Lima, Parque de la Reserva, Tag 38

Céline ist mit Liz im Museum für Moderne Kunst, ich hingegen schlafe aus. Marcos Oma hat uns derweil ein riesiges Frühstück gemacht. Bis zum Mittagessen bin ich mit Fotos bearbeiten und bloggen beschäftigt.

Maxi, Marcos Onkel isst mit uns Mittag. Er ist Neurologe hat gerade im Radio ein Interview über Hirnaneurysmen gegeben. Im Radio erklärt er, dass in Japan man einen Nachweis für den Arbeitgeben braucht, dass man nicht an einem Aneurhysma erkrankt ist, damit sich gesund überarbeiten kann und nicht sofort umfällt wie ein freistehender Besen. Wie gut er reden kann, demonstriert er auch am Esstisch. Er fragt uns über das Leben in Europa und über Deutschland. Doch egal über welchen Aspekt wir sprechen, er schafft es irgendwie immer, das Gespräch auf Fußball zu lenken.

Marcos Oma und sie erzählt über ihr Leben, wie sie in Puerto Moldonado aufgewachsen ist. Damals gab es dort noch keine befestigten Straßen und nur Radio. Wie Iquitos war Puerto Moldonado von der Außenwelt abgeschnitten, doch mittlerweile kann die Stadt über den Landweg erreichen.

Am Abend gehen wir in den Parque de la Reserva, einem Erholungpark mit vielen Springbrunnen, Licht- und Wasserinstallationen. Um in den Park zu kommen, muss man ein paar Soles Eintritt bezahlen. Der Park ist ruhig, sauber und die Besucher haben sichtlich Spaß mit den Wasserspielen. Hier gibt es auch Shows, bei denen die Wasserfontänen mit Projektoren und Lasern beleuchtet werden. Dazu gibt es Musikuntermalung. Der Parque de la Reserva lag übrigens von 1960 bis in die 90er brach, doch innerhalb eines Jahres wurden 2006 Wasser- und Lichtinstallationen gebaut und der Park konnte 2007 eröffnet werden. Ich persönlich halte das für ein sinnvolles und preislich günstiges Konzept für den Flughafen Tempelhof oder den vor sich hin gammelnden Spreepark.

Zum Abendessen gehen wir Anticoches essen, Spieße mit Herzfleisch, dazu gebratener Mais. Es schmeckt köstlich. Aber als Vegetarier wird man in Peru wahrscheinlich nicht so richtig glücklich. Fast alle peruanischen Gerichte werden mit Fleisch oder Fisch zubereitet: Ohne Fleisch heißt hier mit Pollo, also mit Hähnchenfleisch. Einem Vegetarier bleibt meistens nur Salat oder beim Chinesen eine Reispfanne mit Gemüse zur Auswahl, zumindest wenn man günstig essen will.

Als wir nach Hause kommen, schläft Marcos Oma in ihrem Zimmer bei Festbeleuchtung und voller Lautstärke. So schläft sie immer am besten ein.

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Tour durch Lima, Tag 37

Marco hat sich heute für uns freigenommen und wir machen mit ihm eine Stadttour durch ein paar Viertel von Lima. Die Kernstadt von Lima ist insgesamt 30 Bezirke eingeteilt.

Am Vormittag fahren wir mit dem Bus nach Barranco, einem Künstlerviertel. Das Viertel liegt an der Pazifikküste und man hat von dort einen tollen Ausblick auf dem Ozean. Außerdem stehen hier viele Villen im Barock- und Kolonialstil, die Casonas genannt werden. Auf dem schicken Hauptplatz befindet sich eine Bibliothek. Hier ist es sehr angenehm ruhig, es gibt wenig Menschen und Verkehr.

In der Nähe der Küste steht die Kirche La Ermita, deren Dach während des Salpeterkrieges zwischen Peru und Chile von den Chilenen 1881 niedergebrannt wurde. Wegen dieses Krieges, in dem die Gebiete rund um die Atacamawüste und dortige Nitratverkommen (Salpeter) Konfliktgegenstand waren, sind viele Peruaner und Bolivianer auf die Chilenen nicht gut zu sprechen. Wir trinken etwas in einem Künstlercafé und gehen dann in ein Künstleratelier, in dem allerlei interessante und manchmal auch hübsche Dinge zu stattlichen Preisen verkauft werden. Dann fahren wir mit dem Bus zurück nach Jesus Maria. Zwei Typen in Batikshirts und Afro-Frisur unterhalten uns musikalisch, fast so wie in der S-Bahn in Berlin, nur besser und irgendwie authentischer. Aber als Tourist freut man sich sowieso mehr über Musiker in öffentlichen Nahverkehrmittels als als Einheimischer.

Wir essen mit Marcos Oma, Liz und Uto gemeinsam mittag. Am Esstisch unterhalten wir uns über die Fußball-WM, einem Thema, zu dem ich eigentlich nichts schreiben wollte. Die Peruaner sind wie die Ecuadorianer vollends fußballbegeistert und nach diesem Halbfinalspiel Deutschland gegen Brasilien bleibt mir wohl keine andere Wahl.

Anstatt in die Innenstadt zu fahren, gucken wir also das Spiel. Der einzige Fernseher in der Wohnung befindet sich im Schlafzimmer von Marcos Oma und so sitzen wir alle auf dem Bett und schauen das Spiel. Wir wollten eigentlich nur kurz reinschauen, doch nach dem es in der Halbzeit bereits 5:0 für Deutschland stand, haben wir es doch noch zu Ende geguckt. In der Halbzeitpause kommt Selin aus der Schule. Sie trägt wie alle Kinder in Peru Schuluniform, die meiner Meinung nach noch förmlicher ist als die in Ecuador. Nach dem 7:1 Endstand war dann klar, dass dies wohl hier die nächsten zwei Tage Gesprächsthema Nummer eins sein würde. Die Brasilianer hingegen werden von diesem Trauma noch ihren Enkelkindern erzählen.

In der Stadt gibt es metergroße Tafeln, auf denen die aktuellen Spielstände gezeigt werden. Manche Leute fragen uns, woher wir kommen. Wenn wir sagen, dass wir aus Deutschland kommen, werden wir meistens auf die Leistungen und die Spielweise der deutschen Nationalelf angesprochen. Deutschland ist neben Argentinien für viele der WM-Favorit.

