Ollantaytambo, Tag 43

Als erstes beschweren wir uns an der Rezeption über das Zimmer und die verplante Reservierung. Der Typ ist etwas uneinsichtig und meint, es gäbe Warmwasser. Man müsse nur den Hahn vollaufdrehen und das Wasser fünf Minuten laufen lassen. Was für eine Verschwendung. Wir einigen uns am Ende auf 50 statt 60 Soles. Wir frühstücken woanders in einen kleinen, gemütlichen Café.

Dann kaufen wir uns um in die Festung von Ollanta zu kommen, ein Boleto Touristico, das es wie erwähnt für zwei oder zehn Tage gibt. Weil ich über 25 bin, bekomme ich keinen Studentenrabatt mehr und wir entscheiden uns für das Zweitagesticket mit dem man sich vier Sehenwürdigkeiten anschauen kann.


Die Festung von Ollantaytambo wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Die terrassenartig angelegten Mauern erheben sich etwa 60m über dem Dorf und sind über eine endlos hohe Treppe erreichbar. Die hohen Mauern, von denen die Inkas mit Pfeil und Bogen schießen konnten, machten das Einnehmen der Festung für die Spanier unmöglich. Die Riesensteinblöcke halten Erdbeben stand, während die viel filigraneren Kolonialstilbauten der Spanier in Cusco Schäden davontrugen.

Auf dem Rückweg nach Cusco fährt der Fahrer des Minibusses wie ein Irrer über die Geschwindigkeitshuckel, die an jedem Ortseingang die Autofahrer zum Abbremsen zwingen soll. Bei unserem Minibus brechen jedes Mal fast die Achsen.

Das Boleto für zwei Tage war eine Milchmädchenrechnung, denn man kann nicht zu vier beliebigen, sondern nur zu den vier Stätten, die auf dem Boleto abgedruckt sind. Eigentlich wollte ich die Inka-Ruinen, die sich in der Nähe von Cusco befinden besichtigen, aber sei‘s drum.

Also fahren wir als erstes nach Chinchero, einem hübschen Dorf, in dem es die typischen Inka-Mauern und eine von den Spaniern errichtete Kirche zu sehen gibt. Die Fahrt dorthin dauert etwa eine dreiviertel Stunde. Vor mir sitzt eine alte Frau mit grauem Star auf einem Auge.

Nach dem Aussteigen aus dem Bus müssen wir noch ein kleines Stück den Berg hochlaufen und unser Boleto vorzeigen. Man hat einen tollen Ausblick auf die umliegenden Berge. Ein kleiner Junge kommt auf uns zugerannt. Er heißt Lukas und hat das Downsyndrom. Er betatscht uns mit seinem klebrigen Händen und zerrt an unserer Kleidung. Meinen Fotoapparat findet er besonders interessant. Vor allem, als ich ein Foto von ihm mache und er sich selbst auf dem Display sehen kann; dann jauchzt er laut. Seine Mutter meint, dass er möchte, dass wir uns hinsetzen. Zehn Meter von der Bank auf der wir sitzen, ist ein Stand mit Snacks. Wir bemerken, dass die Mutter ihren behinderten Sohn nur benutzt hat, um uns ein paar Getränke und Schokoriegel zu verkaufen.

An den orange-bräunlichen Inka-Mauern, die die Terrassen begrenzen und deren Steine akkurat übereinander gestapelt sind, gibt es ein paar Indigenes, die gerade Kartoffel stampfen und in der Sonne trocknen, um sie zu konservieren. Céline unterhält sich angeregt mit einem der Arbeiter, es wird gelacht. Auf Quechua fällt das Wort „Gringa“, aber die Indianerin meint es glaube ich eher scherzhaft.

Auf dem hinteren Gelände gibt es auch eine Eselfamilie mit einem kleinen Babyesel, der sich gerne sein weiches Fell streicheln lässt. Auf den oberen Terrassen verkaufen Indigenas Pullover, Decken und Mützen aus Alpaca-Wolle.

Wir kaufen bei einer Frau eine schöne warme Wolldecke. Wir handeln den Preis auf 70 Soles, doch trotzdem haben wir am Ende kein Geld mehr für den Bus zurück nach Cusco. Einen Geldautomaten gibt es in diesem Kaff nicht. Wir finden einen Bus, doch Céline muss in Cusco nach dem Aussteigen zum Geldautomaten, dann in irgendeinem Geschäft etwas kaufen, um Wechselgeld zu bekommen (was in Peru irgendwie immer knapp ist) und dann dem Busfahrer das Fahrgeld geben. Ich warte währenddessen am Bus.

Anschließend gehen wir in Supermarkt, um die Zutaten für das Abendessen zu kaufen. Die Supermarktkette heißt genau wie das Erotikversandhaus Orion und das Logo sieht auch fast genauso aus. Strapse und Dildos gibts hier aber keine, auch nicht auf Bestellung.

Als wir Tür zu unserem Zimmer aufschließen wollen, bricht Céline der Schlüssel im Schloss ab. Ich kann den Schlüsselbart herausziehen, doch das Schloss klemmt trotzdem. Mit einem anderen Schlüssel und etwas Hilfe vom Hostelpersonal lässt sich die Tür aber dann doch öffnen.

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