Guide of the Year, Tag 51

Alle sind noch ein bisschen müde, doch trotzdem bereit zum Losgehen. Marcus hat vor zwanzig Minuten bei allen an die Tür geklopft, damit keiner verschläft. Um 4:20 ist noch stockfinster, der Sternenhimmel scheint über uns. Zum ersten Mal sehe ich ein auf der Nordhalbkugel vertrautes Sternbild, den Orion, der allerlings auf die Seite gekippt ist.

Der Weg geht 1200m, also etwas mehr als der Brocken, nach oben. Wir schlürfen zunächst im Gänsemarsch mit unseren Stirnlampen bewaffnet gemächlich nach oben. Als es heller wird, kann jeder sein eigenes Tempo gehen.

Je weiter wir nach oben gehen, desto kälter wird es. Wir machen nur kurze Pause und laufen die meiste Zeit, um warm zu bleiben. Ein bisschen Proviant haben wir zum Glück noch. Zwei aus unserer Gruppe haben nicht genug Ausdauer und schaffen den Aufstieg nicht. Für die beiden muss Marcus zwei Canyontaxis (d.h. zwei Esel) organisieren, auf deren Rücken die beiden dann hochgetragen werden. Sie kommen etwa 45 Minuten später an. Der arme Marcus muss mit den schweren Rucksäcken der beiden hochlaufen und kommt völlig verschwitzt oben an. Dafür hat sicherlich den Orden “Guide of the Year” verdient.

Der Höhenunterschied von 1200m ist zwar doppelt so viel wie bei der Wanderung zur Laguna 69, doch es ist einfacher als gedacht. Zusammen mit Mar (einer Spanierin, die sehr gut deutsch spricht, weil sie drei Jahre in Deutschland gelebt hat) sind wir die ersten.

Danach gibt es im Dorf ein reichhaltiges Frühstück. Eine US-Amerikanerin am Nebentisch erzählt von ihrer Reise nach Irland und beschwert sich, dass sie dort niemanden verstehen konnte. Die beiden Irinnen aus unser Gruppe müssen schmunzeln und der Rest unserer fängt laut an zu lachen. Zwischenzeit trudeln auch unsere beiden Nachzügler ein.

Bevor es weitergeht, ruhen wir uns noch ein bisschen auf dem Hauptplatz des Dorfes aus, um den gerade eine Gruppe von Männern und Frauen musiziert und tanzt. Den Rest des Canyon-Ausflugs werden wir mit dem Bus herumgefahren, weite Strecke laufen müssen wir nicht mehr.

Zunächst geht es zu einem Aussichtspunkt mit Ausblick auf die Terassenfelder, die aus der Präinkazeit stammen und 1500 Jahre alt sind. Die Terrassen erstrecken sich hunderte Meter weit abwärts Richtung Fluss.

Danach geht es ins Thermalbad, aber Céline und ich haben irgendwie keine Lust und warten draußen. Anschließend gibt es Mittagessen, ein Buffet für schlappe 25 Soles pro Person. Clever einkalkuliert von der Agentur, dass wir das extra bezahlen müssen. Céline ärgert sich darüber.

Nach dem wir mittelmäßig und etwas überteuert verköstigt wurden, können wir einen neuen Höhenrekord brechen. Wir fahren zu einem Aussichtspunkt, der 4910m über dem Meeresspiegel liegt. Hier oben ist die Luft so dünn wo nie zuvor auf der Reise und es ist kalt und windig. Überall so weit das Auge reicht sind Steine zu Apachetas (Steinmännchen) zu sehen, die von den Bergbewohnern zu Ehren von Pachamama (Mutter Natur) aufgetürmt werden. Hier ist es so kalt, dass es entlang der Straße riesige gefrorene Eisblöcke zu sehen sind.

Die weitere Busfahrt führt durch eine schier endlose, karge Steppenlandschaft, in der es nur Gräser, Moose und Flechten zu geben scheint. Wir machen noch einen kurzen Halt, um den Herden von Lamas, die hier heimisch sind, einen Besuch abzustatten. Wir sind alle so müde und  die meisten im Bus schlafen und wollen von den Lamas nichts wissen.

Besonders Marcus ist nach dem 1200m-Aufstieg mit drei Rucksäcken am Ende und erzählt so gut wie nichts mehr. Der Arme muss sich mit einem Deutschen aus einer anderen Gruppe über Fußball unterhalten, was ihn so gut wie nicht interessiert, wie er betont. Das macht ihn nur noch sympatischer, wie ich finde.

In Arequipa, kurz vor dem Plaza de Armas trennen sich unsere Wege. Ein wirklich schöner Ausflug in die Natur mit dem inoffiziellen Guide of the Year, was will man mehr?

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Colca Canyon, Tag 50

Um acht Uhr nach dem Frühstück brechen wir auf, verlassen San Juan und wandern an den Aquädukten vorbei zum nächsten Dorf. Wir gehen an einer Schlucht vorbei, an dem gerade eine Zufahrtsstraße für eine Goldmine gebaut wird. Dafür wird Dynamit benutzt. Dadurch rumst es kräftig und es gibt riesige Staubwolken, so groß wie die Dörfer im Tal.

Wie unser Dschungelführer Pecho macht Marcus an jeder zweiten Pflanze halt und erklärt uns deren Nutzen. Wie auch im Dschungel, dienen die meisten Pflanzen als Heilpflanzen. Zum Beispiel Moya, rotem Pfeffer, dass erstens gut gegen Muskelkrämpfe, zweitens Bauchschmerzen und drittens gut gegen die Höhenkrankheit ist. Und viertens brennt es gut (ein Witz von Marcus).