Nach diesem historischen Fußballspiel gehen Céline, Marco und ich noch mal los, um die Altstadt von Lima zu besichtigen. Dieser Stadtteil gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir fahren mit dem Taxi. Marco sitzt vorne und unterhält sich mit dem Taxifahrer über das Spiel. Als der Taxifahrer mitbekommt, dass ich Deutscher bin, meint er zu mir, dass ich jetzt das Doppelte zahlen müsste. War aber nur ein Scherz.

Dann laufen wir durch die Altstadt von Lima, über den Plaza Mayor, an dem sich die San-Francisco-Kathedrale und der Präsidentenpalast befinden. Genau wie die Altstadt von Quito, ist die von Lima nahezu gänzlich im Kolonialstil. Es gibt viele kleine Geschäfte und eine Ausstellung von Titelseiten der Wochenzeitung Carelá, die stets sehr kritisch über die Politik in Peru berichtet. Die Titelseiten sind ähnlich wie die der Titanic satirisch gehalten.

In der Nähe vom Präsidentenpalast, am Rio Rimac, mache ich ein paar Langzeitbelichtungen vom Berg San Cristobal. Weil das ziemlich lange dauert und ich mehrere Versuche brauche, sieht das für eine Palastwache etwas suspekt aus und er fragt mich nach meinem Pass und woher ich komme. Einen Pass habe ich nicht dabei, ich sage, dass ich aus Deutschland komme und zeige ihm die Fotos. Dann ist er beruhigt.

Wir laufen noch durch die Fußgängerzone und stöbern in einigen Buchläden. In einem Buchladen gibt es sogar ein gebrauchtes Buch auf deutsch, „Märchen aus 1001 Nacht“. Dann gehen wir durch einen Park, in dem alte Olivenbäume stehen, die im 16. Jahrhundert hier angepflanzt wurden. Zu Fuß gehen wir zurück nach Jesus Maria, wo wir heute wieder bei Liz und Uto zu Abend essen. Unterwegs kaufen wir noch eine Flasche Wein und ich suche mir noch ein Bier aus.

Das Bier bereitet an der Kasse aber Probleme, weil ich es mir einfach aus dem Kühlschrank genommen habe und zudem keinen Pfand dabei habe. Das gibt eine Diskussion und sogar die geduldigen Peruaner hinter uns, fangen an sich zu beschweren. Aber irgendwie wurde das Problem dann doch noch gelöst und wir konnten das Bier bezahlen. Die Kassen sind hier sogar noch langsamer als in Frankreich. Mit den europäischen Geflogenheiten kommen die Peruaner scheinbar nicht zurecht. Das kann man ihnen aber nicht verübeln.

Zum Abendessen gibt es köstlichen Ceviche, Papa de Huancaina und leckere Beilagen. Als Aperitif trinken wir einen schmackhaften Cóctel de Algarrobina, einem Cocktail mit den Früchten des Johannisbrotbaums, der etwas an Eierlikör erinnert.

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Wieder in Lima, Tag 36

Eigentlich wollten wir zum Markt in Belen, doch es regnet wie aus Eimern. Darum bleiben wir den vormittag im Hostel, um 12 Uhr müssen wir sowieso zum Flughafen. Aber ich glaube, so viel haben wir bei dem Markt nicht verpasst und eigentlich haben wir auch genug von der drückenden Hitze, von den Moskitos und vor allem von der Stadt und deren Bewohnern.

Hier sind die Leute wirklich am unfreundlichsten, was womöglich an der Abschiedenheit der Stadt liegt. Auch der Umgang mit der Natur des Dschungels ist, zumindest anhand der Fotos und Bilder, die wir bei den meisten Agenturen gesehen haben, oft respektlos. Fünf Männer, die in einer Reihe stehend eine Anaconda in den Armen halten. Faultiere, die im Sack zur Tour mitgenommen und dort den Touristen präsentiert werden. Aber eigentlich ist der Umgang mit den Touristen noch respektloser. Wir fühlen uns wie ein Paar Außerirdische, die mit ihrem Raumschiff mit voller Gold tief im Dschungel gelandet sind und in die Stadt gekommen sind, um die Bewohner zu verlocken. Nein, im Ernst, die Leute scheinen überhaupt nichts zu wissen oder wissen zu wollen, wie man mit Touristen umgeht. Wir möchten nichts mitten auf der Straße von der Seite angequatscht werden und das man uns noch 200m folgt, wenn wir dankend abgelehnt haben. Man kann davon ausgehen, dass der durchschnittliche Tourist sich informiert, bevor er eine mehrtägige Dschungeltour bucht. Und vorallem die meisten Europäer verstehen es, offen über Preise zu reden. Diese Konzepte sind hier fast so gut wie unbekannt. Das mag größtenteils auch einfach am kulturellen Unterschied liegen, doch letztendlich geht es doch nur ums Geld.

Mein bisheriger Gesamteindruck von den Peruaner, dass es ihnen etwas mehr an Feinfühligkeit fehlt als den Ecuadorianern. Als wir in Peru in Piura ankamen, wurden wir gleich aggressiv von Taxifahrern belästigt, die uns nach mehrmaliger Absage immer noch weiter fragen. Das gleiche in Huanchaco für die Fischrestaurants. In Chiclayo hat uns der Hotelbesitzer ständig im Zimmer angerufen, nachdem wir ihn einmal nach einem Restaurant und einem Buchladen gefragt. Das Restaurant war zu dem viel zu chic für unseren Geschmack und den Buchladen hatten wir schon selbst gefunden, aber das ist nebensächlich. Was mir nicht gefiel, war diese unterwürfige Art, die er an den Tag legte. Zum Beispiel, wenn er beim Dankesagen die Handflächen aufeinanderlegt und sich verbeugt. In Ecuador gab es keinerlei Vorkommnisse dieser Art.

Am Abend, nach dem ereignislosen Rückflug von Iquitos, gehen wir zu Marco und seiner Oma zum Abendessen. Dort schlafen wir auch die nächsten drei Tage.

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Abschied vom Dschungel, Tag 35

An unserem letzten Tag im Dschungel fahren wir zur Affeninsel. Auf dieser Insel sind, wie der Name vermuten lässt, zahlreiche Affenarten beheimatet. Allerdings nur die kleineren Neuweltaffen, die größeren Menschenaffen wie Orang-Utans oder Gorillas sind im südamerikanischen Dschungel nicht anzutreffen. Das Hauptmerkmal der Neuweltaffen ist der Greifschwanz, der es ihnen erlaubt, nach akrobatischer in den Bäumen herumzuturnen.

