Moray, Tag 47

Bevor wir Cusco verlassen, fahren wir noch nach Moray, einer Experimentstätte der Inka. Dafür muss zu erst mit dem Bus nach Maras, einem Kaff mitten im Nirgendwo. Als wir dort ankommen, wartet ein Taxifahrer auf Fahrgäste in dessen Combi aber schon sechs Leute sitzen: Mutter mit Kind im Kofferraum, vier Leute auf der Rückbank und zwei auf dem Beifahrersitz.

Die meisten Leute steigen aber im nahegelegenden Dorf wieder aus und wir fahren mit dem Taxifahrer alleine nach Moray. Der Taxifahrer wartet dort auf uns und bringt uns später wieder nach Maras zurück.

Er ist sehr gesprächig und fragt woher wir kommen. Dass es nach der Beantwortung der Frage um Fußball geht, war irgendwie vorprogrammiert. Doch dann fragt er, ob es viele Volkswagen in Deutschland gibt und weil er einen Toyota fährt, fragt er uns ob es auch viele Toyatas in Deutschland gibt. Er denkt, Toyota sei ein deutsches Auto, weil Toyatas wie die Volkswagen Käfer ja in Brasilien produziert werden. Auf die Logik muss man erstmal kommen.

Der Versuchsaufbau von Moray umfasst drei Rondelle, die zwischen 30 und 80m im Durchmesser aufweisen und terrassenförmig angelegt sind. Leider darf man im besterhaltendsten Rondell nicht nach unten, weil es wegen Restaurationsarbeiten vorrübergehend gesperrt wurde.

In dieser Stätte wurde untersucht, wie Pflanzen in unterschiedlicher Höhe und unterschiedlichem Boden wachsen, um den Ernteertrag zu maximieren und möglichst viele Leute mit Nahrung versorgen zu können. Diese Vorgehensweise Annahme – Experiment – Schlussfolgerung entspricht dem Denken der Aufklärung im Europa des 18. Jahrhundert.

Nach der selben Vorgehensweise arbeiten auch die modernen Naturwissenschaften. Die Erkenntnis kommt nicht durch Wunder oder durch Anbeten irgendwelcher Gottheiten, sondern durch Köpfchen anstrengen und ausprobieren. Damit waren die Inkas den Spaniern zwei Jahrhundert Jahre im Denken voraus.
Nach dem uns der Taxifahrer wieder zurück gefahren hat, warten wir an einer verlassenen Straße auf eine Mitfahrgelegenheit und sind am Ende wieder zu sechst im Combi.

In Cusco schauen wir uns eine Fotoausstellung von alten Schwarzweißaufnahmen von Machu Picchu an. Besondern interessant sind die Bilder kurz nach der Wiederentdeckung, wie feine Herren in Sakkos auf den Steinen posieren, die durch und durch mit Gras zugewachsen sind.

Bevor wir mit dem Nachtbus nach Arequipa fahren, gehen wir noch zum Markt und wir ärgern uns, dass wir ihn nicht schon eher besucht haben, denn erst sehr gut organisiert, man bekommt preiswertes Essen und sieht interessant Menschen.

Hinter dem Eingang warten zwanzig Frauen an zwanzig Obstständen darauf, uns einen Jugo machen zu können und uns ihre Saftkarten in die Hand drücken. Bei soviel Auswahl probieren wir zwei Stände aus. Wir gehen ein Stück weiter, wo eine Indianer-Schönheit sich neben einem Stand versteckt und eine alte Albino-Indianerin mit weißen langen Haaren verkauft Gemüse. Ein weiteres Stück finden wir ein gutes Almuerzo mit Linsen, Reis und Salat. Neben uns sitzt ein Typ mit US-Army-Camouflage-Kappe auf die ein gelbes Hakenkreuz gestickt ist. Ist das ein Kapitalisten-Nazi?

Cusco ist wirklich eine wunderbare Stadt, in der man bestimmt noch ein oder zwei Wochen hätte bleiben können und man hätte immer noch nicht alle Vermächtnisse der Inkas und Spanier gesehen. Doch wir sehnen uns auch nach ein bisschen Natur, deshalb geht die nächste Station unserer Reise ins Canyonland nach Arequipa, wo wir eine dreitägige Trekking-Tour machen werden.

 

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