Planetarium Cusco, Tag 46

Am Nachmittag ist der Himmel bewölkt, doch im Laufe des Abends klart der Himmel auf und wir können später beim Planetarium die Sterne mit dem Teleskop beobachten. Moment, die Sterne im Planetarium mit dem Teleskop beobachten? Das bedarf einer längeren Erklärung.

Es gehört zum Programm wenn man wie wir heute Abend das Planetarium in Cusco besucht. In der Altstadt Cusco werden um 17:45 mit dem Minibus abgeholt. Carmen, eine junge Peruanerin macht die englische Führung, ihr Onkel Alcides die spanische. Wir nehmen zusammen mit etwa zehn bis zwölf anderen an der englischen Führung Teil. Doch erstmal geht es stadtauswärts, an den historischen Mauern von Saksayhan vorbei, im Dunkeln eine steile Straße hinauf. Von hier oben sieht man die Lichter der Stadt, die fast aussehen wie Sterne.

Auf dem Gelände des Planetariums ist es stockdunkel; gut, dass wir unsere Stirnlampen mitgenommen haben, sonst packt man bei den Treppen sich auf die Nase. Drinnen im Planetariumsvorraum bekommen wir für die Präsentation von Carmen Decken, weil nachts die Temperaturen auf 0°C sinken. Carmen hält einen sehr schönen, lebendigen Vortrag über die historische Himmelsbeobachtung der Inkas. Amüsanterweise bezeichnet sie die Invasion der Spanier als „kulturelle Unterbrechung“ und sieht sich selbst als Nachfahre der Inkas. Doch um auf das Thema Himmelsbeobachtung zu kommen muss sie etwas weit ausholen.

Nur 4% der Fläche des Landes von Peru sind fruchtbar. Daher die vielen Terrassenbauten an den Berghängen. Außerdem kann man die Feldfrüchte entsprechend züchten, so dass sie den extremen Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages und den extremen Niederschlagsschwankungen innerhalb eines Jahres standhalten. Es gibt viele Mikroklimas in Peru, hinzukommt das El Niño-Phänomen, das sich in den letzten Jahren durch die globale Erwärmung verstärkt hat. Daher sind die hiesigen Feldfrüchte, die die Spanier mit nach Europa sind extrem wiederstandsfähig. Eine davon ist von deutschen Tellern und als Stärkelieferant für ein gewisses russisches Nationalgetränk kaum wegzudenken: Die Kartoffel.

Kurzum, damit die vielen Bewohner des Inka-Reiches ausreichend mit Nahrung versorgt werden konnten, musste man das Wetter und deshalb auch den Himmel genaustens studieren, um den Ernteertrag zu maximieren. Man braucht einen Kalender und dieser offenbart sich am Nachthimmel. Die Präsentation dreht sich hauptsächlich um Sternbilder, die aber eigentlich keinen wissenschaftlichen Wert besitzen, sondern eher historischen Wert haben. Aber das ist auch interessant, denn die Inka hatten wie die Griechen ihre eigenen Sternbilder und damit verbundene Erzählungen. Durch die südliche Lage leuchten hier andere Sterne am Himmel als in der nördlichen Hemissphäre, doch manche Sternbilder des Nordens wie der Große Wagen sind auch hier (leicht gedreht) in den frühen Abend- und Morgenstunden sichtbar.

Die südliche Lage bedingt auch, dass die Milchstraße in aller Klarheit sich über dem Firmament erstreckt. In den Formen der Dunkelwolken der Galaxis erfanden die Inkas eigene Figuren, wie den Frosch, den Fuchs oder das Lama.

Manche Sternbilder und deren Legenden sind mit der Agrarkultur assoziert. Eine Legende zum Beispiel, nach der ein Greis, Pflanzensamen mitgebracht haben soll, die sich in Form der Myriaden Sterne der Milchstraße am Himmel verewigt haben.

Nach dem Vortrag gehen wir in die winzige Kuppel, die einen Durchmesser von etwa drei Metern besitzt. Auch hier drin ist es kalt, aber können unsere Decken mitnehmen. Das Equipment des Planetariums mutet prähistorisch an, aber das Planetarium ist privat, ein Familienbetrieb und erhält keine staatliche Unterstützung.

Es besteht aus zwei dreh- und schwenkbaren Metallzylindern in denen sich jeweils eine Glühbirne befinden. Auf dem einen Zylinder sind Löcher für die Sterne des Firmaments an den entsprechenden Positionen einbohrt, in den zweite Zylinder sind die Sternbilder eingraviert. Im Prinzip können so nur zwei Bilder an die Kuppel projiziert werden; Sterne mit oder ohne Sternbildmarkierungen.

Carmen erklärt uns den Sternhimmel des Südens und wie man sich auf ihm zurechtfinden kann. Der Polarstern ist nicht sichtbar und einen Südstern gibt es nicht, deshalb muss man vom Kreuz des Süden 4,5 Schritte der Längsachse des Kreuzes in Richtung Süden gehen, um den Südpol zu finden. Leider ist, wie die Ausstattung vermuten lässt, der Eindruck des Sternenhimmels entsprechend unscharf und die Sterne besitzen alle die gleiche Farbe, was die Orientierung erschwert. Für die weitere Präsentation steht ein kleiner Digitalprojektor bereit, mit dem man Powerpoint-Präsentationen zeigen kann.

Nach der Präsentation in der Kuppel geht es dann endlich raus zum Nachthimmel, der zum Glück fast klar geblieben ist, nur ein paar Schleierwolken trüben die Sicht. Die Leute vom Planetarium haben zwei Teleskope aufgestellt. Weil zwischenzeitlich noch kälter geworden ist, wird uns allen Tee zum Aufwärmen angeboten. Gandalf, der weiße Planetariumshund schleicht im Dunkeln um uns herum.

Durch das Teleskop sehen wir das der Sonne nächste Doppelsternsystem Alpha Centauri A und B getrennt. Dann den majestätischen Saturn mit seinem gigantischen Ringsystem und seinem Mond Titan, der als kleiner orangener Punkt zu sehen ist. Ebenfalls imposant ist ein offener Sternhaufen und einen Kugelsternhaufen mit über einer Millionen Sternen im Sternbild Zentaur. Der Mars ist als rötliche Scheibe sichtbar, er ist zur Zeit weit von der Erde entfernt, um dort Oberflächendetails erkennen zu können.

Dann wird es draußen zu kalt, die Sternegucksitzung ist vorrüber und wir verabschieden uns. Die Leute sind superlieb und durch die Teleskope und das Beobachten des Nachthimmel war der Besuch jeden Soles wert, doch die magere Ausstattung der Kuppel hinterlässt nur einen bemitleidenswerten Eindruck. Ich wünschte, es gäbe eine freie Planetariumssoftware, mit der man solche kleine Kuppel mit wenigen Projektoren kalibrieren und bespielen kann.

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One Response to Planetarium Cusco, Tag 46

  1. Caren Lichtpiraten says:

    hast Du schon mal von OMNIDOME gehört? soll ganz einfach sein…
    wir freuen uns schon, wenn Du wieder da bist
    lg aus Berlin von Christian & Caren

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