Colca Canyon, Tag 49

Der Bus zum Canyon steht vor unserem Hostel, doch um halb vier schläft der alte Mann mit dem Raucherhusten an der Rezeption schnarchend auf der Couch. Wir müssen ihn wecken, dass er die Tür aufschließt, denn sonst können wir nicht raus. Schlaftrunken rappelt er sich auf, findet treffsicher Schlüssel und Schloss und lässt uns in den Bus einsteigen. Mit dem Bus sammeln wir unterwegs weitere Leute aus anderen Hostels ein.

Wir fahren bergauf, deshalb sinken die ohnehin schon niedrigen morgendlichen Temperaturen. Wir bekommen Wolldecken, frieren aber trotzdem, besonders die Leute, die einen Fensterplatz haben. Denn fehlenden Schlaf kann man so kaum nachholen.

Im Morgengrauen kommen wir in einem kleinen Dorf an, wo es in einem Raum für uns alle Frühstück gibt. Alle aus unserer Gruppe sind noch zu verschlafen und sind nicht sehr gesprächig, ganz im Gegensatz zu ein paar Franzosen am Nebentisch.

Unsere Gruppe besteht aus drei Niederländern, zwei Iren, drei Spaniern, einer Deutschen (die aber peruanische Eltern hat), einer Peruanerin uns. Insgesamt wird es also ziemlich europäisch.

Während es mit dem Bus weitergeht, stellt sich unser Guide vor. Er heißt Marcus, sseine schwarzen, strähnigen, glatten Haare, die bis auf Höhe des Mundes reichen, hängen ihm im Gesicht, um seinen Silberblick zu kaschieren. Mit seiner dunkelgetönten Pilotenbrille sieht er aus wie Michael Jackson. So stellt er sich als Scherz auch vor, als Marcus Jackson. Jemand mit soviel Selbstironie muss einfach sympatisch sein.

Wir halten am Mirador del Condor, einem Teil des Canyon, an dem, wie der Name vermuten lässt, viele Kondore kreisen. Dort können wir 40 Minuten die Flugkünste dieser Greifvögel beschauen. Manchmal kreisen bis zu sechs Kondore über uns. Ein Kondor kann bis zu 90 Jahre alt werden, hat eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern und ist bis zu 15kg schwer.

Der Colca Canyon ist mit 4200m der zweittiefste der Welt. Der Grand Canyon in Nordamerika ist “nur” 1800m tief. Bevor wie den Canyon 1000m hinabsteigen, legen wir zur Motivation im Kreis stehend die Hände übereinander und rufen auf Quechua “Jacucho”, was soviel wie “Los gehts!” bedeutet. Die Wanderung dauert etwa vier Stunden.

Die Landschaft ist karg und die Wege staubig. Doch im Tal ist der Boden fruchtbar und es gibt grüne Flecken. Der Weg hinunter liegt in der prallen Sonne und ich bekomme fast einen Sonnenstich. Im Tal an der Brücke, die über den Fluss führt, bin ich K.O., doch zum Glück gibt es dort Schatten. Danach geht es nur eine kleine Strecke hinauf in das Dorf San Juan, wo wir übernachten werden. In San Juan leben 80 Einwohner und es gibt eine kleine Schule für drei Kinder.

Es gibt nur eine warme Dusche, doch zum Glück ist es noch warm draußen und ich nehme die kalte Dusche. Wir könnten mit Marcus noch hinauf zum anderen Dorf laufen, doch alle aus der Gruppe sind zu erschöpft und gehen erstmal schlafen vor dem Abendessen.

Die Gruppe ist im Laufe der Wanderung zum Glück gesprächiger geworden und am Abendessen unterhalten wir uns über unsere bisherigen Erlebnisse, denn die anderen haben meist auch schon eine längere Reise hinter sich. Lustigerweise können die Leute, die in meiner Nähe am Tisch sitzen alle Deutsch, deshalb kann ich ausnahmsweise mal auf Fremdsprachen verzichten.

Bevor wir schlafen gehen, gibt es noch einen ungebetenen Gast in unserem Zimmer: Ein Skorpion. Das etwa sechs Zentimeter große Tier, das etwa ein Meter über meinem Bett lauert, mache ich mit meinem Schuh platt. Klappe zu, Affe tot.

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