Huaraz, Tag 25

Wir kommen morgens um fünf, eine Stunde früher als geplant im Dunkeln in Huaraz an. Es sind hier etwa 10°C um diese Uhrzeit. Zum Glück hat die Rezeption am Hostel schon geöffnet und wir können auch schon in unser Zimmer.

Die Stadt Huaraz hat etwa 100,000 Einwohner und wurde 1970 von einem Erdbeben fast komplett zerstört. Das alte Huaraz soll mit seinen Kolonialstilhäusern ein ähnliches Flair wie Cajamarca gehabt haben, doch nun prägern vornehmlich rechteckige, unverputzte, lieblose Backsteinhäuser das Stadtbild. Was uns auch schon in den anderen Städten in denen wir waren aufgefallen ist, ist das diese Häuser scheinbar nicht zu Ende gebaut wurden, weil die Stahlstangen noch aus dem Beton herausragen. Vermutlich will man damit sicherstellen, dass man bei Bedarf noch weitere Stockwerke aufsetzen kann. Ob das die Statik mitmacht ist meist fraglich, denn meistens sind es nur eine Schicht Backsteine, mit Stahlbetonpfählen an den Ecken. Außerdem ist es alles andere als ästhetisch.

Die gesamte Berg- und Küstenregion in Peru ist häufig von Erdbeben betroffen, da sich an der Küche die vollständig vom Ozean bedeckte Nazca-Platte unter die südamerikanische Platte schiebt.

Dieser Prozess hat auch das gesamte Hochgebirge geformt; die höchsten Berge sind über 6000m hoch. Erst vor einer Woche gab es in Ica ein Erdbeben. Auch die Küstenstadt Pisco ist für zehn Jahren fast vollständig von einem Erdbeben zerstört worden. Durch das Aufeinandertreffen der beiden Kontinentalplatten ist die Region auch vulkanisch sehr aktiv.

Nach dem Stromausfall im ganzen Stadtteil (wodurch die Fußballfans das Spiel Deutschland gegen USA nicht sehen konnten), kaufen wir noch Proviant in einem kleinen Supermarkt für die morgige Tour. Wir kaufen uns Sandwichbrot, Kekse und zwei Flaschen Wasser. Kohlensäurehaltiges Wasser gibt es in Peru kaum zu kaufen, immer nur stilles. Es gibt mehrere Anbieter, am häufigsten ist San Luís, eine peruanische Tochter von Coca-Cola anzutreffen. Dieses Wasser schmeckt in etwa so, wie wenn man aus Bonaqa die Kohlensäure rausschüttelt, es dann drei Tage stehenlässt und anschließend mit Desinfektionsmittel behandelt. Das Coca-Cola es schafft, selbst Wasser ekelhaft schmecken zu lassen, ist durchaus bemerkenswert.

Die Kassiererinnen tragen alle die gleiche Kleidung: Die gleiche weiße Bluse mit rotem Vestover, dazu den gleichen roten Dutt und sogar den gleichen roten Lidschatten. Das hätte ich in Nordkorea erwartet, aber da gibt es ja wahrscheinlich keine Supermärkte.

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