Die Blätter der meisten Heilpflanzen schmeißt man in kochendes Wasser und trinkt das Gebräu dann. Das soll immer gut für die Verdauung und gegen Magenschmerzen sein. Vielleicht ist auch einfach das heiße Wasser und der Placebo-Effekt, die sich beruhigend auf den Magen auswirken.

Im Canyon gibt es viele Kakteen, die früher vor allem wegen der blutroten Farbe begehrt waren. Bevor künstliche Farben flächendeckend verfügbar waren, konnte man ein Pfund getrocknete Kakteenblätter für bis zu 80 Soles verkaufen und um die Kakteen wurde gekämpft. Heute ist das Sammeln nicht mehr lukrativ.

Weiter am Aquädukt vorbei, laufen wir den Hang hinauf, wo es ein kleines Geschäft gibt. Ein kleiner Junge, der etwa acht Jahre alt ist, fühlt sich als Verkäufer berufen und erklärt den Touristen eifrig die Preise. Sein Vater ist etwas genervt davon.

Eine kleine Katze schleicht herum, sie versteckt sich hinter einem Rucksack und wird von allen gestreichelt. Das Geschäft bietet auch etwas zu essen an, unter anderem Meerschweinchen, die im hinteren Teil gezüchtet werden. In einem anderen Bereich hängt Meerschweinchenfleisch in der Sonne zum Trocknen.

Wir marschieren weiter zum nächsten Dorf im Canyontal. Das Dorf ist etwa 200 Jahre alt und auf Adem Hauptplatz gibt es einmal im Jahr ein Fest mit Trachten und Tänzen. Die Trachten sind sehr teuer.

Der weitere Weg geht weiter hinab in zur Oase. Dort machen wir auch ein Gruppenfoto, Marcus benutzt dafür alle Kameras. Manche Teile dieser Strecke sind unbefestigt und man muss aufpassen, dass man nicht in die Tiefe fällt. Als wir endlich ankommen, springe ich gleich in den Pool.

Die Hütten der Unterkunft sind wie zuvor sehr spartanisch eingerichtet und das Bett ist komplett durchgelegen. Zum Dach hin sind die Wände offen, da kommt nachts allerlei Ungeziefer hereingekrochen.

Als es dunkel wird, sitzt unsere Wandergruppe zusammen am Tisch, wir trinken Bier und Cocktails, spielen Karten und unterhalten uns. Durch die klare Luft, den wolkenlosen Himmel und die fehlenden störenden Lichter der Stadt, funkeln die Sterne in alle Klarheit am Himmel und das Band der Milchstraße erstreckt sich über dem Firmament. Wir gehen früh ins Bett, denn morgen starten wir bereits um 4:20 Uhr mit dem Aufstieg aus dem Canyon.

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Colca Canyon, Tag 49

Der Bus zum Canyon steht vor unserem Hostel, doch um halb vier schläft der alte Mann mit dem Raucherhusten an der Rezeption schnarchend auf der Couch. Wir müssen ihn wecken, dass er die Tür aufschließt, denn sonst können wir nicht raus. Schlaftrunken rappelt er sich auf, findet treffsicher Schlüssel und Schloss und lässt uns in den Bus einsteigen. Mit dem Bus sammeln wir unterwegs weitere Leute aus anderen Hostels ein.

Wir fahren bergauf, deshalb sinken die ohnehin schon niedrigen morgendlichen Temperaturen. Wir bekommen Wolldecken, frieren aber trotzdem, besonders die Leute, die einen Fensterplatz haben. Denn fehlenden Schlaf kann man so kaum nachholen.

Im Morgengrauen kommen wir in einem kleinen Dorf an, wo es in einem Raum für uns alle Frühstück gibt. Alle aus unserer Gruppe sind noch zu verschlafen und sind nicht sehr gesprächig, ganz im Gegensatz zu ein paar Franzosen am Nebentisch.

Unsere Gruppe besteht aus drei Niederländern, zwei Iren, drei Spaniern, einer Deutschen (die aber peruanische Eltern hat), einer Peruanerin uns. Insgesamt wird es also ziemlich europäisch.

Während es mit dem Bus weitergeht, stellt sich unser Guide vor. Er heißt Marcus, sseine schwarzen, strähnigen, glatten Haare, die bis auf Höhe des Mundes reichen, hängen ihm im Gesicht, um seinen Silberblick zu kaschieren. Mit seiner dunkelgetönten Pilotenbrille sieht er aus wie Michael Jackson. So stellt er sich als Scherz auch vor, als Marcus Jackson. Jemand mit soviel Selbstironie muss einfach sympatisch sein.

Wir halten am Mirador del Condor, einem Teil des Canyon, an dem, wie der Name vermuten lässt, viele Kondore kreisen. Dort können wir 40 Minuten die Flugkünste dieser Greifvögel beschauen. Manchmal kreisen bis zu sechs Kondore über uns. Ein Kondor kann bis zu 90 Jahre alt werden, hat eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern und ist bis zu 15kg schwer.

Der Colca Canyon ist mit 4200m der zweittiefste der Welt. Der Grand Canyon in Nordamerika ist “nur” 1800m tief. Bevor wie den Canyon 1000m hinabsteigen, legen wir zur Motivation im Kreis stehend die Hände übereinander und rufen auf Quechua “Jacucho”, was soviel wie “Los gehts!” bedeutet. Die Wanderung dauert etwa vier Stunden.

Die Landschaft ist karg und die Wege staubig. Doch im Tal ist der Boden fruchtbar und es gibt grüne Flecken. Der Weg hinunter liegt in der prallen Sonne und ich bekomme fast einen Sonnenstich. Im Tal an der Brücke, die über den Fluss führt, bin ich K.O., doch zum Glück gibt es dort Schatten. Danach geht es nur eine kleine Strecke hinauf in das Dorf San Juan, wo wir übernachten werden. In San Juan leben 80 Einwohner und es gibt eine kleine Schule für drei Kinder.