Als wir an der Insel ankommen, sehen uns gleich ein Dutzend Affen, die laut herumkrakelen. Am lautesten ist der Brüllaffe, dessen Laute wie ein extrem tiefer Rülps klingen. Dann wirft Pecho den Affen ein Paar Bananen zu, über die sie sich gleich her machen, vor allem die schwarzen Klammeraffen. Pecho meint, die Insel zu betreten sei zu gefährlich, da die Affen gerne auch mal zubeißen und auch Krankheiten übertragen.

Nach diesem kurzen Besuch fahren wir zum Lodge zurück, in der auch viele Dorfbewohner fleißig am Nichtszutun sind. Pechos Bruder sitzt stundenlang in der Hängematte. Sein Pfade im Stuhl in der Sonne. Ohne ein Buch zu lesen, Musik zu hören, sich zu unterhalten, vielleicht sogar auch ohne über etwas nachzudenken. Einfach mal nichts zu tun. Eine Art von Meditation. Ich finde, davon könnte man sich mal was abgucken. Auch wenn die Lebenserwartung hier geringer ist als in Europa oder Nordamerika, diese Leute sterben sicherlich nicht an Herz- oder Hirninfarkten.

Nach dem Almuerzo im Lodge, bei dem wir auf zwei sympathische neuangekommene Iren stoßen, fahren wir mit der überdachten Motorbarke wieder nach Nauta. Im Boot lässt es sich gut schlafen. In Nauta fahren wir mit dem Mototaxi zum Minibusbahnhof. Wir denken, wir seien die einzigen Personen im Minibus und freuen uns schon über die Geräumigkeit. Doch dann steigen noch fünf weitere Leute ein. Und dann noch mal sechs oder sieben Personen. Ein peruanischer Minivan ist nie zu voll. Nach zwei Stunden schier endloser Fahrt kommen wir in Iquitos an, wo Alex uns abholt.

Als wir vor dem Hostel stehen, werden wir sogleich von einem Mototaxi-Fahrer anlabert, der uns sein schönes Dschungellodge zeigen will. Willkommen zurück in der Zivilisation oder wie das heißt.

Bei den vielen Mototaxis und Touristenfallen kann ich verstehen, dass die Waldbewohner im Wald geblieben sind. Für die Waldbewohner müssen Großstädte wie ein Dschungel wirken. Doch der Wald dagegen ist wahrlich nichts für uns Großstadtbewohner, sogar überhaupt nichts für Leute, die nicht dort geboren sind. Wenn man den Dschungel selbst erlebt hat, wirkt das Vorhaben von Fitzcarraldo im gleichnamigen Film von Werner Herzog, hier fernab der Zivilisation eine Oper errichten zu lassen umso absurder.

 

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Dschungeltour am Uyucali, Tag 34

Nach dem Frühstück geht es zum Angeln. Wir wollen Fische für das Mittagessen fangen. Pecho hat schon die Angeln und die Köder vorbereitet. Zunächst fahren wir mit dem Boot an eine seichtere Stelle, um dort kleinere Fische zu fangen, die wir später als Köder für die größeren benutzen. Es dauert ein bisschen, bis der erste Fisch anbeißt, doch dann geht alles ganz schnell und wir fangen mehrere kleine Fische.

Anschließend geht es mit dem Boot auf den großen Fluss, zu den Schlammbänken. Dort gibt es viele große Welse, die mit ihren langen Fühler an ihren Mäulern das Brackwasser durchsuchen. An den ersten beiden Stellen, an denen wir angeln, sind wir etwas glücklos. Doch an einer schmalen Flussenge, die zu einem See führt, werden wir fündig. Wir legen mit dem Boot an der Schlammbank an, das bedeutet Schlammbaden und nebenbei angeln. Wenn man den Schlamm mit einem Fuß betritt, sinkt man bis zum Po ein und man kann sich eigentlich nur auf den Knien fortbewegen. Der Schlamm bietet dafür aber ein guten Schutz vor der prallen Sonne, in der wir auf die Fische warten.

Pecho fängt drei Fische hintereinander. Céline bekommt auch einen Fisch an die Angel, doch er hat zu viel Kraft und springt weg. An meiner Angel beist auch ein Fisch an, der jedoch so viel Kraft hat, dass er die ganze Angelsehen mitnimmt.

Dann kommen ein paar Motorboote durch den Graben getuckert. Ein Boot wird von einem Mädchen gefahren, sie macht aber scheinbar das erste Mal und steuert mit der Schraube so dicht auf mich zu, dass ich aus dem Schlamm springen muss. Als die Boote weg sind, sieht man an manchen Stellen wieder kleine Blasen aus dem Wasser aufsteigen; dort sind Fische. Ich sehe ein solche Stelle, werfe den Angelhaken kurz davor ins Wasser und zack, ein großer Wels beißt an und die Angel biegt sich. Ich ziehe den Fisch aus dem Wasser, gebe Pecho die Angel und er präpariert den Fisch. Der Wels hat giftige spitze Stacheln an den Kiemen, die er abbricht. Später fange ich noch einen. Am Ende steht es Peru – Deutschland 4:2.

Nachdem Schlammbadangeln besuchen wir Pechos Dorf La Libertad, dass aus zehn Häusern, einer Schule und einem Gemeinschaftsraum besteht. Die Häuser stehen alle auf hohen Pfählen, denn in der Regenzeit ist das ganze Dorf überschwemmt und dann stehen die Häuser metertief unter Wasser. Man kann den Wasserstand am Holz erkennen. In Pechos Hütte, in der er mit seiner Frau und seinem zwei Monate altem Sohn wohnt, gibt es Hängematten, einen alten Fernseher und eine Anlage. Strom kommt vom Generator.

Zwei Männer bauen gerade ein Boot und,versiegeln die Bretter mit einer schwarzen Substanz, die laut Pecho auch aus den Bäumen gewonnen wird. Dazu trinken sie Camu-Camu-Limonade, die wir auch probieren dürfen. Camu-Camu sind kleine grüße, etwa weintrauben große, sehr saure Früchte, die aber pro Gramm Fruchtfleisch vierzigmal mehr Vitamin C als Orangen enthalten. Die Limonade, die stark gezuckert ist, schmeckt aber hervorragend.

