Fahrt nach La Paz, Tag 58

Auf der gesamten Insel ist Stromausfall. Jetzt muss ich mich wohl doch wohl oder über kalt duschen. Wir verabschieden uns von unserer Gastfamilie deren kleine Tochter uns gut unterhalten hat. Die Rucksäcke müssen wir diesmal den Berg hinuntertragen, was etwas einfacher ist.

Wir stehen vor dem Boot mit dem Gepäck auf dem Rücken vor dem Boot und die Bootsführer kommen nicht aus dem Knick. Das Boot muss auch noch aufgetankt werden. Nach der Fahrt in einem komplett überfüllten Boot sind wir, mit etwas Verspätung um 10:30 zurück in Copacabana.

Unser Bus nach La Paz fährt um 13:00 Uhr. Nach einer Stunde Fahrt müssen wir aussteigen, um den Titicaca-See mit der Fähre zu überqueren. Also eigentlich kommen die Busse auf die Fähre, ein Holzboot mit großer Fläche auf die genau ein Bus Platz findet. Wir steigen in ein kleineres Boot ein. So klein, dass es trotz des niedrigen Wellengang im Wasser hin- und herschaukelt. Ein paar Franzosen auf der Isla del Sol hatte uns erzählt, dass es ein Leck im Boot gab, auf halber Strecke Wasser eintrat, zwei weitere Boot kommen und mitten auf dem See das Boot wechseln mussten. Die Schwimmwesten reichten auch nicht für alle Passagiere. Das hatte wohl auch noch ein Nachspiel mit der Polizei. Wir fühlen uns derweil wie Flüchtlinge nach Lampedusa.

Als wir am anderen Ufer ankommen, bin ich ziemlich genervt und spiele das Warum-Spiel aus deutscher Ingenieurssicht. Warum baut man nicht einfach eine Brücke?
Warum nimmt man zur Überfahrt die kleinsten Boote mit der größten Anzahl von Leuten? Gibt es hier Sicherheitsstandards? Aber ich habe vergessen, dass wir uns hier in einem der ärmsten Länder Südamerikas befinden. Und am Ende ist ja alles gut gegangen.

Die weitere Fahrt geht durchs Altiplano. Vereinzelt gibt es Häuser und Hütten in der Hochebene, in der Ferne blickt man auf schneebedeckte Berge. Die Wolken werden mehr und es fängt an zu regnen. Also wir in El Alto, der Vorstadt von La Paz, eintreffen schneit es sogar. El Alto ist die ärmste Stadt Bolivien und eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Sämtliche Häuser sind unverputzt, unfertig und ziegelrot. Das liegt daran, dass man für unfertige Häuser weniger Steuern zahlen muss. Trotzdem leben Menschen darin und die meisten Zimmer sind bewohnt. Die Menschen, die nach El Alto ziehen, kommen meist von ärmeren ländlicheren Regionen, die sich in der Stadt ein besseres Leben erhoffen. Schätzungsweise 88% der Bewohner El Altos sind Analphabeten, doch es gibt zahlreiche Programme der Regierung zur Alphabetisierung. Durch das schnelle Wachstum von El Alto ist es mit La Paz fast zusammengewachsen, jedoch besteht zwische beiden Stadtzentren ein Höhenunterschied von etwa 800m. Dadurch ist es in El Alto bis zu 10°C kälter als im wohlhabenderen La Paz, das in einem so genannten Talkkessel liegt. Je tiefer die Höhenlage, desto ist das Viertel. Von der Autobahn hat man einen überwältigenden Blick auf des Häusermeer von La Paz.

Es ist Rush-Hour und der Verkehr hupt und tost in beiden Städten, eine Fahrschule wirbt mit Metodo Europeo… Wer nach der Methode fährt, wird sich sicherlich ziemlich schnell im Krankenhaus wiederfinden. In La Paz sind die Straßen vollkommen verstopft mit Autos, so dass die Fahrt vom Busbahnhof zum Hotel ewig dauert.

Das Hostel, in dem Céline heute ein Zimmer mit Doppelbett reserviert hatte, hat nur noch ein Dreibettzimmer für uns im Angebot. Céline verhandelt mit dem Preis, die Typen an der Rezeption sind davon natürlich genervt, aber trotzdem war es ja deren Versäumnis. Das Zimmer, in dem wir schlafen sollen, hat keine Fenster. Wir sind für den Preis etwas unzufrieden, lassen aber Fünf gerade sein, stellen unsere Sachen ab und gehen in ein Locutorio, um Daysi anzurufen.

Daysi ist eine Freundin einer Bekannten meiner Schwester aus Berlin, Bolivianerin und lebt mit ihrer Familie in La Paz. Wir waren schon mit ihr verabredet, doch es war nicht klar, ob wir bei ihr schlafen können, denn wir kennen sie ja nicht. Doch am Telefon betont sie ausdrücklich, dass wir bei ihr übernachten können und sie ein Zimmer für uns frei hat. Sie wird uns abholen kommen. Glück gehabt, dann müssen wir nicht in diesem schäbigen Hostel übernachten.

Wir warten am Eingang des Hostel, an der Straße und halten nach Frauen zwischen 40 und 50 Ausschau, weil wir nicht wissen, wie Daysi aussieht. Wie wir da stehen, merken wir die zurückhaltendere Art der Bolivianer. In Peru wären wir schon längst von Horden von Taxifahrer umzingelt gewesen.

Als Daysi uns endlich abholen kommt, steigen wir so gleich in ein Taxi und fahren nach Obrajes, einem reicheren Viertel von La Paz, das etwas weiter entfernt vom Stadtzentrum liegt. Daysi kocht uns etwas zu Abendessen, ihre Hündin ist ein bisschen skeptisch und ängstlich uns gegenüber, doch letztlich friedlich. Unser Schlafzimmer ist tausendmal besser als in diesem Hostel und in der Dusche gibt es warmes Wasser, nicht wie in dieser Absteige mit der Elektrodusche, wo sich an der Rezeption zuvor drei Französinnen über das kalte Wasser beschwert hatten.

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