Miss Daysi ist unser Chauffeur, Tag 60

Daisy fährt uns in ihrem 30 Jahre alten VW Käfer ein bisschen durch die Gegend, nach dem das mit dem Wagenanlassen etwa 10 Minuten gedauert hat. Der Motor musste erst warm werden. An den Vordersitzen fehlen die Kopfstützen, Gurte an den Rucksitzen gibt es auch keine. Dafür wurde irgendwann mal ein neues Radio eingebaut, das aber zum Glück aus bleibt.

Etwas außerhalb der Stadt geht zum Valle de la Luna, einem Tal, dessen Gesteinsformationen durch Erosion geformt wurden. Es sieht ein bisschen aus, wie eine Tropfsteinhöhle, nur halt nicht als Höhle.

Ein Stück weiter raus hat man nach Osten hin einen wunderbaren Blick auf den Illimani im Postkartenformat. Wenn man Richtung Westen blickt, sieht man in der Ferne La Paz, das den Talkkessel mit seinen ziegelroten Häusern beinahe zum Überlaufen bringt.

Unterwegs unterhalten wir uns über Evo Morales. Daysi hat kein gutes Bild von ihm, aber sie gehört ja auch der weißen Bevölkerungsgruppe an, die natürlich unter seiner Führung benachteiligter sind als in den Jahren davor. Aber sie erzählt uns auch, dass man bei öffentlicher Kritik auch gerne mal im Knast verschwinden kann. Da lag ich mit dem wohlwollenden Diktator gar nicht mal so falsch.

Anschließend statten wir Daysis Tochter und ihrer Familie einen kurzen Besuch zum Hallo sagen ab. Ihre Tochter ist Sängerin, ihr Mann Schlagzeuger in der Band Las Mulatas, die bolivienweit einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Daysis Tochter hat eine beeindruckende Stimme, wie wir finden, als Daysi uns eine CD vorspielt. Und das ohne Gesangsausbildung. Vor drei Wochen ist Daysis Tochter zum zweiten Mal Mutter geworden und Erstgeborene hat einen kleinen Aufmerksamkeitsmangel, deshalb will er dass wir gehen, damit er wieder im Mittelpunkt stehen kann.

Nach dem Mittagessen mit Riesenportionen, zu dem es zum ersten Mal auf der gesamten Reise eine Sauce dazugibt und zum Trinken einen typisch bolivianischen Jugo Mocochincho (ein ziemlich süßer Saft mit Zimt und Trockenpfirsichen), fahren wir zur Arbeitsstelle von Daysis Sohn. Er arbeitet zusammen mit seiner Freundin an einem kleinen Stand und bereitet leckere Sushi zu, von denen wir uns zum Abendessen ein paar mitnehmen.

Nach einer kurzen Pause bei Daysi zu Hause, zeigt sie uns ihren Arbeitsplatz, in dem ein Tanzstudio und zwei volle Kammern mit Requisiten und Disney-Kostümen beheimatet sind. Daysi organisiert frei- und hauptberuflich Tanzveranstaltungen, Feste und Feiern.

Mit dem Bus fahren wir dann noch ins Marktviertel, in es ganze Straßenzüge voll Ständen und Geschäften gibt. Daysi muss ein paar Besorgungen für ihre Requisiten machen. Meine Kamera hätte ich nicht mitzunehmen brauchen, denn hier ziemlich viel Gewusel und Taschendiebe nicht weit. Im Rucksack, den ich vorne auf dem Bauch trage, ist sie besser aufgehoben.

Die Sicherheitslage hat sich die letzten zehn Jahre, vor allem im Zuge der extremen Bevölkerungszunahme im ärmeren El Alto, massiv verschlechtert. Es gibt falsche Polizisten, die einem in Uniform nach dem Ausweis fragen und einen unter Umständen verhaften und in die Pampas verschleppen. Es gibt falsche Taxifahrer, die einen entführen. Oder Diebe, die Frauen ihre Goldohrringe auf offener Straße am helllichten Tag abreißen, so geschehen bei Daysi.

Zum Abschluss essen wir noch Api con Pastel. Das Pastel erinnert etwas an den ungarischen Langos, Api ist hingegen eine Art Maissirup mit violetter Farbe. Beides Geschmackssache, aber ich finde man kann es ohne Bedenken wenigsten probieren. Danach geht es wieder heim in die Obrajes, gefahren von einem Taxifahrer, der aussieht wie Dustin Hoffman als Bolivianer verkleidet.

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