Wir fragen uns insgeheim, so klein wie Kommune hier ist, ob es hier auch Fälle von Inzest gibt. Früher, so erfahren wir später von Marco, gab es wohl Kidnappings von Frauen von benachbarten Dörfern, die dann im jeweiligen anderen Dorf leben mussten und dort Kinder von den Männern bekamen, damit Inzest vermieden wurde. Wie das mit der Vermehrung heute läuft, werden wohl auf dieser Dschungeltour nicht erfahren.

Zum Mittagessen gibt es dann unseren geangelten Fisch, der gegrillt hervorragend schmeckt. Am Nachmittag fahren wir wieder mit dem Boot raus und Pecho zeigt uns die Tiere, die wir vom Fluß aussehen können. Er schafft es, nachdem wir mit dem Boot eine Strecke von vielleicht 500m gefahren sind, zwei in den Bäumen versteckte Leguane, einen Tukan und 3 Papageien, die gut 200m weit weg sind zu sehen. Erst mit meinem Teleobjektiv kann ich die Tiere richtig erkennen und identifizieren. Der Mann hat wirklich Adleraugen. Lustigerweise heißt er auch Adler mit Nachnamen. Fragt sich, woher er den Namen bekommen hat.

Es wird langsam dunkel. Vor Einbruch der Dunkelheit bekommen wir auch noch ein paar Faultiere, die zurückgezogen in den Bäumen leben, zu sehen. Die Tiere bewegen sich so langsam, dass sie leicht zu fotografieren sind.

Als es dann richtig dunkel ist, schalten wir unsere Stirnlampen ein und leuchten in das Dunkel des Waldes, um ein paar Augen zu erspähen, die zurückleuchten. Pecho findet natürlich immer als erstes etwas und dann halten wir mit Boot an oder fahren ein Stück zurück, um uns das genauer anzuschauen. Wenn sich der Bootsführer, der hinten sitzt und Pecho, der vorne steht, unterhalten, klingt das mehr wie Thailändisch als Spanisch. Ein eigentümlicher Dialekt.

Wir sehen eine weiße, zwei Meter lange, nachtaktive Boa Constrictor, die in einem Baum auf Beute lauert. Dann sehe ich zwei am Ufer zwei rote Augen, die einer Aga-Kröte zugehörig sind, die wie eine versteinerte Buddhastatue im Sand hockt. Aga-Kröten sondern giftige Sekrete ab, deswegen sollte man einen Sicherheitsabstand halt. Dieses Exemplar ist etwa 20cm groß. Danach begegnen wir noch einem scheuen, braunem Opossum.

Im Lodge essen wir Abendbrot. Viele Verwandte von Pecho verbringen im Lodge auch ihren Tag. So auch Pechos Vater, der etwa Ende fünfzig ist und sein ganzes Leben in La Libertad verbracht hat. Er hat ein zerfurchtes Gesicht und ihm fehlen mehrere Schneidezähne. Doch sein Gehör ist ausgezeichnet und er kann die Flugzeuge von weitem hören.Dann weiß er, dass es 8 Uhr abends ist. Fragt sich, ob er auch schon mal eines gesehen hat.

Nach dem Abendessen gehe ich mit Pecho und dem Bootsfahren noch zu einer Nachtwanderung. Céline kommt wegen ihrer Spinnenangst nicht mit. Weil die drei Amis und der eine Engländer aus das Lodge am Mittag verlassen haben, gibt es jetzt auch Gummistiefel in meiner Größe, von denen aber leider einer undicht ist. Dann ziehe ich mir zum Schutz vor Insekten noch das Regencape über. Als erstes sehen wir eine Vogelspinne, die sich aber lichtscheu so gleich in einer Baumritze verkriecht. Eine kleine Krabbe hat es sich in einer Pfütze gemütlich gemacht. Eine Geißelspinne, die fast so groß ist wie meine Hand und deren Biss unangenehm giftig ist, wartet in der Dunkelheit auf Beute. Eine Aga-Kröte quakt starr in die Finsternis und macht sich nichts aus unsere Finsternis. Auch ein Kaiman hat sich im seichten Sumpf versteckt. Es ist eine andere Art als die, der wir gestern begegnet sind. Als Pecho ihn aus dem Wasser holt, verhält er sich etwas launischer und er hat außerdem harte Stacheln auf dem Rücken, weil er im Wald mehr Feinden ausgesetzt ist. Zum Schluss sehen wir noch ein weißes Opossum, das neugierig für meine Kamera (die hier im Dunkeln an ihre Grenzen stößt) posiert.

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Welcome to the Jungle, Tag 33

An diesem Morgen holt Alex uns pünktlich um 6:45 ab, damit wir nach Nauta fahren. Nauta ist eine kleine Stadt mit 10000 Einwohner und deren Hafen der Ausgangspunkt für nahezu alle Touren in den Dschungel.

Auf der Fahrt hören Alex und der Fahrer debiles Radio in voller Lautstärke, so eine Art lustiges Telefon, dass auf die Dauer ziemlich nervtötend ist. Unterwegs sammeln wir auch ein paar Anhalter ein, die auch in Richtung Nauta wollen.

Angekommen am Minibus-Bahnhof in Nauta, fahren wir mit Alex im Mototaxi noch ein Stück zum Markt, auf dem viele exotische Früchte und Kräuter aus dem Dschungel und Fisch aus den Flüssen verkauft werden. Wir frühstücken ein paar Sandwiches und trinken Jugos, die uns eine dicke Frau mit starken Bartwuchs serviert.

Wir warten in der Zwischenzeit auf Pecho, unser Guide, der uns durch den Dschungel führen wird. Pecho wurde in einer kleinen Gemeinde im Dschungel geboren und ist auch dort aufgewachsen. Er kennt den Dschungel so gut wie seine Westentasche, dafür spricht er nur Spanisch. Er war auch für das peruanische Militär im Dschungel tätig. Sein Wissen über den Wald ist für die Armee sicherlich Gold wert. Es ist äußerst schwierig einen guten Guide zu finden, der den Dschungel gut kennt und der gleichzeitig Englisch spricht. Weil Alex aber unser Spanisch für gut genug hielt, hat er für uns einen Waldbewohner als Guide organisiert. Wir sind damit zufrieden.

Nach dem Frühstück und nach dem wir uns Pecho vorgestellt haben, gehen wir zum Hafen, um von dort aus mit dem Motorkahn tiefer in den Dschungel zu fahren.