Es gibt nur eine warme Dusche, doch zum Glück ist es noch warm draußen und ich nehme die kalte Dusche. Wir könnten mit Marcus noch hinauf zum anderen Dorf laufen, doch alle aus der Gruppe sind zu erschöpft und gehen erstmal schlafen vor dem Abendessen.

Die Gruppe ist im Laufe der Wanderung zum Glück gesprächiger geworden und am Abendessen unterhalten wir uns über unsere bisherigen Erlebnisse, denn die anderen haben meist auch schon eine längere Reise hinter sich. Lustigerweise können die Leute, die in meiner Nähe am Tisch sitzen alle Deutsch, deshalb kann ich ausnahmsweise mal auf Fremdsprachen verzichten.

Bevor wir schlafen gehen, gibt es noch einen ungebetenen Gast in unserem Zimmer: Ein Skorpion. Das etwa sechs Zentimeter große Tier, das etwa ein Meter über meinem Bett lauert, mache ich mit meinem Schuh platt. Klappe zu, Affe tot.

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Arequipa, Tag 48

Wir kommen morgens in Arequipa an. Unnötig zu erwähnen, dass man bei den holprigen Straßen keinen richtigen Schlaf finden kann.

Arequipa ist mit seinen knapp 850.000 Einwohnern neben Cusco das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des südlichen Perus. Wie Cusco und Lima, zählt ihre koloniale Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt liegt nur 2300m über dem Meeresspiegel, daher sind die Temperaturen hier etwas angenehmen. Die weißen Gebäude am Plaza de Armas sind wegen des anstehenden Nationalfeiertags mit rot-weißen Girlanden und Schleifen geschmückt. Die riesige Kathedrale von Arequipa ist so breit wie der der ganze Platz.

Im Hostel begrüßt uns ein alter Mann mit starkem Raucherhusten. Zum Glück darf man in den Zimmern nicht rauchen. Dann ist Stromausfall in unserem Hostel, ein guter Zeitpunkt, um den fehlenden Schlaf nachzuholen. Außerdem müssen wir am nächsten Tag schon früh raus, denn der Bus, der uns zum Canyon fährt, holt uns um 3:30 Uhr ab.

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Moray, Tag 47

Bevor wir Cusco verlassen, fahren wir noch nach Moray, einer Experimentstätte der Inka. Dafür muss zu erst mit dem Bus nach Maras, einem Kaff mitten im Nirgendwo. Als wir dort ankommen, wartet ein Taxifahrer auf Fahrgäste in dessen Combi aber schon sechs Leute sitzen: Mutter mit Kind im Kofferraum, vier Leute auf der Rückbank und zwei auf dem Beifahrersitz.

Die meisten Leute steigen aber im nahegelegenden Dorf wieder aus und wir fahren mit dem Taxifahrer alleine nach Moray. Der Taxifahrer wartet dort auf uns und bringt uns später wieder nach Maras zurück.

Er ist sehr gesprächig und fragt woher wir kommen. Dass es nach der Beantwortung der Frage um Fußball geht, war irgendwie vorprogrammiert. Doch dann fragt er, ob es viele Volkswagen in Deutschland gibt und weil er einen Toyota fährt, fragt er uns ob es auch viele Toyatas in Deutschland gibt. Er denkt, Toyota sei ein deutsches Auto, weil Toyatas wie die Volkswagen Käfer ja in Brasilien produziert werden. Auf die Logik muss man erstmal kommen.

Der Versuchsaufbau von Moray umfasst drei Rondelle, die zwischen 30 und 80m im Durchmesser aufweisen und terrassenförmig angelegt sind. Leider darf man im besterhaltendsten Rondell nicht nach unten, weil es wegen Restaurationsarbeiten vorrübergehend gesperrt wurde.

In dieser Stätte wurde untersucht, wie Pflanzen in unterschiedlicher Höhe und unterschiedlichem Boden wachsen, um den Ernteertrag zu maximieren und möglichst viele Leute mit Nahrung versorgen zu können. Diese Vorgehensweise Annahme – Experiment – Schlussfolgerung entspricht dem Denken der Aufklärung im Europa des 18. Jahrhundert.

Nach der selben Vorgehensweise arbeiten auch die modernen Naturwissenschaften. Die Erkenntnis kommt nicht durch Wunder oder durch Anbeten irgendwelcher Gottheiten, sondern durch Köpfchen anstrengen und ausprobieren. Damit waren die Inkas den Spaniern zwei Jahrhundert Jahre im Denken voraus.
Nach dem uns der Taxifahrer wieder zurück gefahren hat, warten wir an einer verlassenen Straße auf eine Mitfahrgelegenheit und sind am Ende wieder zu sechst im Combi.

In Cusco schauen wir uns eine Fotoausstellung von alten Schwarzweißaufnahmen von Machu Picchu an. Besondern interessant sind die Bilder kurz nach der Wiederentdeckung, wie feine Herren in Sakkos auf den Steinen posieren, die durch und durch mit Gras zugewachsen sind.

Bevor wir mit dem Nachtbus nach Arequipa fahren, gehen wir noch zum Markt und wir ärgern uns, dass wir ihn nicht schon eher besucht haben, denn erst sehr gut organisiert, man bekommt preiswertes Essen und sieht interessant Menschen.

