Colca Canyon, Tag 50

Um acht Uhr nach dem Frühstück brechen wir auf, verlassen San Juan und wandern an den Aquädukten vorbei zum nächsten Dorf. Wir gehen an einer Schlucht vorbei, an dem gerade eine Zufahrtsstraße für eine Goldmine gebaut wird. Dafür wird Dynamit benutzt. Dadurch rumst es kräftig und es gibt riesige Staubwolken, so groß wie die Dörfer im Tal.

Wie unser Dschungelführer Pecho macht Marcus an jeder zweiten Pflanze halt und erklärt uns deren Nutzen. Wie auch im Dschungel, dienen die meisten Pflanzen als Heilpflanzen. Zum Beispiel Moya, rotem Pfeffer, dass erstens gut gegen Muskelkrämpfe, zweitens Bauchschmerzen und drittens gut gegen die Höhenkrankheit ist. Und viertens brennt es gut (ein Witz von Marcus).

Die Blätter der meisten Heilpflanzen schmeißt man in kochendes Wasser und trinkt das Gebräu dann. Das soll immer gut für die Verdauung und gegen Magenschmerzen sein. Vielleicht ist auch einfach das heiße Wasser und der Placebo-Effekt, die sich beruhigend auf den Magen auswirken.

Im Canyon gibt es viele Kakteen, die früher vor allem wegen der blutroten Farbe begehrt waren. Bevor künstliche Farben flächendeckend verfügbar waren, konnte man ein Pfund getrocknete Kakteenblätter für bis zu 80 Soles verkaufen und um die Kakteen wurde gekämpft. Heute ist das Sammeln nicht mehr lukrativ.

Weiter am Aquädukt vorbei, laufen wir den Hang hinauf, wo es ein kleines Geschäft gibt. Ein kleiner Junge, der etwa acht Jahre alt ist, fühlt sich als Verkäufer berufen und erklärt den Touristen eifrig die Preise. Sein Vater ist etwas genervt davon.

Eine kleine Katze schleicht herum, sie versteckt sich hinter einem Rucksack und wird von allen gestreichelt. Das Geschäft bietet auch etwas zu essen an, unter anderem Meerschweinchen, die im hinteren Teil gezüchtet werden. In einem anderen Bereich hängt Meerschweinchenfleisch in der Sonne zum Trocknen.

Wir marschieren weiter zum nächsten Dorf im Canyontal. Das Dorf ist etwa 200 Jahre alt und auf Adem Hauptplatz gibt es einmal im Jahr ein Fest mit Trachten und Tänzen. Die Trachten sind sehr teuer.

Der weitere Weg geht weiter hinab in zur Oase. Dort machen wir auch ein Gruppenfoto, Marcus benutzt dafür alle Kameras. Manche Teile dieser Strecke sind unbefestigt und man muss aufpassen, dass man nicht in die Tiefe fällt. Als wir endlich ankommen, springe ich gleich in den Pool.

Die Hütten der Unterkunft sind wie zuvor sehr spartanisch eingerichtet und das Bett ist komplett durchgelegen. Zum Dach hin sind die Wände offen, da kommt nachts allerlei Ungeziefer hereingekrochen.

Als es dunkel wird, sitzt unsere Wandergruppe zusammen am Tisch, wir trinken Bier und Cocktails, spielen Karten und unterhalten uns. Durch die klare Luft, den wolkenlosen Himmel und die fehlenden störenden Lichter der Stadt, funkeln die Sterne in alle Klarheit am Himmel und das Band der Milchstraße erstreckt sich über dem Firmament. Wir gehen früh ins Bett, denn morgen starten wir bereits um 4:20 Uhr mit dem Aufstieg aus dem Canyon.

This entry was posted in Reisen. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>