Zuvor hat Pecho sich eine Sportzeitung gekauft; er ist sehr fußballbegeistert. Er war zwar in seinem Leben erst einmal in Lima und sonst nur in seinem Dorf La Libertad, kennt aber die Spielernamen der deutschen Nationalelf und die Stammclubs der Spieler innen- und auswendig.

Als wir mit dem Boot fahren, springt ein Barracuda an Bord. Wir erschrecken uns. Der Fisch ist etwa 25cm lang und hat Widerhaken an den Zähnen. Pecho hebt den Blindgänger auf und wirft ihn zurück in den Fluss. Pecho erklärt uns das Flusssystem und zeigt uns den Amazonas, der weiter hinten von zwei Quellflüssen gespeist wird. Wir fahren nicht zum Amazonas, sondern zu den Flüssen Ucayali und Maranon.

Als wir nach etwa zwei kurzweiliger Fahrt kommen wir am Lodge an, wo wir erstmal ein Almuerzo essen. Währenddessen fängt es wie aus Eimern zu regnen an, doch der Schauer ist innerhalb von zwanzig Minuten vorüber. Mit am Mittagstisch sitzen drei US-Amerikaner und ein Engländer, die eine 4-Tagestour absolviert und heute Nacht zum Abschluss im Dschungel campen werden und danach abreisen. Somit sind wir die nächten beiden Nächten die einzigen Gäste im Lodge.

Nach dem Mittagessen gehen wir in unser Zimmer, in dem sich im Wesentlichen zwei Betten und eine Wäscheleine befinden. Insekten und Spinnen gibt es auch viele, aber über die Betten sind Moskito gespannt, so dass kein Getier reinkommen kann.

Für die erste Dschungel ziehen wir uns lange Hosen, langärmlige Sweatshirts und Gummistiefel an. Es gibt leider keine Gummistiefel mehr in meiner Größer und ich muss mit einer Nummer kleiner auskommen.

Wir laufen etwa anderthalb bis zwei Stunden durch den Wald, doch in der kurzen Zeit bekommen wir schon eine Menge zu sehen. Weil es zuvor geregnet hat, ist alles voller knöchel- bis knietiefer Pfützen, daher die Gummistiefel (die bei mir ein bisschen drücken).

Pecho geht mit der Machete voran. Wir machen an jedem zweitem Baum halt. Zum einen deshalb, weil Pecho etwas über jeden Baum weiß und zum anderen, um mit Machete eine Markierung ins Holz zu schlagen, damit wir wie Hänsel und Gretel den Rückweg finden. Den Umgang mit der Machete beherrscht Pecho perfekt. Er lässt uns auch mal probieren, damit ins Holz zuschlagen. Es ist ein armdicker Ast, den wir abschlagen sollen. Doch unsere Schläge haben zu wenig Kraft und sind vor allem zu unpräzise. Pecho haut den Ast in zehn gezielten Schlägen in zwei.

Es gibt Kautschukbäume im Dschungel. Mit der Machete angeritzt, fließt die Kautschukmilch gleich aus dem Baum. Zerreibt man das Kautschuk mit den Fingern, erhält man die typische feste gummiartige Substanz, die so fest ist, dass man sie kaum wieder auseinander bekommt. Kautschukbäume haben für den Dschungel im Amazonas keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Zum einen deshalb, weil man ihn mittlerweile synthetisch herstellen kann und zum anderen, weil er in Malaysia in Kautschukfarmen – die ursprünglich im Amazonasbecken heimisch Bäume wurden dort angepflanzt – wesentlich günstiger gewonnen werden.

Dann reist Pecho ein paar Blätter von einem Baum ab und beginnt mit den Blattstielen, die eine orange Farbe besitzen, unsere Gesichter zu bemalen. Diese Bäume werden auch von den Indianern zur Gesichtsbemalung verwendet. Leider gibt es bei Céline irgendeine allergische Reaktion, so dass die bemalten Striche noch eine Woche später als gerötete Stellen sichtbar sind.

Manche Bäume sind über 500 Jahre alt und über 40 Meter hoch, in die Stämme würde ein Smart passen. Das Holz und die Säfte mancher Bäume dienen als Medizin. Andere Bäume haben Stacheln, die sogar giftig sind. Dann gibt es noch die Lianen, die so dick wie ein Unterschenkel werden können und an denen man hochklettern kann, wie Pecho uns auch demonstriert. Es gibt Lianen mit rotem und weißen Holz, wobei erstere eher für Heilzwecke und letztere als Wasserspender dienen. Pecho hackt mit der Machete eine weiße Liane für uns ab und wir trinken das erfrischende Wasser, das nach Kokos schmeckt. Es gibt auch giftige Lianenarten, deshalb muss man vorsichtig sein und genau wissen, von welcher Art man den Saft trinken.

Wieder im Lodge angekommen, fahren wir mit dem Boot raus, um Reis zu pflanzen und im Schlamm zu baden. An den Ufern des Flusses befinden sich viele Reisfelder, die in der Regenzeit überschwemmt werden. Jetzt, zur Trockenzeit, ist dort nur Schlamm. Im Fluss wimmelt es von Flussdelfinen, der einzigen Delfinart, die im Süßwasser heimisch ist.

Als wir mit dem Boot anlegen und in den Schlamm steigen, sinken wir bis zum Knie ein. Nach dem wir alle Reiskörner auf dem Schlammfeld verteilt haben, nehmen wir noch eine Stunde ein wohltuendes Schlammbad, das meiner Haut sehr gut tut.

Dann baden wir im Fluss, um den Schlamm abzuwaschen, trocknen uns ab, ziehen uns wieder an. Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir wollen noch durch das Schilf in den Sumpf fahren, um dort Kaimane zu sehen. Im Schilf bleiben wir mit dem Boot stecken und lauter Spinnen, die an den Halmen auf Mückenjagd gehen, landen in unserem Boot. Es ist stockfinster. Ohne unsere Stirnlampen sieht man in der Ferne kaum etwas. Nur das Licht das Viertelmondes, der genau über uns leuchtet, spendet etwas Licht.

Im Sumpf erspäht Pecho nacheinander an verschiedenen Stellen drei kleine Kaimane, die er für uns behutsam aus dem Wasser holt und deren Haut wir anfassen können. Sie ist ganz weich, wie Handtaschenleder. Hoffentlich ist das Muttertier nicht in der Nähe. Man kann die Kaimane mit der Stirnlampe leicht sehen, den ihre Augen reflektieren auch unter Wasser leuchtend rot zurück.