Hinter dem Eingang warten zwanzig Frauen an zwanzig Obstständen darauf, uns einen Jugo machen zu können und uns ihre Saftkarten in die Hand drücken. Bei soviel Auswahl probieren wir zwei Stände aus. Wir gehen ein Stück weiter, wo eine Indianer-Schönheit sich neben einem Stand versteckt und eine alte Albino-Indianerin mit weißen langen Haaren verkauft Gemüse. Ein weiteres Stück finden wir ein gutes Almuerzo mit Linsen, Reis und Salat. Neben uns sitzt ein Typ mit US-Army-Camouflage-Kappe auf die ein gelbes Hakenkreuz gestickt ist. Ist das ein Kapitalisten-Nazi?

Cusco ist wirklich eine wunderbare Stadt, in der man bestimmt noch ein oder zwei Wochen hätte bleiben können und man hätte immer noch nicht alle Vermächtnisse der Inkas und Spanier gesehen. Doch wir sehnen uns auch nach ein bisschen Natur, deshalb geht die nächste Station unserer Reise ins Canyonland nach Arequipa, wo wir eine dreitägige Trekking-Tour machen werden.

 

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Planetarium Cusco, Tag 46

Am Nachmittag ist der Himmel bewölkt, doch im Laufe des Abends klart der Himmel auf und wir können später beim Planetarium die Sterne mit dem Teleskop beobachten. Moment, die Sterne im Planetarium mit dem Teleskop beobachten? Das bedarf einer längeren Erklärung.

Es gehört zum Programm wenn man wie wir heute Abend das Planetarium in Cusco besucht. In der Altstadt Cusco werden um 17:45 mit dem Minibus abgeholt. Carmen, eine junge Peruanerin macht die englische Führung, ihr Onkel Alcides die spanische. Wir nehmen zusammen mit etwa zehn bis zwölf anderen an der englischen Führung Teil. Doch erstmal geht es stadtauswärts, an den historischen Mauern von Saksayhan vorbei, im Dunkeln eine steile Straße hinauf. Von hier oben sieht man die Lichter der Stadt, die fast aussehen wie Sterne.

Auf dem Gelände des Planetariums ist es stockdunkel; gut, dass wir unsere Stirnlampen mitgenommen haben, sonst packt man bei den Treppen sich auf die Nase. Drinnen im Planetariumsvorraum bekommen wir für die Präsentation von Carmen Decken, weil nachts die Temperaturen auf 0°C sinken. Carmen hält einen sehr schönen, lebendigen Vortrag über die historische Himmelsbeobachtung der Inkas. Amüsanterweise bezeichnet sie die Invasion der Spanier als „kulturelle Unterbrechung“ und sieht sich selbst als Nachfahre der Inkas. Doch um auf das Thema Himmelsbeobachtung zu kommen muss sie etwas weit ausholen.

Nur 4% der Fläche des Landes von Peru sind fruchtbar. Daher die vielen Terrassenbauten an den Berghängen. Außerdem kann man die Feldfrüchte entsprechend züchten, so dass sie den extremen Temperaturschwankungen innerhalb eines Tages und den extremen Niederschlagsschwankungen innerhalb eines Jahres standhalten. Es gibt viele Mikroklimas in Peru, hinzukommt das El Niño-Phänomen, das sich in den letzten Jahren durch die globale Erwärmung verstärkt hat. Daher sind die hiesigen Feldfrüchte, die die Spanier mit nach Europa sind extrem wiederstandsfähig. Eine davon ist von deutschen Tellern und als Stärkelieferant für ein gewisses russisches Nationalgetränk kaum wegzudenken: Die Kartoffel.

Kurzum, damit die vielen Bewohner des Inka-Reiches ausreichend mit Nahrung versorgt werden konnten, musste man das Wetter und deshalb auch den Himmel genaustens studieren, um den Ernteertrag zu maximieren. Man braucht einen Kalender und dieser offenbart sich am Nachthimmel. Die Präsentation dreht sich hauptsächlich um Sternbilder, die aber eigentlich keinen wissenschaftlichen Wert besitzen, sondern eher historischen Wert haben. Aber das ist auch interessant, denn die Inka hatten wie die Griechen ihre eigenen Sternbilder und damit verbundene Erzählungen. Durch die südliche Lage leuchten hier andere Sterne am Himmel als in der nördlichen Hemissphäre, doch manche Sternbilder des Nordens wie der Große Wagen sind auch hier (leicht gedreht) in den frühen Abend- und Morgenstunden sichtbar.

Die südliche Lage bedingt auch, dass die Milchstraße in aller Klarheit sich über dem Firmament erstreckt. In den Formen der Dunkelwolken der Galaxis erfanden die Inkas eigene Figuren, wie den Frosch, den Fuchs oder das Lama.

Manche Sternbilder und deren Legenden sind mit der Agrarkultur assoziert. Eine Legende zum Beispiel, nach der ein Greis, Pflanzensamen mitgebracht haben soll, die sich in Form der Myriaden Sterne der Milchstraße am Himmel verewigt haben.

Nach dem Vortrag gehen wir in die winzige Kuppel, die einen Durchmesser von etwa drei Metern besitzt. Auch hier drin ist es kalt, aber können unsere Decken mitnehmen. Das Equipment des Planetariums mutet prähistorisch an, aber das Planetarium ist privat, ein Familienbetrieb und erhält keine staatliche Unterstützung.

Es besteht aus zwei dreh- und schwenkbaren Metallzylindern in denen sich jeweils eine Glühbirne befinden. Auf dem einen Zylinder sind Löcher für die Sterne des Firmaments an den entsprechenden Positionen einbohrt, in den zweite Zylinder sind die Sternbilder eingraviert. Im Prinzip können so nur zwei Bilder an die Kuppel projiziert werden; Sterne mit oder ohne Sternbildmarkierungen.

