbindung setzen, dass man seine Papiere wiederbekommt. Vielleicht hat er sich den Finger sogar absichtlich selbst gebrochen. Wir haben Erbarmen und geben ihm ein bisschen Kleingeld. Aber wie um Himmels willen schafft man es als Engländer und Junkie, ausgerechnet in Iquitos abzustürzen?

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