Eingesperrt in Arequipa, Tag 52

Heute treffen wir uns mit Mar und Rianna, die wir auf der Colca-Canyon-Tour kennengelernt haben, um auf den den Markt zu gehen. Mar kommt aus Barcelona und Rianna aus Amsterdam. Ein Engländer und eine Französin kommen auch noch mit. Damit sind wir eine europäische Runde aus sechs Leute und sechs Ländern.

Am Eingang von jedem Markt befindet sich ein Glaskasten in dem eine Jesus-Figur aufgestellt ist, davor stehen reihenweise Blumen. Eine Frau bekreuzigt sich und verbeugt sich fromm. Im Markt trinke ich den Jugo Especial Completa, mit Schwarzbier, Algarrobina, Milch und Gott weiß was sonst noch. Die Jugo-Frau am Stand kippt alles rein. Schmeckt interessant, aber nicht wie ein Jugo, sondern eher wie ein Proteinshake.
Vor den Saftständen, befindet sich ein Stand an dem ein paar Eselhoden zum Verkauf angeboten werden. Da sind bestimmt auch viele Proteine drin.

Dann wir nach Yanahuara, von wo man einen tollen Blick über die Stadt zusammen mit dem 5800m hohen, kegelförmigen Wahrzeichenvulkan Misti hat. Der Vulkan ist aktiv, wird von der Bevölkerung als schlafend beurteilt. Im Falle des ausbruchs hat man etwa eine halbe Minute, um vor dem Ascheregen in einem Gebäude Schutz zu suchen. Evakuierungspläne gibt es aber keine. In den Gebäuden gibt es allerdings Notfallbeleuchtung im Falle eines Erdbebens. Das erinnert mich irgendwie an diese Trillerpfeifen, die an den Schwimmwesten in Flugzeugen angebracht sind, um auf sich aufmerksam zu machen. Wir essen etwas in einer Picanteria (den typischen Restaurant in Arequipa) und später treffen wir uns mit Mar und der Französin auf ein Bierchen.

Doch bevor wir zum Treffpunkt kommen können, müssen wir es erstmal aus dem Hostel schaffen. Der alte Mann mit dem Raucherhusten ist gerade Zigarettenholen und hat uns eingeschlossen. Einen Schlüssel für die Haustür haben wir nicht. Und so stehen wir drei Französinnen, die herein wollen und einer mit einem Vorhängeschloss abgeriegelten Gittertür gegen gegenüber. Außerdem müssen wir noch unsere Wäsche holen, bevor die Wäscherei zumacht und wir morgen früh weiterfahren, sonst haben wir nichts zum Anziehen.

Der alte Mann kommt zurück mit einem Plastikbeutel, ein Paar Kippen und einer großen Portion von schlechtem Gewissen. Wir weisen ihn darauf hin, dass es im Falle eines Feuers oder Notfalls die Schlüsselsituation äußerst ungünstig ist. Aber er meint, das würde nicht passieren. Aber wenn es passiert, ist das Geschrei groß. Ich hatte ja gerade über Erdbeben, Vulkanausbrüche und Evakuierungen geschrieben. Angesichts dessen will ich mir gar nicht vorstellen, wie viele Menschenleben eine Naturkatastrophe aufgrund ungenügender Sicherheitsvorkehrungen hier kosten wurde.

Wir sind spät dran und rennen zum Plaza de Armas. Zum Glück schaffen wir es noch rechtzeitig um uns mit Mar und Hermine zu treffen.

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