Carmen erklärt uns den Sternhimmel des Südens und wie man sich auf ihm zurechtfinden kann. Der Polarstern ist nicht sichtbar und einen Südstern gibt es nicht, deshalb muss man vom Kreuz des Süden 4,5 Schritte der Längsachse des Kreuzes in Richtung Süden gehen, um den Südpol zu finden. Leider ist, wie die Ausstattung vermuten lässt, der Eindruck des Sternenhimmels entsprechend unscharf und die Sterne besitzen alle die gleiche Farbe, was die Orientierung erschwert. Für die weitere Präsentation steht ein kleiner Digitalprojektor bereit, mit dem man Powerpoint-Präsentationen zeigen kann.

Nach der Präsentation in der Kuppel geht es dann endlich raus zum Nachthimmel, der zum Glück fast klar geblieben ist, nur ein paar Schleierwolken trüben die Sicht. Die Leute vom Planetarium haben zwei Teleskope aufgestellt. Weil zwischenzeitlich noch kälter geworden ist, wird uns allen Tee zum Aufwärmen angeboten. Gandalf, der weiße Planetariumshund schleicht im Dunkeln um uns herum.

Durch das Teleskop sehen wir das der Sonne nächste Doppelsternsystem Alpha Centauri A und B getrennt. Dann den majestätischen Saturn mit seinem gigantischen Ringsystem und seinem Mond Titan, der als kleiner orangener Punkt zu sehen ist. Ebenfalls imposant ist ein offener Sternhaufen und einen Kugelsternhaufen mit über einer Millionen Sternen im Sternbild Zentaur. Der Mars ist als rötliche Scheibe sichtbar, er ist zur Zeit weit von der Erde entfernt, um dort Oberflächendetails erkennen zu können.

Dann wird es draußen zu kalt, die Sternegucksitzung ist vorrüber und wir verabschieden uns. Die Leute sind superlieb und durch die Teleskope und das Beobachten des Nachthimmel war der Besuch jeden Soles wert, doch die magere Ausstattung der Kuppel hinterlässt nur einen bemitleidenswerten Eindruck. Ich wünschte, es gäbe eine freie Planetariumssoftware, mit der man solche kleine Kuppel mit wenigen Projektoren kalibrieren und bespielen kann.

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Cusco, Tag 45

Der heutige 16. Juli ist der Feiertag der Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel, der Schutzpatronin des Karmelitenordens. Die Frau soll in ihrer Lebensweise Jesus Christus sehr ähnlich gewesen sein und wird deshalb als Heilige verehrt.

In einer Geisterstadt, ca. drei Busstunden von Cusco entfernt, gibt es einen Karneval ihr zu Ehren. Doch wir brauchen mal einen Tag Ruhe schlendern lediglich ein bisschen durch Cusco. Auch in Cusco sieht man kleinere Musikkapellen und Umzüge, bei denen ein Abbild der Virgen del Carmen (so heißt die Frau auf Spanisch) getragen wird.

Cusco hat etwa eine halbe Million Einwohner. Die Zahl der Einwohner hat sich in den letzten Jahren im Zuge des Tourismusbooms rund um Machu Picchu und den anderen archäologischen Stätten verfünffacht. Während die archäologischen Stätten des untergegangenen Inkareiches außerhalb der Stadt liegen, ist die historische Altstadt geprägt von den Kolonialstilbauten der Spanier. Die Stadt ist voll auf den Tourismus ausgerichtet. An historischen Sehenswürdigkeiten hat die Stadt bestimmt so viel zu bieten wie Rom. Wer weiß, wie viel mehr es hier noch gäbe, wenn die Spanier die Inkastätten nicht verwüstet hätten.

Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind extrem, was vornehmlich an der sehr trockenen Luft liegt. Tagsüber kann bei 20°C mit T-Shirt bekleidet rausgehen, nachts hingegen braucht wir wegen der dünnen Fenster und fehlenden Heizung zum Schlafen drei Paar Socken, ein T-Shirt, zwei Pullover und eine dicke Decke über unseren Schlafsäcken, damit wir nicht frieren. Die Temperaturen sinken bis auf den Gefrierpunkt.

Wenn durch die Stadt geht, sieht man in den schmalen Gassen sieht man Indianer-Frauen in Tracht mit kleinen Babylamas oder Babyschäfchen oder Babyalpacas, mit denen man sich für ein paar Soles fotografieren lassen kann. Mir fällt auf wie viele Touristen Pullover und Mützen aus Alpacawolle tragen, aber ich werde mir sowas etwas erst in Bolivien kaufen. Ist auch dort auch ein bisschen günstiger.

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Pisac, Tag 44

Heute wollen wir zuerst nach Pisac und dann nach Moray.

Zuerst gilt es, die richtige Busstation zu finden. Der Bus ist groß, aber es ist der erste Bus auf der gesamten Reise in des wirklich unangenehm nach Mensch stinkt. Egal in welchem Bus ich gesessen habe, ich habe nie schlechtriechende Menschen getroffen, egal welchen Alters. In Berlin ist die Wahrscheinlichkeit weitaus höher, neben einem versoffenen, verrauchten, ungewaschenen oder verlebten Sitznachbarn zu sitzen.

Das Taxi bergauf zu den Ruinen von Pisac kostet nochmal 25 Soles. Der Taxifahrer lässt uns einsteigen, fragt uns woher wir kommen. Beim Stichwort Deutschland fällt bei ihm sofort die Assoziation Fußballweltmeister. Dann erzählt er und etwas von einem Taxi-Fahrerverbund, parkt das Auto am Straßenrand, steigt aus, geht weg und lässt uns allein im Auto sitzen. Dann klopft ein anderer Taxifahrer an die Fensterscheibe, erzählt ebenfalls etwas von Taxifahrerverbund und wir steigen bei ihm ein. Der Preis ist derselbe. Oben am Eingang der Ruinen verkaufen Händler Getränke und Souvenirs.

