Guide of the Year, Tag 51

Alle sind noch ein bisschen müde, doch trotzdem bereit zum Losgehen. Marcus hat vor zwanzig Minuten bei allen an die Tür geklopft, damit keiner verschläft. Um 4:20 ist noch stockfinster, der Sternenhimmel scheint über uns. Zum ersten Mal sehe ich ein auf der Nordhalbkugel vertrautes Sternbild, den Orion, der allerlings auf die Seite gekippt ist.

Der Weg geht 1200m, also etwas mehr als der Brocken, nach oben. Wir schlürfen zunächst im Gänsemarsch mit unseren Stirnlampen bewaffnet gemächlich nach oben. Als es heller wird, kann jeder sein eigenes Tempo gehen.

Je weiter wir nach oben gehen, desto kälter wird es. Wir machen nur kurze Pause und laufen die meiste Zeit, um warm zu bleiben. Ein bisschen Proviant haben wir zum Glück noch. Zwei aus unserer Gruppe haben nicht genug Ausdauer und schaffen den Aufstieg nicht. Für die beiden muss Marcus zwei Canyontaxis (d.h. zwei Esel) organisieren, auf deren Rücken die beiden dann hochgetragen werden. Sie kommen etwa 45 Minuten später an. Der arme Marcus muss mit den schweren Rucksäcken der beiden hochlaufen und kommt völlig verschwitzt oben an. Dafür hat sicherlich den Orden “Guide of the Year” verdient.

Der Höhenunterschied von 1200m ist zwar doppelt so viel wie bei der Wanderung zur Laguna 69, doch es ist einfacher als gedacht. Zusammen mit Mar (einer Spanierin, die sehr gut deutsch spricht, weil sie drei Jahre in Deutschland gelebt hat) sind wir die ersten.

Danach gibt es im Dorf ein reichhaltiges Frühstück. Eine US-Amerikanerin am Nebentisch erzählt von ihrer Reise nach Irland und beschwert sich, dass sie dort niemanden verstehen konnte. Die beiden Irinnen aus unser Gruppe müssen schmunzeln und der Rest unserer fängt laut an zu lachen. Zwischenzeit trudeln auch unsere beiden Nachzügler ein.

Bevor es weitergeht, ruhen wir uns noch ein bisschen auf dem Hauptplatz des Dorfes aus, um den gerade eine Gruppe von Männern und Frauen musiziert und tanzt. Den Rest des Canyon-Ausflugs werden wir mit dem Bus herumgefahren, weite Strecke laufen müssen wir nicht mehr.

Zunächst geht es zu einem Aussichtspunkt mit Ausblick auf die Terassenfelder, die aus der Präinkazeit stammen und 1500 Jahre alt sind. Die Terrassen erstrecken sich hunderte Meter weit abwärts Richtung Fluss.

Danach geht es ins Thermalbad, aber Céline und ich haben irgendwie keine Lust und warten draußen. Anschließend gibt es Mittagessen, ein Buffet für schlappe 25 Soles pro Person. Clever einkalkuliert von der Agentur, dass wir das extra bezahlen müssen. Céline ärgert sich darüber.

Nach dem wir mittelmäßig und etwas überteuert verköstigt wurden, können wir einen neuen Höhenrekord brechen. Wir fahren zu einem Aussichtspunkt, der 4910m über dem Meeresspiegel liegt. Hier oben ist die Luft so dünn wo nie zuvor auf der Reise und es ist kalt und windig. Überall so weit das Auge reicht sind Steine zu Apachetas (Steinmännchen) zu sehen, die von den Bergbewohnern zu Ehren von Pachamama (Mutter Natur) aufgetürmt werden. Hier ist es so kalt, dass es entlang der Straße riesige gefrorene Eisblöcke zu sehen sind.

Die weitere Busfahrt führt durch eine schier endlose, karge Steppenlandschaft, in der es nur Gräser, Moose und Flechten zu geben scheint. Wir machen noch einen kurzen Halt, um den Herden von Lamas, die hier heimisch sind, einen Besuch abzustatten. Wir sind alle so müde und  die meisten im Bus schlafen und wollen von den Lamas nichts wissen.

Besonders Marcus ist nach dem 1200m-Aufstieg mit drei Rucksäcken am Ende und erzählt so gut wie nichts mehr. Der Arme muss sich mit einem Deutschen aus einer anderen Gruppe über Fußball unterhalten, was ihn so gut wie nicht interessiert, wie er betont. Das macht ihn nur noch sympatischer, wie ich finde.

In Arequipa, kurz vor dem Plaza de Armas trennen sich unsere Wege. Ein wirklich schöner Ausflug in die Natur mit dem inoffiziellen Guide of the Year, was will man mehr?

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