Wir fahren wieder zurück zum Lodge, wo wir Abendbrot essen. Strom gibt es keinen, alles wird mit Gaslampen beleuchtet. Die Spinnen fühlen sich hier sehr wohl, Céline umso weniger. Zum Glück haben wir auf das Dschungelcamp verzichtet, sonst hätte sie Panikattacken bekommen. Wir gehen ins Bett und lauschen noch dem Krach aus dem Dschungel, zu dem man überraschend gut einschlafen kann.

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Iquitos, Tag 32

Nach dem wir von dem Kickback-Referral-System erfahren habe, gehen wir heute erstmal in die offizielle Touristeninformation. Die offiziellen Touristeninformationen gibt es übrigens in jeder größeren Stadt in Peru und man kann sie nur loben. Bisher wurden dort all unsere Fragen beantwortet. In der Agentur gibt es eine Liste von offiziell registrierten Dschungeltouragenturen. Denn wenn man wahllos in einer der zahllosen Agenturen geht, kann damit rechnen, abgezockt zu werden. Von den Agenturen, bei denen wir gestern waren, steht nur Wimbatours auf der Liste, die auch nach unserem Eindruck die seriöseste war.

Wir wollen zu einer anderen Agentur, die auf der anderen Seite der Stadt liegt, die jedoch geschlossen ist, als wir dort ankommen. Unterwegs haben wir unter dem Verkehr zu leiden. Was ein idyllisches Dschungelparadies sein könnte, wird durch den Lärm und Gestank der Moto-Taxis zu nichte gemacht. Die Moto-Taxis bewegen sich wie Hummelschwärme über die staubigen Straßen. Warum es überhaupt Spurstreifen gibt, bleibt ein Rätsel. Die Ampelzyklen an den Kreuzungen sind mit 10 Sekunden sehr kurz, so dass man inner seine Beine in die Hand nehmen muss, wenn die Straße überqueren will. Straßenschilder gibt es nur selten und man muss erraten, in welchem Block man gerade ist. Auf den Straßen gibt es dafür an fast jeder Obstverkäufer, die Früchte verkaufen, die man Europa nirgends findet: Aguaje (Früchte der Kohlpalme), Acai und Kamu Kamu. Wir probieren eine Aguaje, wie ein bisschen wie ein komprimierter dunkler Tannenzapfen aussieht und nur wenig Fruchtfleisch besitzt. Man isst sie mit einer Prise Salz, aber wir kommen nicht ganz auf den Geschmack.

Eine Agentur probieren wir noch; Ecological Jungle Tours. Ein freundlicher Mann im Feinrip begrüßt uns. Er heißt Alex. Wir sagen, dass wir ein halbwegs authentisches, aber doch nicht als allzu abenteuerliches Dschungelerlebnis möchten, das heißt kein Töten von Tieren, keine falschen Indianer und kein Luxuslodge. Er erzählt, dass es Agenturen gibt, die die Touristen etwa 30km auswärts von Iquitos bringen und ihnen dort Tiere zeigen, die in den Sack gestopft dorthin gebracht wurden. Wir buchen eine dreitägige Tour für 1000 Soles, ein guter Preis. Wir sind gespannt, was uns dafür erwartet.

Anschließend fahren wir mit einem Mototaxi zu einem Kunstmarkt, der etwas außerhalb der Stadt liegt. Der Taxifahrer macht einen merkwürdigen Eindruck und ich habe ein bisschen Angst, dass er uns in den Dschungel entführt, weil die Fahrt kein Ende zu nehmen scheint. Allerdings ist es eigentlich gar nicht so weit, doch durch die Lautstärke und den Gestank der Mototaxis sowie den Schlaglöchern alle zehn Meter ist die Fahrt gefühlt fünfmal so lang. Letztendlich ist er aber doch

Auf dem Kunstmarkt gibt es viel Plunder, kitschige Gemälde, Perlenhalsbänder, schöne Gefäße aus glatt gehobelt und poliertem Mahagoniholz, Decken und Tücher und vieles mehr. Céline kauft sich eine schwarz-weiß bemalte Decke mit dem typischen abstrakten Iquitos-Dschungel-Muster.

Am Abend fällt mir noch ein, dass ich gar kein Regencape habe und wir müssen nochmal im Dunkeln raus. Es ist immer noch feuchtwarm um die Uhrzeit und selten hatte ich so viel Lust auf eine kalte Cola. Auf der Einkaufsmeile von Iquitos begegnen wir einem Junkie aus England, der uns um Geld anbettelt, weil er behauptet, er sei vor 4 Tagen zusammengeschlagen worden und liefe schon seit vier Tagen durch die Stadt. Er sieht aus wie Gollum, vor allem seine Augen. Er zeigt uns seinen dicken gebrochenen Finger und bettelt um ein paar Soles, um ins Krankenhaus zu kommen. So richtig glauben wir ihm seine Geschichte nicht, denn wenn man komplett ausgeraubt wird, sollte man sich als erstes mit der Botschaft seines Landes in Verbindung setzen, dass man seine Papiere wiederbekommt. Vielleicht hat er sich den Finger sogar absichtlich selbst gebrochen. Wir haben Erbarmen und geben ihm ein bisschen Kleingeld. Aber wie um Himmels willen schafft man es als Engländer und Junkie, ausgerechnet in Iquitos abzustürzen?

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Iquitos, Tag 31

Vom Hostel fahren wir mit dem Taxi quer durch Lima zum Flughafen Jorge Chavez. Jorge Chávez war ein peruanisch-französischer Flugpionier, der 1910 als erster Mensch die Alpen überflogen hat. Der Flughafen ist sehr modern, die Sicherheitskontrollen, die ja internationale Richtlinien sind, werden von den Peruanern nur sehr lasch umgesetzt.

Wir fliegen nach Iquitos, einer Stadt mit 400,000 Einwohnern, die über den Landweg komplett von der Außenwelt abgeschnitten und nur per Boot auf dem Amazonas oder per Flugzeug zu erreichen ist.