Die stufenartig an den Hängen angelegten Inka-Terrassen dienten einem effektiverem Anbau von Feldfrüchte wie Mais, Kartoffeln oder Paprikas um eine größere Anzahl von Menschen versorgen zu können. Die Terrassen wurden durch noch heute funktionierende Kanäle bewässert. Die Ruinen wurden um 1440 erbaut und etwa einhundert Jahre später von den Spaniern nahezu komplett zerstört. Genau wie die Festung von Ollantaytambo liegt die Pisac im Heiligen Tal der Inka. Während Ollantaytambo dazu diente, das Tal vom Norden her abzusichern, bot die Festung in Pisac Schutz gegen Eindringlinge aus dem Süden.

Wir bleiben etwa zwei Stunden auf den Ruinen, der Abstieg in das Dorf Pisac dauert etwa eine Stunde. Unten angekommen, stoßen wir auf einen Markt, in dem wieder Souvenirs, Musikinstrumente und Kleidung aus Alpaca-Wolle verkauft werden.

Die Fahrt nach Moray würde von hier weitere zwei Stunden dauern und es ist schon spät, daher entscheiden wir uns dafür, Moray an einem anderen Tag zu besuchen.

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Ollantaytambo, Tag 43

Als erstes beschweren wir uns an der Rezeption über das Zimmer und die verplante Reservierung. Der Typ ist etwas uneinsichtig und meint, es gäbe Warmwasser. Man müsse nur den Hahn vollaufdrehen und das Wasser fünf Minuten laufen lassen. Was für eine Verschwendung. Wir einigen uns am Ende auf 50 statt 60 Soles. Wir frühstücken woanders in einen kleinen, gemütlichen Café.

Dann kaufen wir uns um in die Festung von Ollanta zu kommen, ein Boleto Touristico, das es wie erwähnt für zwei oder zehn Tage gibt. Weil ich über 25 bin, bekomme ich keinen Studentenrabatt mehr und wir entscheiden uns für das Zweitagesticket mit dem man sich vier Sehenwürdigkeiten anschauen kann.


Die Festung von Ollantaytambo wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Die terrassenartig angelegten Mauern erheben sich etwa 60m über dem Dorf und sind über eine endlos hohe Treppe erreichbar. Die hohen Mauern, von denen die Inkas mit Pfeil und Bogen schießen konnten, machten das Einnehmen der Festung für die Spanier unmöglich. Die Riesensteinblöcke halten Erdbeben stand, während die viel filigraneren Kolonialstilbauten der Spanier in Cusco Schäden davontrugen.

Auf dem Rückweg nach Cusco fährt der Fahrer des Minibusses wie ein Irrer über die Geschwindigkeitshuckel, die an jedem Ortseingang die Autofahrer zum Abbremsen zwingen soll. Bei unserem Minibus brechen jedes Mal fast die Achsen.

Das Boleto für zwei Tage war eine Milchmädchenrechnung, denn man kann nicht zu vier beliebigen, sondern nur zu den vier Stätten, die auf dem Boleto abgedruckt sind. Eigentlich wollte ich die Inka-Ruinen, die sich in der Nähe von Cusco befinden besichtigen, aber sei‘s drum.

Also fahren wir als erstes nach Chinchero, einem hübschen Dorf, in dem es die typischen Inka-Mauern und eine von den Spaniern errichtete Kirche zu sehen gibt. Die Fahrt dorthin dauert etwa eine dreiviertel Stunde. Vor mir sitzt eine alte Frau mit grauem Star auf einem Auge.

Nach dem Aussteigen aus dem Bus müssen wir noch ein kleines Stück den Berg hochlaufen und unser Boleto vorzeigen. Man hat einen tollen Ausblick auf die umliegenden Berge. Ein kleiner Junge kommt auf uns zugerannt. Er heißt Lukas und hat das Downsyndrom. Er betatscht uns mit seinem klebrigen Händen und zerrt an unserer Kleidung. Meinen Fotoapparat findet er besonders interessant. Vor allem, als ich ein Foto von ihm mache und er sich selbst auf dem Display sehen kann; dann jauchzt er laut. Seine Mutter meint, dass er möchte, dass wir uns hinsetzen. Zehn Meter von der Bank auf der wir sitzen, ist ein Stand mit Snacks. Wir bemerken, dass die Mutter ihren behinderten Sohn nur benutzt hat, um uns ein paar Getränke und Schokoriegel zu verkaufen.

An den orange-bräunlichen Inka-Mauern, die die Terrassen begrenzen und deren Steine akkurat übereinander gestapelt sind, gibt es ein paar Indigenes, die gerade Kartoffel stampfen und in der Sonne trocknen, um sie zu konservieren. Céline unterhält sich angeregt mit einem der Arbeiter, es wird gelacht. Auf Quechua fällt das Wort „Gringa“, aber die Indianerin meint es glaube ich eher scherzhaft.

Auf dem hinteren Gelände gibt es auch eine Eselfamilie mit einem kleinen Babyesel, der sich gerne sein weiches Fell streicheln lässt. Auf den oberen Terrassen verkaufen Indigenas Pullover, Decken und Mützen aus Alpaca-Wolle.

Wir kaufen bei einer Frau eine schöne warme Wolldecke. Wir handeln den Preis auf 70 Soles, doch trotzdem haben wir am Ende kein Geld mehr für den Bus zurück nach Cusco. Einen Geldautomaten gibt es in diesem Kaff nicht. Wir finden einen Bus, doch Céline muss in Cusco nach dem Aussteigen zum Geldautomaten, dann in irgendeinem Geschäft etwas kaufen, um Wechselgeld zu bekommen (was in Peru irgendwie immer knapp ist) und dann dem Busfahrer das Fahrgeld geben. Ich warte währenddessen am Bus.

Anschließend gehen wir in Supermarkt, um die Zutaten für das Abendessen zu kaufen. Die Supermarktkette heißt genau wie das Erotikversandhaus Orion und das Logo sieht auch fast genauso aus. Strapse und Dildos gibts hier aber keine, auch nicht auf Bestellung.

Als wir Tür zu unserem Zimmer aufschließen wollen, bricht Céline der Schlüssel im Schloss ab. Ich kann den Schlüsselbart herausziehen, doch das Schloss klemmt trotzdem. Mit einem anderen Schlüssel und etwas Hilfe vom Hostelpersonal lässt sich die Tür aber dann doch öffnen.

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Machu Picchu, Tag 42

Man muss früh losgehen nach Machu Picchu, wenn man von dort noch den Sonnenaufgang erleben will. Wir stehen um vier Uhr auf, um uns eine halbe Stunde später zu Fuß auf den steilen Weg nach Machu Picchu machen zu können. Der Frühstücksraum im Hostel ist überfüllt mit Pfadfindern in uniformer Kluft. Wir verschlingen schnell stehend unser Frühstück, kippen schnell den Kaffee bzw. Tee hinter Binde und dann gehen wir los. Draußen ist es noch dunkel und die Straße nach Machu Picchu nur zum Teil beleuchtet. Erst einmal geht es ohne größere Steigung zu einer Brücke, an der unsere Tickets geprüft werden. Dann geht es den Wanderpfad hinauf. Der Weg hoch ist höher und schwieriger als erwartet. Es fühlt sich an wie Treppensteigen in einem Wolkenkratzer. Machu Picchu liegt mit 2390m über dem Meerespiegel 280m höher als Aguas Calientes.

Auf dem Weg nach oben wird es heller, die Venus scheint hell am Himmel. An jeder Biegung hoffe ich, dass es die letzte sein wird. Doch irgendwann erreichen wir den Eingang nach Machu Picchu, an dem bereits Scharen von Touristen in der Schlange stehen. Die, die mit dem Bus hochgefahren wurden, sind natürlich früher da und erholter. Wir hingegen sind schweißnass.

Die Stadt wurde um 1450 errichtet, doch ihr ursprünglicher Name und Zweck sind bis heute ein Rätsel. Entdeckt wurde die Stadt im späten 19. Jahrhundert, doch weltbekannt wurde sie erst 1913 nach dem die Zeitschrift National Geographic ihr eine gesamte Ausgabe widmete. Zwei Jahre zuvor hatte Hiram Bingham die Stadt auf einer Expedition wieder entdeckt. Schätzungen zu folge konnte die Stadt etwa 1000 Menschen beherrbergen, bei der frühen Erforschung fand man hier etwa 100 Skelette.

Es gibt Touristen aus aller Herren Länder; aus China, Japan, den Niederlanden, Frankreich, Argentinien, Russland, Deutschland. Doch am auffälligsten sind die vielen Gruppen Halbstarker Amis, die sich durch ihr hormongeschwängertes Verhalten lautstark bemerkbar machen.

Dann müssen wir uns in  eine der drei Schlangen stellen. Es geht langsam voran und wir bangen um den Sonnenaufgang. Doch die Sonne lässt sich bei ihrem Aufstieg über die Berge noch etwas Zeit. Es ist richtig kalt, wir kühlen ab und frieren. Wir steigen auf den Haupttempel, um zu sehen, wie sich die Sonnenstrahlen über die Berge verstreuen und die Landschaft erhellt wird. Als die Sonne es über die steilen Felsen geschafft hat, wird es auch schnell wärmer. Das Gelände ist sehr gepflegt, es liegt kein Müll herum und die meisten Leute halten sich auch an den Abfallverbot.

Doch bevor wir uns das Weltkulturerbe aus der Nähe anschauen, geht es noch einmal 240m hoch Treppensteigen auf den nahegelegenen Berg Huayna Picchu, von dem wir die Inka-Stadt wunderbar aus der Ferne begutachten können. Dafür müssen wir wieder Schlange stehen, denn es gibt zwei Gruppen für den Aufstieg, eine von sieben bis acht Uhr und eine von zehn bis elf.

Wir sind nach der Pause vom Sonnenaufgang wieder fit. Nach dem wir die Laguna 69 geschafft haben, ist dieser Aufstieg ein Klacks. Eine US-Amerikanerin, deren etwa vierzigjähriger Körper ausgiebig von McDonald’s geformt wurde, hat sich aber vorsichtshalber eine Sauerstoffflasche mitgenommen.

Der Ausblick von hier oben ist atemberaubend. Diese steilen, mit Bäumen bewachsenen Berge und mittendrin dieses historische Monument. Man kann die Serpentine für die Touri-Bussi und die Brücke, an der wir vorhin zum ersten mal unser Ticket zeigen müssen, erkennen. Die Brücke liegt etwa 520m unter uns. Wenn man Machu Picchu von hier beobachtet, kann man immer wieder Leute sehen, die bei vollem Sonnenschein mit Blitzlicht fotografieren. Vielleicht macht das bessere Fotos. Mir fällt auch auf, wie viele Leute mit ihren Tablets Fotos machen. Ich für meinen Teil bringe das nächste Mal meinen Full-HD-Fernseher mit der integrierten Webcam mit, um damit meine Anwesenheit auf Machu Picchu für die Nachwelt festzuhalten. Als wir wieder unten in der Inka-Stadt ankommen, ist bereits voller geworden. Mitarbeiter des Monuments weisen auf Anhöhen stehend den Weg um Gedrängel in den schmalen Wegen zu vermeiden.