Flughäfen sind eigentlich das langweiligste, was es überhaupt gibt. In jedem Land der Welt sehen sie gleich aus. Es gibt überall die gleichaussehende Läden, in denen Markenartikel verkauft werden, die niemand kauft. Und überteuerte Plundersouvenirs, die repräsentativ für das jeweilige Land sein sollen. So sieht Neoliberalismus in der Praxis aus. Außerdem gibt es eine kleine Kapelle, in der man noch beten kann, bevor der Flug losgeht. Irgendwie merkwürdig, schließlich ist man doch im Flugzeug näher zu Gott.

Im Flughafen tätigen viele Peruaner noch einen letzten Telefonanruf per Smartphone vor ihrem Flug. Mir fällt auf, dass sie ihre Smartphones sehr häufig wie Walkie-Talkies benutzen, also das Smartphone direkt vor ihren Mund halten und dort regelrecht reinschreien. Das liegt daran, dass es einen günstigeren Tarif mit schlechterer Klangqualität gibt und dann ist man gezwungen, dass Telefon auf diese Weise zu benutzen.

Im Flugzeug sitzend, erhebt sich die Maschine über den Küstennebel, ein Meer aus Wolken, das über der Stadt schwebt. Lima wirkt wie versunken unter dieser endlosen Wolkendecke. Ich schlafe im Flugzeug. Als ich aufwache, ist bereits der endlose Dschungel aus dem Fenster sichtbar. Keine Erhebung, kein einziger Berg, nur Bäume in einer flachen Ebene bis zum Horizont. Wenig später fliegen wir über das Netzwerk aus kleineren Flüssen, die den Amazonas speisen. Das Wasser ist wie die Erde rötlich gefärbt und erinnert an die Kupferglasscheiben vom Palast der Republik.

Die Maschine setzt zur Landung an. Als dir Türen aufgehen und wir aussteigen, kommt uns ein Schwall aus feuchtwarmer Luft entgegen, die man mit dem Messer schneiden kann. Die Temperaturanzeige am Gepäckband sagt, dass es 32°C im Schatten sind.

Iquitos ist die Hauptstadt der Mototaxis. Weil man vom Stadtzentrum höchstens 120km zum nächsten Ort Nauta fahren kann und die außerörtlichen Straßen nicht ausgebaut sind, scheint ein Moto-Taxi das geeignetste Verkehrsmittel zu sein, wenn man sich innerhalb dieser isolierten Stadt bewegt. In der Stadt fahren zu etwa 50% Mototaxis, 25% Motorräder und Motorroller, der Rest fällt auf LKWs und PKWs. Die Moto-Taxis sind laut, dreckig und ineffizient. Wer es schafft, in Iquitos elektrische Velotaxis, die mit Solarstrom betrieben werden, flächendeckend zu etablieren, wäre höchstwahrscheinlich hier der reichste Mann.

Wir nehmen für 10 Soles ein solches Moto-Taxi, um zu unserem Hostel zu gelangen. Der Taxifahrer ist sehr gesprächig und fragt was wir in Iquitos tun wollen und wir lange wir bleiben. Wir sagen,dass wir uns die Stadt angucken und in den Dschungel wollen. Da wird er hellhörig und will uns zu einer seiner Meinung nach ausgezeichneten Agentur bringen, die Dschungeltouren anbietet. Der Taxifahrer, setzt uns dort ab, nach dem er uns dreimal danach gefragt hat. Der Taxifahrer heißt übrigens Jhon und hat damit wie viele Peruaner einen englischen klingenden Namen mit einer bizarren Schreibweise: Deynis, Daysi, Jhonatan. Der angebliche Touristenführer in der Agentur sieht mit seinem Haifischgrinsen und seinen Aknenarben schon aus wie ein Gauner. Er nimmt sich ein paar Blätter Papier, schreibt auf, was wir in drei Tagen machen könnten. Fotos von den Touren gibt es keine. Wir sind skeptisch und werden später noch nach weiteren Agenturen suchen. Als ihm sagen, dass wir über sein Angebot nachdenken, dreht sich sein Haifischgrinsen um 180 Grad. Bei dem werden wir sicherlich keine Tour machen.

Im Hostel angekommen, fragen wir auch dort nach einer Agentur für Dschungeltouren. Das Hostel ist super, unser Zimmer liegt ganz weit hinten von der lauten Straße weg und es ist nachts dunkel und ruhig. Hier kann man gut schlafen. Wir werden an der Straße nahezu aggressiv für Dschungeltouren vollquatscht, auch weil ich meinen Fotoapparat umhabe und aussehe wie ein doofer Tourist. Es ist belästigend. Manche von den Drückerkolonnen gehen auch nach Bitten garnicht weg und bleiben wie eine Klette an einem kleben.

Wir gehen zu Wimba Tours, dass uns vom Hotel empfohlen wurde. Der Typ ist sehr freundlich, zeigt uns Fotos und macht ein guten Preis. Die Touren, die er anbietet sind allerdings zu touristisch, unter anderem mit Indianern, die für einen tanzen. So richtig überzeugt sind wir immer noch nicht.

Dann quatscht uns auf der Straße noch ein anderer Typ an, auf den wir uns einlassen, nach dem wir, als wir quer durch die Stadt zu seiner Agentur gehen, eine Deutsche treffen, die eine Tour bei ihm gebucht aber noch nicht gemacht hat. Die Tante wiederholt ständig, dass sie ein gutes Gefühl bei ihm hatte und wir uns auch auf unser Gefühl verlassen sollen. Aber der Typ ist ein bisschen aufdringlich und wir sind nicht recht überzeugt. Er zeigt uns in der Agentur Fotos von den Touren und auf einer gemalten Karte, die um 180° verdreht ist. Er fragt uns ständig nach unserem Budget und als wir sagen, dass wir noch ein bisschen Bedenkzeit brauchen, fragt er warum. Das reicht uns und wir lehnen dankend ab.

Später lesen wir im Internet, dass es in der Stadt ein Kickback-Referral-System gibt. Das heißt, dass der Taxifahrer, der die eventuelle Tour vermittelt hat, dafür eine Provision bekommt. Wenn man sich als Tourist auf dieses System verlässt, kann man sicher sein, dass man minimale Leistung zu maximalem Preis bekommt. Mit den Dschungel und leichtgläubigen Touristen lässt sich hier ein schneller Soles machen.

 

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Lima, Tag 30

Heute gehen wir auf Tablet-Suche und versuchen, eins für einen anständigen Preis zu finden. E-Book-Reader gibt es ja wie erwähnt nicht, weil Bücher hier eher unpopulär sind. Mir fällt auf, dass ich hier noch nie jemanden ein Buch habe lesen sehen. Das liegt auch daran, dass es in Peru oder in ganz Iberoamerika überhaupt kaum Verlage gibt. Die spanischen Bücher, die man hier kaufen kann, werden meist auch in Spanien verlegt. Außerdem blinkt und leuchtet ein E-Book-Reader natürlich nicht so schön wie ein Tablet.

In Miraflores gibt ein Gebäude, das Compu-World heißt und in dem es viele kleine Computerläden gibt. Dort wird vornehmlich Importware verkauft, vermutlich ohne Zollgebühren. Wir fragen nach meinem Wunschtablet, doch der Preis für das Vorgängermodell ist nahezu der gleich wie für das aktuelle. Wir gehen zum Kaufhaus Saga Falabella, das in etwa Galeria Kaufhof entspricht. Dort stimmt der Preis. Eine Zusatzgarantie, die international gültig ist, kostet allerdings 200 Soles extra und ich verzichte dankend. Wenn es kaputt geht, dann ist es halt kaputt. Zurückbringen innerhalb von einer Woche kann ich es ja hoffentlich noch.

Es geht durch den dichten Verkehr, der ausgesprochen erträglich ist, denn es wird wenig gehupt. Auch deshalb, weil überall Verkehrsschilder mit einer durchgestrichenen Hupe und der Aufschrift „Silencio“ stehen. Es gibt auch kein Gelb an der Ampel, stattdessen steht die verbleibende Zeit in der Mitte der Ampel, bis Rot oder Grün ist. Die Peruaner in Miraflores sind in einem Punkt sogar noch genauer als die Deutschen. Nachts werden die Fahrbahnen sogar mit LEDs beleuchtet.

Ich bin ja noch krank, brauche Ruhe und hab dann noch mein Tablet zum Spielen im Hostel.

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Lima, Tag 29

Ich habe jetzt eine Nasennebenhöhlenentzündung, die bakteriell verursacht ist. Es drückt in den Nebenhöhlen und ich fühle mich hundeelend. Widerwillig gehe ich frühstücken, immerhin gibt es dort Tee.

Am Frühstückstisch sitzen zwei kleine dicke Männer, die mit ihren Smartphones herumspielen. Durch den hohen Tisch und die niedrigen Stühle sehen sie aus wie Kinder mit ihrem Lieblingsspielzeug. Später gehen sie nach draußen und wir können sie durch das Fenster sehen, wie sie versuchen, ein Motorrad zu reparieren, aber dabei immer wieder von ihrem Schlaufon verführt werden. Selten so etwas Lächerliches gesehen.

Der Himmel ist wie zu erwarten grau und es gibt einen ganz, ganz feinen Nieselregen. Wir werden in Miraflores nach einem Kindle oder etwas ähnlichem suchen.

Wir schauen in zwei Kaufhäusern und einem Gebäude, in dem viele kleine Computerläden gibt. Doch keine Spur von E-Book-Readern und wenn wir die Verkäufer danach fragen, gucken sie uns an, als wollten wir einen 3D-Drucker kaufen. Also werde ich mir, wenn ich mich auf den künftigen Busfahrten nicht zu Tode langweilen will, doch ein Tablet zu legen.

Es gibt viele Weiße in Miraflores und auch die entsprechenden obligatorischen Gewerbeeinheiten: McDonald’s, Burger King, Dunkin Donuts und andere. Bei letzterem gönnen wir uns ein paar Donuts. Céline steht Ewigkeiten in der Schlange. Irgendwie kommen die Peruaner nicht mit dem Kassen- und Abrechnungssystem zu recht. Ich trinke einen Tee, zu dessen Pappbecher es einen patentierten Pappring gibt, damit man sich nicht verbrüht. In den USA kann man sogar ein Stück Wellpappe patentieren lassen. Verrückt.

Zurück im Hotel, schlafe ich bis abends. Um 20 Uhr sind wir bei Marcos Familie zum Essen eingeladen. Wir fahren mit dem Bus in den Stadtteil Jesus Maria, wo die Familie wohnt.

Im Bus treffen wir Daniel, einen netten Peruaner, der auch ein bisschen deutsch kann, weil er in Berlin studieren möchte und deshalb Kurse am Goethe-Institut besucht hat. Wir steigen mit ihm zusammen aus und plaudern ein bisschen. Er zeigt uns die Richtung des Häuserblocks, in der Marcos Familie wohnt. Es ist eine moderne, gut bürgerliche Wohngegend.Die Gebäude wurden in den Siebzigern als sozialistisches Vorzeigeprojekt gebaut und haben zwischen 10 und 12 Stockwerke. Es erinnert ein bisschen an Marzahn, nur wohnlicher und wärmer.

Wir müssen aber noch ein bisschen selber suchen, denn das Hausnummernsystem ist hier gelinde gesagt etwas unintuitiv und auf den Klingelschildern stehen keine Namen, sondern nur die Nummern der Apartments. Zum Glück kann der Parkplatzwächter uns weiterhelfen.

Wir werden fündig, klingeln und werden freundlich begrüßt. Liz, die Tante von Marco, hat extra einen Kuchen gebacken, auf dem „Bienvenido Céline“ in Zuckerguss geschrieben ist. Ihre Tochter heißt wegen Céline auch Céline. Sie ist zehn Jahre alt. Céline war vor 10 Jahren das letzte mal bei ihnen in Peru zu Gast, zu dem Zeitpunkt war Marcos Tante schwanger. Marcos Oma, sein Onkel, seine drei Nichten sind auch da. Wenig später kommen ein anderer Onkel und Tante. Es ist also eine große Runde, denn die Familien sind sehr groß in Peru. Marcos Oma, die Puerto Moldonado aufgewachsen ist, einer damals per Landweg nicht erreichbaren Stadt im Dschungel, hat insgesamt 8 Kinder und 20 Enkelkinder.

Sprachlich wird es für mich diesmal eine Herausforderung, denn ich kann nur zwischen Spanisch und Französisch wählen. Marcos Oma, die nur Spanisch spricht, verstehe ich gut, denn sie redet sehr langsam. Zum Trinken gibt es Chilcano, einem Cocktail aus Pisco (einem Branntwein), mit Ingwer und viel Limette.

Wir bleiben bis halb zwölf und Marcos Onkel Uto fährt uns zu unserem Hostel.

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