Insgesamt hier alles sehr restriktiv, was aber verständlich ist. Vor ein paar Jahren wurde die Zahl der Besucher pro Tag auf 2000 begrenzt, um die Stätte zu schonen. Die UNESCO fordert, die Zahl der Touristen gar auf 800 pro Tag zu beschränken. Schilder mit Erklärungen gibt es auf dem gesamten Gelände keine, denn dafür soll man sich ja einen Guide organisieren. Man kann aber auch einfach bei den anderen Guides mithören, denn für die vielen Touristen auf dem Gelände gibt natürlich auch entsprechend viele Guides. Dafür werden Lamas als Touristenattraktion auf dem Gelände gehalten, darunter auch viele kleine und ein Neugeborenes, das noch kaum laufen kann.

Wir sehen eine Gruppe Argentinier, alle in Trikots der argentinischen Nationalelf und mit Fahne. Sie bereiten sich jetzt schon auf das Finalspiel der Fußball-WM Deutschland gegen Argentinien vor. Die Gruppe wird uns heute noch mehrmals begegnen. Richtung Ausgang hält ein Typ einen Schal mit der Aufschrift „Santos“ (wahrscheinlich ein Fußballverbein) hoch und lässt sich fotografieren und wird dafür von den Guides ermahnt. Ist ja auch selten dämlich, aber es geht hauptsächlich darum, dass er das Foto mit Machu Picchu nicht für seinen Verein verwenden darf.

Der Abstieg ist etwas einfacher, dafür laufen wir in prallen Sonne und die Touristenbusse wirbeln immer reichlich Staub auf. Wir kommen ausgelaugt mit leerem Magen und trockener Kehle um 13 Uhr in Aguas Calientes an.
Das Essen in Aguas Calientes ist schäbig und teuer, was vornehmlich daran liegt, dass die meisten Touristen hier nur eine Nacht verbringen. Wir probieren das Menü für 20 Soles, das so ziemlich günstige, was man hier abstauben kann. Dafür bekommt man einen übersichtlich Salat auf einer Untertasse, eine fade Tomatensuppe, eine dreiviertel Portion Spaghetti und ein halbes Glas Jugo; immerhin. Auf die 20 zwanzig Soles kommen dann noch sechs Soles Servicegebühr obendrauf.

Wir haben noch den halben Tag, denn unser Zug fährt erst um 21:30 nach Ollantaytambo zurück. Zeit, um das Endspiel Deutschland gegen Argentinien zu gucken. Wir gehen dazu in ein Restaurant voller Argentinier. Die Gruppe, die wir bereits zuvor in Machu Picchu getroffen haben, sitzt hinter uns und grölt während des Spiel lautstark mit. Wir sind also in der absoluten Minderheit. Ein Peruaner, der für Deutschland ist, sitzt mit uns am Tisch. Als Miroslav Klose ausgewechselt wird, buhen die Argentiner hinter und ich drehe mich mit skeptischem Blick um. Dann wissen sie, dass wir aus Deutschland kommen. Zu Ende der regulären Spielzeit, als es immernoch 0:0 steht, befestigt ein Argentinier ein „Vamos Argentina“-Pappschild mit der Aufschrift mit Klebeband unter dem Fernseher.

Doch das Schild hält nicht lange, es fällt herunter. Das ist Zeichen, denn fünf Minuten später fällt das Tor für Deutschland. Nachdem Spiel gratuliert mir einer der schon ziemlich angetrunkenen Argentinier, so als ob der WM-Titel meine alleinige Leistung gewesen wäre. Ich sage ihm, das Argentinien auch gut gespielt hat, doch er ärgert sich trotzdem. Jedermann sein eigener Fußball.

Dann gehen wir ins Hotel und schlagen die Zeit mit Breaking Bad gucken tot. Dort stellen wir fest, dass die Argentiniergruppe im gleichen Hotel ist wie wir. Dann begegnen wir ihnen auch noch in der Einkaufsmeile, bevor wir zu Bahnstation gehen. Die Bahnstation ist etwas versteckt, doch wir finden sie schlussendlich.Die Argentinier sind diesmal nicht in unserer Gegenwart. So erschöpft wie ich bin, schlafe ich im Zug sofort ein.

Angekommen in Ollantaytambo, müssen wir noch zu unserem Hostel laufen und wollen dort einfach nur noch in unsere Betten sinken. Doch Pustekuchen. Das Hostel hat geschlossen, niemand ist an der Rezeption, obwohl wir uns für heute Nacht angekündigt haben. Das Hostel liegt am Hauptplatz des Dorfes, wo sich ziemlich viele Straßenköter aufhalten. Fünf von ihnen sind uns auf den Fersen und blaffen uns an. Einer bewegt sich merkwürdig verkrampf, so als hätte er Tollwut. Wir schaffen es, in eine Garage neben dem Hostel zu rennen und die Hunde hinter uns lassen. Von dort kommt man auch in den Innenhof des Hostels. Wir klopfen und rufen, nach ein paar Minuten kommt ein alter Mann völlig entgeistert die Treppe herunter. Er gehört zum Hostel und wir sagen, dass wir eine Reservierung für heute Nacht haben. Er lässt uns in ein Dreibettzimmer, obwohl wir eigentlich ein Doppelzimmer reserviert hatten. Der Preis ist der gleiche. Wir bekommen keine Handtücher, kein Klopapier und keinen Schlüssel. Warmwasser gibt es ebenfalls nicht. Das Bettlaken des dritten Bettes benutzen wir als Handtuch. Doch trotzallem schlafen wir gut.

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